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Das monotone, disharmonische Klaviergeklimper im Treppenaufgang zu den Ausstellungsräumen signalisiert den Besucher*innen bereits: Das hier wird unangenehm. Der durch dunkle Vorhänge abgetrennte Hauptsaal führt in die Welt der Grausamkeit des französischen Künstlers Antonin Artaud (1896–1948), der in der Mitte des 20. Jahrhunderts eine radikale Theatertheorie entwarf: Theater soll nicht den Intellekt, sondern den Körper direkt adressieren, die Sinne attackieren und emotionale Grenzerfahrungen erzwingen. Mit Artaud und seinem Konzept treten in der Ausstellung „Theatre of Cruelty“ verschiedene Künstler*innen in Dialog – mit spürbarem Effekt: Originalnotizen Artauds werden von angsteinflößenden Folterwerkzeugen – Requisiten vergangener Theaterstücke – eingerahmt. Verstörende Malereien und Videosequenzen komplettieren den Auftritt. Besonderes Highlight ist das eigens erbaute Holzlabyrinth von Angélique Aubrit und Ludovic Beillard, das mit einer Triggerwarnung versehen ist. Wer sich dennoch hineintraut, den/die erwartet eine bizarre postapokalyptische Welt. Eine Ausstellung, die nicht zum Verweilen einlädt – aber gerade deshalb äußerst sehenswert ist.

