Handel: Faires Gold für die Enkel

Edelmetalle werden oft unter „unedlen“ Bedingungen abgebaut. Doch seit einigen Jahren gibt es „faires Gold“, insbesondere in der Schweiz, wo ein großer Teil des global geförderten Metalls eingeschmolzen und verfeinert wird.

Kleine Fördermengen erschweren den Aufbau von Fairtrade-Strukturen. (Foto: Eduardo Martino Limata/Max Havelaar)

Schlimme Arbeitsbedingungen, Umweltverschmutzung, Förderung in Krisengebieten – beim Goldabbau geht es oft nicht gerade nachhaltig zu. Aber es gibt eine Alternative: fair gefördertes und gehandeltes Gold. Der Abbau ist streng geregelt und die Herkunft des Edelmetalls nachverfolgbar.

Mehr Geld, mehr Schutz

Zwischen 10 und 20 Prozent der globalen Goldmenge stammen aus kleingewerblichen Minen in Südamerika oder Afrika. Über 100 Millionen Menschen sind direkt oder indirekt davon abhängig. Die Arbeit in den Minen ist hart und gefährlich: Es mangelt an Sicherheitsvorkehrungen, unter anderem beim Einsatz giftiger Chemikalien. Zudem zahlen die Zwischenhändler schlecht, weswegen die Mineure und ihre Familien arm sind oder in sehr einfachen Verhältnissen leben. Sanitäre Einrichtungen und sauberes Trinkwasser fehlen ihnen häufig.

Es geht auch anders. Max Havelaar, der Schweizer Fairtrade-Ableger, vergibt seit 2014 ein Label für faires Gold (Angebot in Luxemburg: siehe Kasten). Ziel: sicherere Arbeitsbedingungen, fairer Marktzugang, Transparenz. Die organisierten Mineure erhalten zusätzlich zum Marktpreis 2.000 US-Dollar pro Kilogramm. Diese Prämien können sie in bessere Ausrüstung, höhere Produktivität, Schulen oder Gesundheitszentren investieren. Die Verwendung von Quecksilber ist so geregelt, dass Mineure und Umwelt geschützt werden. Weiteres Kriterium: Das Endprodukt muss bis zur Mine rückverfolgbar sein. Die Einhaltung kontrolliert eine unabhängige Stelle.

Aktuell gibt es bei Max Havelaar zehn zertifizierte Minen in Peru, fünf weitere kommen bald dazu. Das Gold aus diesen Minen wird zu Schmuck verarbeitet. Es gibt Halsketten und auch Eheringe („Fairheiratet“) aus fairem Gold. Unabhängige Schweizer Goldschmiede bieten die Produkte an, zudem größere Händler. Aber das Fairtrade-Angebot in einem der wichtigsten Goldhandelsplätze überhaupt geht noch weiter. Fünf Kantonalbanken – die in Zürich, St. Gallen, Bern, Thurgau und Basel – haben ihr Edelmetallsortiment erweitert. Sie bieten Fairtrade-Goldbarren von 1 bis 10 Gramm an.

Wächst das Segment? „Im letzten Jahr kam hierzulande Fairtrade-Gold im Wert von knapp 2,7 Millionen Franken auf den Markt, im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang von 4,3 Prozent“, sagt Max Havelaar-Mediensprecher Patricio Frei. Die Nachfrage ist zwar groß, da viele Schweizer Konsumenten von Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung im Bergbau wissen und Fairtrade-Gold wollen. Und es werden auch laufend neue Minen zertifiziert. Jedoch vergehen zwischen der Lieferung von Gold in die Schweiz und dem Verkauf oft 2 bis 3 Jahre, erklärt Frei. Hinzu kommt, dass die produzierten Goldvolumen der Fairtrade-Minen im Vergleich zu industriellen Großminen „verschwindend klein“ sind. Kleingewerbliche Minen kommen auf etwa 1 bis 10 Kilogramm pro Jahr. „Daher wird es noch lange dauern, bis Fair-
trade bei Gold ähnlich große Marktanteile erobert hat wie bei Kakao, Kaffee oder Bananen, die schon 20 Jahre auf dem Markt sind.“ Zum Vergleich das Verkaufsvolumen von Bananen in der Schweiz 2018: 110 Millionen Franken. Kaffee: 90 Millionen. Für dieses Jahr rechnet Frei aber mit einem deutlich höheren Volumen. Besonders der Absatz von Goldbarren bei den beteiligten Kantonalbanken entwickelt sich „erfreulich“.

