Ewigkeitschemikalien in Luxemburg (1/4): Auf immer und ewig

von | 10.07.2025

In Regenmänteln und Anti-Haft-Beschichtungen von Pfannen findet man sie, und immer häufiger auch in Bächen, Flüssen und sogar im Trinkwasser: Gesundheitsschädliche Ewigkeitschemikalien sind mittlerweile überall. Eine exklusive Recherche der woxx zeigt das Ausmaß der Verschmutzung in Luxemburg.

Ewigkeitschemikalien auf der Spur: Eine monatelange Recherche der woxx zeigt, dass PFAS auch in Luxemburg so gut wie überall anzutreffen sind. In vier Teilen werden wir in dieser Artikelreihe zeigen, welche Werte in Luxemburg gemessen wurden, wo diese herkommen, welche Konsequenzen PFAS auf Gesundheit, Umwelt und Wirtschaft haben und wie die Politik mit dem Thema umgeht.
Eine Collage, die auf die Verschmutzung mit Ewigkeitschemikalien hinweisen soll. Eine Baumwurzel mündet in einem Balkendiagramm mit höheren Werten und geht oben in eine Leitung über. Außerdem sind Regenwolken und Häuser zu sehen

(Copyright: María Elorza Saralegui / woxx)

Es ist Sommer, und heiß. Im Kühlschrank steht griffbereit ein Krug Wasser. Erfrischend. Was nicht jede*r weiß: mit dem Durst spült man auch Spuren von PFAS mit hinunter. Die sogenannten Ewigkeitschemikalien sind scheinbar allenthalben. Mittlerweile liest man beinahe wöchentlich Meldungen über neue Funde: Ob im Wein, Meeresschaum, Gemüse, Trinkwasser, in Mineralwasser und Flüssen – den Chemikalien, die unter dem Begriff „per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen“ (PFAS) subsumiert werden, kann man kaum noch entkommen.

Wie gefährlich die Substanz für Mensch und Umwelt ist, ist aktuell noch schwer zu beurteilen. Viele PFAS stehen, je nach spezifischer Substanz, im Verdacht, gefährlich für die menschliche Gesundheit zu sein, manche sind dies ganz sicher. So schädigen manche PFAS das Immunsystem und die Leber, erhöhen die Cholesterolwerte und verursachen mutmaßlich Nieren- und Hodenkrebs. Auch TFA gilt als reproduktionstoxisch, kann demnach negative Auswirkungen auf die Fortpflanzungsfähigkeit von Mensch und Tier haben. Besonders stark ist die Evidenz dafür, dass es durch TFA zu Missbildungen bei Neugeborenen kommt. Europäische Grenzwerte für TFA gibt es dennoch noch keine (siehe Kasten hier unten).

Über die PFAS-Belastung in Luxemburg gibt es bisher noch kein vollständiges Bild. Der Mouvement écologique (Méco), der Teil des europäischen „Pesticide Action Network“ (Pan Europe) ist, sammelte für dessen Messkampagnen Proben in Luxemburg. Die genauen Messpunkte gab der Méco nicht bekannt, gab jedoch an, dass sie über verschiedene Gegenden des Landes verteilt waren: „Wir haben Proben aus Quellwasser, Leitungswasser und Oberflächenwasser genommen“, so Claire Wolff gegenüber der woxx. „Für ein kleines Land wie Luxemburg sind diese schon ziemlich repräsentativ.“ 2023 veröffentlichte ein Team von Journalist*innen aus ganz Europa mit „Forever Pollution Project“ eine Bestandsaufnahme der Situation auf dem Kontinent. Die Messungen in Luxemburg waren immer nur Stichproben.

