Diskriminierung im Job: Grundlagen abdecken

von | 28.10.2021

Ein neu aufgelegter Leitfaden gibt einen Überblick darüber, was Unternehmen gegen Geschlechterdiskriminierung tun können – und greift dafür auf diskriminierende Sprache zurück.

Foto: CSL

„Es bleibt in unserem Land noch viel zu tun, auch wenn die Geschlechtergleichstellung de jure verankert ist“, so die Ministerin für die Gleichstellung von Frauen und Männern (Mega) Taina Bofferding (LSAP) am Mittwoch. Zusammen mit Nora Back, der Präsidentin der Salariatskammer (CSL), hatte sie die Presse einberufen, um eine überarbeitete Auflage des „Praktischen Leitfadens für Gleichstellungsdelegierte“ vorzustellen. Letztere sind in jedem Betrieb mit mehr als 15 Beschäftigten verpflichtend.

„Wir hoffen, dass dieser praktische, lehrreiche und kostenlose Leitfaden dazu beitragen wird, das individuelle und kollektive Bewusstsein für dieses Thema zu stärken“, schreibt Nora Back in der Einleitung der Broschüre. Ziel ist es, Grundlagenwissen zu vermitteln: Wie fördert man Gleichstellung am Arbeitsplatz? Welche Rechte und Pflichten haben Gleichstellungsdelegierte? Welche Diskriminierungsgründe gibt es? Abgeschlossen wird der Leitfaden mit einem Glossar relevanter Begriffsdefinitionen sowie einer Auflistung nützlicher Links und Veröffentlichungen. In den kommenden Wochen werden Print-Versionen an die Betriebe verteilt, die Broschüre ist jedoch auch in digitaler Form auf den Internetseiten von CSL und Mega abrufbar.

Nach spezifischen Fortbildungen für Gleichstellungsdelegierte befragt, bestätigten die Verfasserinnen ein entsprechendes Angebot: Zwei halbe Arbeitstage stünden den Delegierten zur Verfügung, um sich in puncto Diskriminierungsbekämpfung weiterzubilden.

Im Rahmen der Pressekonferenz erinnerte die Ministerin an Fortschritte in puncto Gleichstellung in den letzten Jahren: der vereinfachte Zugang zum Arbeitsmarkt, die Ausweitung des Elternurlaubs. Jene Maßnahmen also, „die beiden Geschlechtern ein Gleichgewicht zwischen Beruf und Familie ermöglichen“. In diesem Kontext erwähnte Bofferding die geplante Einführung eines Rechts auf Teilzeitarbeit.

Diese Fokussierung auf die Geschlechterbinarität findet sich auch im Leitfaden, die Existenz nicht-binärer Personen wird ausgeblendet. Und trotz Erwähnung von intersex und trans Personen hatten die Verfasser*innen offensichtlich vor allem cis-Geschlechtlichkeit im Sinne. Die Herausgeber*innen rechtfertigten dies der Presse gegenüber damit, dass auch im Arbeitsrecht lediglich von Männern und Frauen die Rede sei. Auch wenn dies „bedauerlich“ sei, wie Nora Back einräumte.

„Bedauerliche“ Binarität

Dennoch hätte man mit einem inklusiven Sprachgebrauch im Leitfaden mit gutem Beispiel vorangehen können. Zwar ist der Text – wenn auch nicht einheitlich – gegendert, es wurde jedoch eine Gendering-Methode gewählt, die einzig auf Binarität ausgerichtet ist. Die im Glossar angegebene Definition von Geschlecht lautet: „Biologische Merkmale, die Frauen und Männer unterscheiden“. Diese Definition diskriminiert sowohl trans, intersex als auch nicht-binäre Personen. Verwendete Begriffe wie „Geschlechtsumwandlung“ verstärken den Eindruck, dass die Verfasser*innen und Herausgeber*innen sich ungenügend mit den Thematiken auskennen, über die sie nun die Arbeitswelt aufklären wollen.

Möglichen Kritikpunkten wurde bereits vorgegriffen: Auf der ersten Seite wird erklärt, dass weder die Herausgeber*innen noch die Verfasser*innen „für mögliche Auslassungen oder Fehler in der vorliegenden Veröffentlichung oder für Folgen, die sich aus der Verwendung der in dieser Veröffentlichung enthaltenen Informationen ergeben“ haften.

Dat kéint Iech och interesséieren

NEWS

La CCDH est dans son rôle quand elle critique un parti

La présidente de la Commission consultative des droits de l’homme (CCDH), Noémie Sadler, était parfaitement dans son rôle lorsqu’elle a déclaré qu’il faut « maintenir le pare-feu contre la droite », après le vote du Parlement européen en faveur du nouveau règlement sur les retours des migrant·es et réfugié·es, le 17 juin dernier. Telle est la...

NEWS

HIV-Medikament: Profitstreben tötet

Zwischen dem 26. und 31. Juli fand im brasilianischen Rio de Janeiro die 26. internationale Aidskonferenz statt. Zu diesem Anlass kritisierte die Gesundheits-NGO „Ärzte ohne Grenzen“ (Médecins sans frontieres, MSF) den Pharmahersteller „Gilead“, weil dieser sein HIV-Medikament Lenacapavir nicht als Generika für Länder mit geringem und...

NEWS

Aktion am Flughafen zum Erdüberlastungstag

Der Erdüberlastungstag („Earth Overshoot Day“) fiel dieses Jahr auf den 30. Juli. Dies ist acht Tage später als noch 2025 – was dennoch kein Grund zur Entwarnung ist. Das spätere Datum ergibt sich nämlich aus genaueren Daten, etwa zur CO2-Aufnahmefähigkeit der Ozeane, nicht aus einer nachhaltigeren Lebensweise. Der Luxemburger Overshoot Day...