Folkrock: Ohne paranormale Aktivitäten


Schauspieler, Regisseur, Autor und nun auch noch Musiker: David Duchovny, den meisten aus der 1990er-Kultserie „The X-Files“ bekannt, wird am Sonntag sein jüngstes Talent unter Beweis stellen, wenn er im Rockhal Club sein Debütalbum „Hell or High Water“ vorstellen wird.

1370eventDer 55-jährige New Yorker kann bereits auf eine beachtliche künstlerische Karriere zurückblicken, in der er kultige TV-Rollen spielte und Teil der Hollywood-Prominenz wurde. Doch während er vor und hinter der Kamera ein Routinier ist, gilt er auf der musikalischen Bühne als ein „Rookie“, der sich erst mal bewähren muss.

Es ist nicht sein erster Registerwechsel: Bevor er zur Schauspielerei fand, studierte Duchovny englische Literatur an den Elite-Universitäten Princeton und Yale. Nach ersten Erfahrungen in Theaterproduktionen am Broadway schmiss er 1988 sein Promotionsvorhaben und die gesamte akademische Laufbahn hin und widmete sich ausschließlich der Schauspielerei. Es sollte jedoch fünf Jahre dauern, ehe ihm 1993 mit „The X-Files“ der Durchbruch gelang. Als Special Agent Fox Mulder erforschte er bis zum offiziellen Serienende 2001 zusammen mit Gillian Anderson (als Dr. Dana Scully) paranormale Aktivitäten. Anfang dieses Jahres folgte ein sechsteiliger Reboot der Kultserie. Dazwischen durfte Duchovny in der Showtime-Serie „Californication“ einen nicht minder kauzigen Protagonisten mimen, den trinklustigen, promisken Schriftsteller Hank Moody, der als Bruder im Geiste eines Charles Bukowski mächtig die Sehgewohnheiten des durchschnittlichen Fernsehzuschauers herausforderte. David Duchovny ist übrigens auch selbst Schriftsteller: 2015 erschien sein erster Roman „Holy Cow“, und in den kommenden Wochen wird sein zweites Buch „Bucky F*cking Dent“ erhältlich sein.

Zur Musik hat Duchovny erst vor wenigen Jahren gefunden, kurz nach der Trennung von seiner Langzeitgefährtin Téa Leoni. Dabei war singen nach eigenen Angaben etwas, was er schon immer gerne tat, doch was ihn andere – Lehrer, Ehefrau oder Kinder – besser zu unterlassen baten. So fing er erst mal an, in seinem Wohnzimmer auf der Gitarre Songs nachzuspielen, und bald kamen Ideen und Melodien für eigene Lieder. Zu diesem Zeitpunkt plante er eigentlich nicht, irgendwann vor Publikum zu spielen. Freunde aus der Musikbranche regten ihn jedoch zu diesem Schritt an, und unterstützten ihn bei der Produktion seines Debüts, das Juni 2015 bei Thinksay Record erschien. Das Album enthält solide Rock- und Folknummern mit einfachen aber intelligenten Texten, die zeigen, dass Duchovny durchaus das Zeug zum Singer-Songwriter hat.

Die CD-Veröffentlichung hat im Vergleich zu seinen Büchern erstaunlich wenig Wellen in den Medien geschlagen, und Duchovny scheint auch sympathischerweise nicht seinen Promi-Faktor benutzen zu wollen, um auf die ganz große Bühne zu kommen. Seine Berühmtheit hat zudem den Nachteil, dass er als musikalischer Neuling viel strenger bewertet wird als andere debütierende Singer-Songwriter. So bemängelt manch strenger Kritiker seine etwas unstete Stimme, während andere gerade deren unverkennbaren, rauchigen Ton mögen. Der Einfluss seiner Vorbilder Bob Dylan, R.E.M. oder auch The Flaming Lips ist deutlich hörbar, was ja aber per se nichts Schlechtes ist. LiebhaberInnen von unkompliziertem und ehrlichem Indie-Rock sollten diesem „Beginner“ auf jeden Fall eine Chance geben.

An diesem Sonntag, dem 8. Mai in der Rockhal.

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