Es gibt auch ältere Messwerte. So führten bereits 2008 Forscher*innen des Institutes für Umwelt und Nachhaltigkeit der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU-Kommission eine Analyse von Flusswasser durch. Geprüft wurde eine ganze Reihe verschiedenster Stoffe, unter anderem auch einige PFAS. Neben einer hohen Konzentration des Schmerzmittels Ibuprofen in der Alzette markierten die Forscher*innen in ihrer Tabelle zwei weitere Messwerte in Sauer und Mosel mit rot, einen „hohen Wert“ also: 16 und 19 ng/L der Ewigkeitschemikalie Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) wurden in den Flüssen gemessen. Dies, obschon der Einsatz von PFOS seit 2006 – also bereits zwei Jahre vor der hier zitierten Messung – bis auf wenige Ausnahmen in der EU verboten war.

Über 10.000 Stoffe gehören zur Familie der PFAS. Es handelt sich dabei nicht um natürlich vorkommende Substanzen, sondern um Chemikalien, die vom Menschen gemacht wurden. PFAS gibt es seit den 1940er-Jahren und da sie viele nützliche Eigenschaften haben, werden sie seitdem vielfach verwendet. Bei ihrer Herstellung werden Fluor-Atome in Verbindungen eingebaut, wo sie den Platz von Wasserstoff-Atomen einnehmen. Dadurch erhalten diese Substanzen Eigenschaften, die in industriellen Prozessen wichtig oder bei einzelnen Produkten wünschenswert sind – zum Beispiel bei beschichteten Pfannen, in denen Essen nicht anbrennt, wasserabweisender Kleidung oder besonders wirksamem Löschschaum für die Feuerwehr. Doch die vielfältig anwendbaren Chemikalien haben einen Haken: Ihre Fluor-Atome werden in der Natur nicht abgebaut. Deswegen werden PFAS oft als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet. So gibt es zwar Umwandlungs- und Abbauprozesse, doch das Fluor bleibt in diesen Verbindungen erhalten. Am Ende der Verwandlung steht dann meist eine der wichtigsten PFAS: Trifluoracetat (TFA). Das ist das abschließende Abbauprodukt vieler PFAS-Verbindungen, und eines, das mittlerweile überall gemessen wird. TFA ist extrem stabil, langlebig und nur sehr schwer abzubauen. Vor allem ist es wasserlöslich und damit sehr mobil. Dass Studien zunehmende TFA-Konzentrationen in Gewässern, in Böden und in der Atmosphäre messen, ist somit kein Wunder.

In allen Gewässern

In den vergangenen Monaten trug die woxx Messdaten aus verschiedensten Quellen zur Situation in Luxemburg zusammen: von NGOs, aus wissenschaftlichen Studien und vor allem aus Daten der Wasserverwaltung und des Umweltministeriums. Die Existenz dieser Messwerte mag überraschen, da etwa in einem im Dezember 2024 von der europäischen Umweltagentur (EEA) herausgegebenen Bericht keinerlei Messwerte aus Luxemburg aufgeführt wurden (woxx 1816, „Wasserqualität in Europa: Ewigkeitschemikalien“). Gemessen wurde dennoch, und auch festgestellt: Vor allem TFA wurde hierzulande nachgespürt. Daher hat sich unsere Recherche auf diesen Stoff konzentriert.

Die Daten zeigen: In so gut wie jedem Luxemburger Gewässer wird die Verbindung nachgewiesen. Die Werte schwanken jedoch und folgen keinem nachvollziehbaren Muster (siehe Grafik). Der höchste Wert von 5.200 Nanogramm pro Liter (ng/L) wurde Anfang November 2023 im Süden des Landes gemessen, in der Gander bei Emeringen. Ein Monat später war der Wert auf 3.200 ng/L gesunken, davor lag er mit 1.200 ng/L wesentlich niedriger. Werte über 3.000 ng/L wurden auch in den Monaten Januar und März 2023 gemessen. Bei einer früheren Messkampagne im Jahr 2020 wurde ein halbes Jahr lang, von Mai bis Oktober, überhaupt kein TFA gemessen.
Ähnlich zeigen sich die Messdaten der Sauer bei Erpeldingen: Im Januar 2018 wurde mit 2.300 ng/L der höchste Wert festgestellt, einen Monat später lag er bei Null. Solche Muster ergeben sich auch in der Syr bei Mertert, in der Attert bei Colmar-Berg, der Blees beim bekannten Camping Bleesbréck, in der Weißen Ernz bei Reisdorf, beim Zusammenfluss von Wiltz und Clerf bei Kautenbach und in der Schwarzen Ernz bei Grundhof. Recht hohe Messwerte wechseln sich mit niedrigen ab und immer mal wieder gibt es Monate, in denen kein TFA nachgewiesen werden kann.

