Fun Punk: Und sie fliegen immer noch

Die 1980er und 1990er waren die großen Jahre des Deutsch-Punk. 
Die Zeiten sind vorbei, doch neben den Hosen und den Ärzten gibt es eine dritte Band, die sich nicht unterkriegen lässt: die Abstürzenden Brieftauben.

Foto: Abstürzenden Brieftauben

Wer sich die deutsche Punkmusik der letzten Jahrzehnte vor Augen führen will, muss in zwei verschiedene Richtungen schauen. Da gibt es einerseits die ernsten, sozialkritischen und engagierten Punkbands der alten Schule wie zum Beispiel Slime, deren – sogar zeitweise verbotene – Hymne „Deutschland muss sterben (damit wir leben können)“ auf keiner Studierendenparty fehlen darf. Ihre Militanz wird von einer jungen Generation weitergetragen, die sich größtenteils um das Label Audiolith schart, wie zum Beispiel der Neuzugang Akne Kid Joe mit der AfD-Verarsche „What AfD thinks we do“.

Andererseits gibt es den Fun Punk, der dem deutschen Punk eigen ist. Begründet von Bands wie Die Toten Hosen und Die Ärzte setzt der Fun Punk weniger auf politische Aussagen und zelebriert stattdessen das asoziale Image des Punks in der Gesellschaft mit Saufliedern und Provokationen, die tauglicher für ein Mainstreampublikum sind als politische Songs – auch wenn Fun Punker*innen durchaus im linken Spektrum anzusiedeln sind. Eine dieser Bands sind Die Abstürzenden Brieftauben. 1983 von den Kumpels Konrad und Micro in Hannover aus der Bier-Taufe gehoben, dauert es ein paar Jahre, bevor die Fahrt zum Ruhm so richtig beginnt. Die Tauben haben es offenbar auch nicht besonders eilig, schließlich spielen sie erst zwei Jahre später ihr erstes Konzert außerhalb ihrer Heimatstadt. Nach einigem Rumgeeiere mit Labels und natürlich einem bösen Kapitalisten-Labelboss, der während der Aufnahme zum ersten Album mit der Kasse die Fliege macht, kommt 1986 schlussendlich „Das kriegen wir schon hin“ heraus – und ist sofort ausverkauft. Daraufhin spielen sie auch öfter mal außerhalb von Niedersachsen Konzerte und touren durch ganz Deutschland.

Erst 1990 und mit dem Album „Im Zeichen des Blöden“, das im Vorjahr erschienen ist, gelingt der Durchbruch. Die Scheibe hält sich 13 Wochen lang in den Charts und die Tauben kommen in die Teeniepresse – Bravoposter inklusive. Im selben Jahr versuchen sie zusammen mit den Kolleg*innen von den Mimmis und Schließmuskel eine DDR-Tournee, werden dort aber von Faschos verfolgt, so dass sie die Tour vorzeitig abbrechen müssen.

Es folgen Jahre mäßigen Erfolgs mit einigen Höhepunkten. Wie zum Beispiel 1993 als Hape Kerkeling einen ihrer Songs („Paderborn“) in den Soundtrack seines Films „Kein Pardon“ aufnimmt. Nebenbei steigt mit Olly von den Mimmis ein drittes Mitglied in den Taubenschlag – was den musikalischen Horizont natürlich erweitert.

Trotzdem geht es erst mal bergab: Es wird ruhiger um die drei und 1996 spielen sie ein letztes Konzert im Tommy-Weisbecker-Haus in Berlin, 2002 kommt es ein vorerst letztes Mal zur Reunion. Als Konrad Kittner dann 2006 mit 44 an Herzversagen stirbt, scheint die Band vor dem Aus zu stehen.

Doch 2013 kommen die restlichen „Tauben“ wieder zusammen und „rocken was das Zeug hält“, wie sie es auf ihrer Website beschreiben. Aber auch diese Konstellation hält nicht lange: Kamerad Micro holt sich 2018 einen neuen Mitstreiter mit dem Namen Norm Anderspunk ins Boot und bringt die Bühnen auf ein Neues zum Beben.

Am 23. Februar in der MJC Mergener Hof 
in Trier.

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