Glyphosatverbot: Freude bei Naturschutzorganisationen

von | 24.01.2020

Der Einsatz von Glyphosat wird in Luxemburg ab 2021 Geschichte sein. Naturschutzorganisationen feiern diese Entscheidung und fordern weitere Schritte.

Die Aktivist*innen von Move demonstrierten in Berlin für eine europaweite Agrarwende. (Foto: Move)

Ab dem 1. Februar erlischt die Zulassung für Glyphosat in Luxemburg. Danach dürfen nur noch bis zum 30. Juni Lagerbestände verkauft werden, die Benutzung des Herbizids ist bis zum 31. Dezember erlaubt. Bei den Naturschutzorganisationen Mouvement écologique und Natur&Ëmwelt ist die Freude groß. Der Méco schrieb in einer Presseaussendung, man begrüße die Entscheidung ausdrücklich und appelliere an alle Akteur*innen, bereits jetzt auf den Verkauf und die Verwendung zu verzichten.

592 landwirtschaftliche Betriebe tun dies und erhalten von der Regierung dafür eine spezielle Prämie. Der Méco zeigt sich enttäuscht, dass hiervon nur konventionelle Betriebe profitieren können und Biolandwirt*innen leer ausgehen – da diese ja ohnehin auf Herbizide wie Glyphosat verzichten. Die NGO fordert, dass die Biobetriebe für ihren grundsätzlichen Verzicht Anerkennung erhalten.

Sowohl Méco als auch Natur&Ëm- welt fordern ein generelles Phase-Out für Pestizide, damit das Glyphosat-Verbot nicht nur das Ausweichen auf andere Herbizide zur Folge hat. „Es gilt mit doppelter Kraft am ‚Aktionsplan Pestizide‘ zu arbeiten und auch die Beratung der landwirtschaftlichen Betriebe im Sinne von Alternativen substantiell auszuweiten“, schreibt der Méco in seiner Stellungnahme. Der luxemburgische Staat unterstützt zwei Forschungsprojekte, bei denen Alternativen zu Glyphosat und insgesamt zu Herbiziden erforscht und erprobt werden. Ziel ist es, den Herbizideinsatz bis 2030 um die Hälfte zu senken.

Natur&Ëmwelt weist darauf hin, dass es durchaus realistisch sei, die gesamte Weltbevölkerung ohne den Einsatz von Pestiziden zu ernähren. Eine Studie mehrerer Universitäten war 2017 zu diesem Schluss gekommen. Um dies zu gewährleisten, wäre es jedoch nötig, den Konsum von tierischen Produkten einzuschränken und Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Die NGO mahnt außerdem: „Es gibt keine Ursache Pestizide noch länger zu dulden und dadurch die Böden, das Frischwasser und die Biodiversität weiterhin zu degradieren.“

Die Welt mit Bioprodukten ernähren

Für die Regierung sollte dies also umso mehr Ansporn sein, ihre Ziele zur Biolandwirtschaft konsequenter zu verfolgen. Bis 2025 sollen 20 Prozent der luxemburgischen Landwirtschaft biologisch wirtschaften – bisher wird lediglich 4,2 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche biologisch bewirtschaftet. Der Plan, wie diese Fläche innerhalb von fünf Jahren vervierfacht werden soll, soll in den nächsten Monaten vorgestellt werden.

Die Jugendorganisation des Mouvements – Move – reiste indessen am vergangenen Wochenende mit mehreren Aktivist*innen zur „Wir haben es satt“-Demo in Berlin. Dort wurde eine Agrarwende für eine nachhaltigere Landwirtschaft gefordert. EU-Agrarsubventionen sollten genutzt werden, um diesen Wandel herbeizuführen, heißt es von einer Move-Aktivistin. Die Organisation forderte die Regierung außerdem auf, in Schulkantinen verstärkt auf Bioprodukte zu setzen.

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