Die 1.200 ng/L TFA, die der Mouvement écologique in der Alzette bei Rollingen gemessen hatte, liegen im Mittelfeld jener Messergebnisse in Luxemburg, die der woxx vorliegen. Interessanterweise hat auch die Wasserverwaltung eine Wasserprobe der Alzette in der gleichen Gegend entnommen und exakt den gleichen Wert gemessen wie der Méco – allerdings ein Jahr früher. Es dürfte sich um Zufall handeln, da die meisten Messwerte am gleichen Ort nicht stabil bleiben. Das Beispiel zeigt allerdings, dass die Ergebnisse der Umweltorganisationen sich mit behördlichen Ergebnissen decken.

Wichtig ist: Die allermeisten Fließgewässer in Luxemburg haben ihre Quelle in oder nicht weit vom Landesgebiet entfernt. Das heißt, dass die TFA-Werte, die hierzulande gemessen werden, entweder aus PFAS stammen, die auch in Luxemburg emittiert wurden – oder aber aus einer diffuseren Quelle, wie beispielsweise dem Niederschlag, stammen. Teils seien auch Wasserschutzgebiete von der PFAS-Belastung betroffen, gibt der Méco gegenüber der woxx an. Von Spekulationen über einen bestimmten Ursprung rät die Umwelt-NGO ab: „Es gibt einen Konsens mit anderen NGOs auf europäischem Niveau und Pan Europe, dass wir die genauen Probestellen nicht veröffentlichen, um eben solche Mutmaßungen zu verhindern. Bisher wissen wir einfach noch nicht, warum gerade auf einem Punkt zu einem bestimmten Zeitpunkt ein spezifischer Wert gemessen wurde“, so Roger Dammé.

Variable Verschmutzung

Die Gander bei Mondorf

In der Gander, die hier auf dem Bild durch Mondorf fließt, wurde der höchste TFA-Wert des Landes gemessen. (Foto: CC BY-SA 3.0 lu PlayMistyForMe/Wikimedia)

Im Gegensatz zu den Stichproben des Méco führt die Wasserverwaltung seit einigen Jahren regelmäßige Messkampagnen durch, und orientiert sich dabei an den europäischen Richtlinien. „Jedes Fließgewässer wird in einer Periode von sechs Jahren zwei Mal einer einjährigen Messkampagne unterzogen“, sagt Marc Hans, Direktor der Wasserverwaltung, in einem Gespräch mit der woxx. Innerhalb des Jahres, in dem gemessen wird, werde monatlich eine Wasserprobe entnommen. Welche Flüsse und Bäche in welchem Jahr untersucht werden, ist von vielen Faktoren abhängig, so müssten auch das nötige Personal und die Laborkapazitäten vorhanden sein, so Hans.

Unter den Daten, die die woxx vom Umweltministerium erhielt, finden sich auch Ergebnisse von Messungen in Quellen oder im Grundwasser. In den meisten Fällen gab es hier jedoch lediglich jeweils eine einzige Messung. „Es gibt eine zeitliche Variabilität, weil TFA sehr mobil ist. Diese Daten reichen also nicht, um Rückschlüsse zu ziehen“, so Brigitte Lambert von der Wasserverwaltung gegenüber der woxx. Festzuhalten ist, dass die Werte zum Teil sehr hoch sind. So zum Beispiel die „Source Steinheim“, unweit der Industriezone Echternach. Hier wurde den vorliegenden Daten nach, die zweithöchste Konzentration von TFA im Land gemessen: 4.975,55 ng/L. In der genannten Industriezone befinden sich auch die Produktionsanlagen der Kosmetikfirma „Cosmolux“, die hauptsächlich für die Eigenmarken diverser deutscher Super- und Drogeriemarktketten produziert. Auch in der Kosmetikindustrie werden zum Teil PFAS eingesetzt. Es war der woxx trotz entsprechender Anstrengungen nicht möglich zu verifizieren, ob dies auch für die in Echternach produzierten Produkte der Fall ist. Cosmolux hat entsprechende Anfragen der woxx konsequent ignoriert.

Nicht ganz so hoch wie in Echternach, aber ebenfalls auffällig, ist der Wert, der im Wasser der „Source Glabach“ bei Nommern, die auch zur Trinkwasserversorgung der Gemeinde benutzt wird, gemessen wurde: 2.452,37 ng/L. Weniger als fünf Kilometer Luftlinie entfernt liegt das Werk des Reifenherstellers „Goodyear“. Obwohl in dieser Branche durchaus PFAS verwendet werden, gibt eine Sprecherin des Konzerns gegenüber der woxx an, dies sei im Luxemburger Werk nicht der Fall. Genauere Informationen erhalten wir, trotz mehrerer Nachfragen, nicht. „Wir können da keine Verbindung bestätigen. Wir wollen das trotzdem nochmal genau überprüfen“, so Wasserverwaltungsdirektor Hans gegenüber der woxx. „Bezüglich des Grundwassers muss man außerdem sagen, dass die Grundwassertypen in Luxemburg recht alt sind. Das Wasser kann im Durchschnitt 15 bis 20 Jahre im Untergrund bleiben“ so Tom Schaul, der im Umweltministerium für das Thema PFAS zuständig ist. Die Mischung von neuem Regenwasser und altem Grundwasser mache es schwierig, die Messungen adäquat zu interpretieren.

Aus dem Wasserhahn und in der Flasche

Beim Trinkwasser, das in den Haushalten aus dem Wasserhahn kommt, gibt es aktuell noch keine Regelung, die regelmäßiges Messen der Konzentration von Ewigkeitschemikalien vorschreibt. Doch das wird sich bald ändern. Anfang nächsten Jahres tritt eine gesetzliche Regelung in Kraft, die vorschreibt, dass die Konzentration von insgesamt 20 verschiedenen PFAS überprüft werden muss. „Wir tun das seit 2023 regelmäßig, und mittlerweile können wir diese 20 PFAS auch schon selbst in unserem Labor messen“, so Hans im Gespräch mit der woxx. „Das Gesetz sieht vor, dass jeder Trinkwasserversorger in jeder Verteilungszone mindestens einmal jährlich die PFAS-Werte messen muss. Das kann aber auch öfters sein, vor allem bei größeren Versorgern.“

Grenzwerte für PFAS und vor allem für TFA gibt es noch keine, weder für Trinkwasser noch für Oberflächen- oder Grundwasser. Die WHO arbeitet gerade auf Auftrag der EU-Kommission daran, Richtlinien für Trinkwasser festzulegen. Daher gibt es auch innerhalb der EU unterschiedlich hohe Grenzwerte, die Gesundheitsdirektion hat einen „Orientierungswert“ von 12.000 ng/L für TFA festgelegt (siehe Kasten unten). Insgesamt sei man bei keiner der Messungen auch nur in die Nähe dieser Orientierungswerte gekommen, sagen die Expert*innen der Wasserverwaltung und des Umweltministeriums im Gespräch mit der woxx.

Collage, die die Verbindung zwischen Gewässern, Industrie und Landwirtschaft zeigt und die Verschmutzung mit PFAS zeigen soll.

(Copyright: María Elorza Saralegui / woxx)

Im Juli 2024 veröffentlichte Pan Europe die Resultate von Trinkwasseranalysen, der Méco lud zu einer Pressekonferenz ein. Das Wasser aus Luxemburg, laut Méco aus dem Netz des „Syndicat des Eaux du Barrage d‘Esch-sur-Sûre“ (Sebes), lag im europäischen Vergleich im „mittleren, aber zu hohen Bereich“: 660 ng/L wurden damals gemessen (woxx 1795, „Verschmutzende Ewigkeitschemikalie im Trinkwasser“). Ein Dokument, das der woxx vorliegt und verschiedenste staatliche TFA-Messungen in unterschiedlichen Trinkwassernetzwerken auflistet, zeigt Werte zwischen 200 und 970 ng/L. Verglichen mit jenen, die in manchen Gewässern Luxemburgs gemessen wurden, sind sie relativ niedrig. Die Messstelle in Luxemburg-Stadt, in denen der zweithöchste Wert von 940 ng/L im Trinkwasser gemessen wurde, befindet sich in einer Kindertagesstätte. Das allein beunruhigt die Wasserverwaltung allerdings nicht, so Lambert im Gespräch mit der woxx. Luxemburg liege weiterhin unter dem festgelegten Orientierungswert (siehe Kasten). „Das bedeutet nicht, dass die Qualität lediglich im ‚Foyer du Jour‘ auf diesem Niveau ist, sondern überall im Leitungsnetz. Die Gemeinde wählt einen Entnahmepunkt so, dass die dortige Wasserqualität repräsentativ für das gesamte Trinkwassernetz ist. Ein positiver Befund bedeutet nicht unbedingt, dass dieser einen negativen Einfluss auf die Gesundheit hat.“

Wer angesichts dieser Ergebnisse dennoch überlegt, lieber Mineralwasser zu trinken, ist nicht unbedingt besser beraten, denn laut einer anderen Studie des Pan-Netzwerks vom Dezember 2024 wurde in vielen europäischen Mineralwassermarken TFA festgestellt (woxx 1815, „Ewigkeitschemikalien im Mineralwasser“). Auch in einem Luxemburger Mineralwasser wurde eine Konzentration von 350 ng/L TFA gemessen. Damals wollte der Méco nicht preisgeben, um welche Firma es sich handelt, auch nicht im Gespräch mit der woxx. „Wir wissen nicht, ob der gemessene Wert permanent gleich ist oder wie sehr die Konzentration [von TFA] schwankt“, erklärte Roger Dammé. „Wir wollen deshalb keinen an den Pranger stellen, das Problem geht jeden [Hersteller] etwas an.“ Claire Wolff ergänzte: „Wir müssten die Konzentration der Stoffe systematisch überwachen, statt einen einzigen Hersteller bloßzustellen.“

Wie weitere Recherchen der woxx ergaben, handelt es sich bei den Proben des Méco um jene des bekanntesten Mineralwasserherstellers des Landes: Rosport. Dort nehme man die Situation ernst und teste auch selbst, sowohl auf PFAS und TFA, wie Direktor Max Weber im Gespräch mit der woxx versicherte: „Wir haben zwei Quellen, die für ‚Rosport‘ mit Kohlensäure, die natürliches Sprudelwasser enthält und jene von ‚Viva‘, aus der wir stilles Wasser gewinnen. Unsere Tests, die wir beim Fresenius-Labor haben durchführen lassen, ergaben keine Kontaminierung mit PFAS. Die Ergebnisse waren unterhalb der messbaren Ergebnisse.“ Die Testergebnisse, die der woxx für die Viva-Quelle vorliegen, bestätigen diese Aussage. Ergebnisse über eine mögliche Kontamination mit TFA liegen der woxx allerdings nicht vor. Weber ließ auch Proben aus der Sauer, von Regenwasser und aus dem Wasserhahn überprüfen. Hier wurden sowohl PFAS als auch TFA nachgewiesen: 1200 ng/L TFA in der Sauer, 830 im Regen und 500 im Trinkwasser.

Auch wer ohnehin lieber Wein als Wasser trinkt, könnte eine unangenehme Überraschung erleben: Ende April gab Pan Europe bekannt. dass auch in Weinproben aus ganz Europa TFA festgestellt wurde. Und zwar in einer Konzentration, die sämtliche Grenzwerte um ein vielfaches übersteigt. Da zum Vergleich auch ältere Weine untersucht wurden, konnte die NGO belegen, dass die Konzentration von TFA insbesondere in den vergangenen Jahren zugenommen hat (woxx 1834, „Historische und stark ansteigende TFA-Belastung“). Welche Luxemburger Weine betroffen waren, dokumentierten die NGOs nicht. Die hiesige für Lebensmittelsicherheit zuständige Behörde, die „Administration luxembourgeoise vétérinaire et alimentaire“ (Alva), prüfte 2022 und 2023 Lebensmittel auf Kontamination mit PFAS. Während diese bei pflanzlichen Lebensmitteln nicht festgestellt wurden, waren drei Proben von Fleisch positiv. Es handelte sich um Wildschweinprodukte – was laut der Alva keine große Überraschung sei. Verschiedene PFAS akkumulierten sich in der Leber der Tiere. Die Konzentration habe jedoch in allen Fällen unter den europäischen Grenzwerten für Lebensmittel gelegen, heißt es im Bericht der Alva. PFAS sind also so gut wie überall in Luxemburg vorzufinden. Ob im Wildschwein, im Wein oder im Wasser – immer stellt sich die Frage, woher die festgestellten Ewigkeitschemikalien stammen. Im zweiten Teil dieser Artikelreihe wird die woxx dieser Frage auf den Grund gehen und mögliche Quellen beleuchten.

Die Grenzwert-Konfusion

ktuell gibt es noch keine europäischen Grenzwerte für TFA, weswegen die Situation auch innerhalb der EU sehr verwirrend ist – so gut wie jedes Land hat einen eigenen Wert, der mal als „Orientierungswert“, mal als „Richtwert“ oder dann doch als Grenzwert bezeichnet wird. Das deutsche Umweltbundesamt (UBA) hat einen Richtwert von 60.000 ng/L festgelegt und gibt an, dass eine Konzentration von 10.000 ng/L im Trinkwasser anzustreben sei. Die Luxemburger Direction de Santé hat einen Wert von 12.000 ng/L festgelegt. Beide Ämter beziehen sich auf eine einzige Studie zur Schädlichkeit der Stoffe, die vom PFAS-Hersteller „Solvay“ an Laborratten durchgeführt wurde. Diese ist weder in einem wissenschaftlichen Fachmagazin erschienen noch wurde sie „peer-reviewed“, also von unabhängigen Gutachter*innen aus demselben Fachgebiet überprüft. Die Direction de Santé gab gegenüber der woxx an, dass das UBA den Stoffwechsel eines erwachsenen Menschen als Basis für die Berechnung genommen hat, während man in Luxemburg einen Säugling – die am stärksten gefährdete Bevölkerungsgruppe – zur Grundlage nahm. Das europäische „Pesticide Action Network“ (Pan Europe) hat verschiedene Studien zur Toxizität von TFA analysiert und die Schlussfolgerungen des UBA kritisiert: Es müsse ein höherer Unsicherheitsfaktor berücksichtigt werden, was auf einen niedrigeren Grenzwert von 2.400 ng/L TFA im Trinkwasser hinauslaufe. Tatsächlich gibt es auch Länder, die TFA offenbar als gefährlicher einschätzen als Luxemburg: In Dänemark gilt ein Grenzwert von 9.000 ng/L, in den Niederlanden hat das RIVM einen Orientierungswert von 2.200 ng/L festgelegt. Ende des Jahres soll die WHO einen Vorschlag für TFA-Grenzwerte machen.

Anmerkung: In der Originalversion dieses Textes stand, dass nicht sicher war, ob Luxemburger Weine mit TFA kontaminiert wären. Richtig ist: Es ist nur nicht klar, welche Luxemburger Weine betroffen sind (siehe woxx 1834, „Historische und stark ansteigende TFA-Belastung“).

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