Im Februar kam die Basler Kantonalbank als fünfte Bank dazu. Der Verkauf lief bisher „sehr zufriedenstellend“, so Mediensprecher Patrick Riedo. Der Vorrat wurde nochmals aufgestockt. „Wir halten genügend Barren in sämtlichen Größen vorrätig, um auch Lieferengpässe der Goldminen problemlos über mehrere Monate hinweg überbrücken zu können.“ Am gesamten Barrenangebot der Bank hat faires Gold einen Anteil im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Man plant, das Angebot auszubauen. Für die Bank gehöre Fairtrade-Gold zur Nachhaltigkeitsstrategie: „Eine nachhaltige Unternehmensführung bedeutet für uns, neben umweltfreundlichem Betrieb und fortschrittlicher Personalpolitik auch Bankprodukte und -dienstleistungen anzubieten, bei denen explizit Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt werden.“

Von der Banane zum Barren

Die St. Galler Kantonalbank bietet seit 2017 Fairtrade-Goldbarren (1, 2, 5 und 10 Gramm) mit Max-Havelaar-Zertifizierung an. Man möchte „einen kleinen Beitrag zu Fairness und Nachhaltigkeit im Goldmarkt“ leisten. Die Nachfrage ist seit dem Start konstant geblieben, die Volumen sind eher klein. Zu Anlagezwecken nehmen Kunden oft größere Barren als es sie in Fairtrade-Qualität gibt. Die Nachfrage bei der Thurgauer Kantonalbank ist auch stabil. Paten oder Großeltern verschenken die Barren gerne an ihre Patenkinder oder Enkel.

Neue Herausforderungen 
in Afrika

Auch faires Gold aus Kenia, Uganda und Tansania soll irgendwann einmal international verkauft werden. Seit einigen Jahren arbeitet Max Havelaar mit afrikanischen Mineuren in 40 Kooperativen und Familienbetrieben zusammen. Die Arbeit in Afrika unterscheidet sich grundsätzlich von derjenigen in Peru, erklärt der Mediensprecher von Max Havelaar. Während die peruanischen Organisationen bereits eine gewisse Größe und einen gewissen Reifegrad erreicht haben, stehen die Kooperativen in Afrika noch „am Anfang eines langen Entwicklungswegs“ (siehe Beitrag „Nicht so einfach!“).

Es geht einerseits darum, die Mineure zu organisieren, sie für die gesundheitlichen und ökologischen Gefahren des Goldabbaus zu sensibilisieren und geeignete Prozesse zur Risikominimierung einzuführen. Andererseits sollen die „traditionellen“ manuellen Goldabbau- und Goldwaschverfahren technologisch verbessert werden. Momentan sind die produzierten Mengen gering. Die Mineure verkaufen das geschürfte Gold noch am gleichen Tag, denn sie brauchen den Erlös für den täglichen Lebensunterhalt. „Das Gold kann erst dann zu vertretbaren Kosten exportiert werden, wenn ausreichende Mengen zusammenkommen. Das wiederum setzt voraus, dass die Akkumulation finanziert und die Sicherheit für das akkumulierte Gold gewährleistet ist.“ Das alles sind „große Hürden“. Und so dauert es noch ein paar Jahre, bis faires Gold afrikanischen Ursprungs auf dem Schweizer Markt landet.

Maus Ketti, fair geprägt

(lm) – Auch in Luxemburg kann man faires Gold kaufen. Besonders bemerkenswert: Die Zwei-Euro-Gedenkmünze für 175 Jahre Unabhängigkeit war die weltweit erste Münze, die aus Fairtrade-Gold hergestellt wurde. 2016, also zwei Jahre später, brachte die Zentralbank (BCL) die Zehn-Euro-Münze zu Ehren von Maus Ketti heraus. Auf der Rückseite der beiden Münzen ist jeweils das Profil des Großherzogs sowie das Fairtrade-Siegel zu sehen. Die aus peruanischem Gold hergestellten Münzen wurden seinerzeit für 290 und 160 Euro verkauft – wie bei solchen Stücken üblich, ein Vielfaches ihres Münzwerts. Sie sind derzeit nur noch auf dem freien Markt erhältlich. Wann neue BCL-Münzen aus fairem Gold geplant sind, ist nicht bekannt.

Verfügbar sind dagegen die Fairtrade-Mini-Goldbarren, die von der Spuer-
kees (BCEE) verkauft werden. Die Bank führt sie als erste auf ihrer Edelmetall-Seite auf und sie kosten nur wenig mehr als die 5- und 10-Gramm-Barren 

ohne Siegel (um die 250 bzw. 500 Euro). Wer allerdings fünfstellige Summen investieren möchte, kommt am „grauen“ Gold der großen Barren derzeit nicht vorbei.

Die Site von Transfair-Luxemburg bietet weitere Formen von fairem Gold an. „Jedes Stück Gold hat seine eigene Geschichte und leider stehen immer noch schlechte Arbeitsbedingungen und Ausbeutung in den Goldminen auf der Tagesordnung“ liest man dort. Daher der Vorschlag, Hochzeitsringe aus fairem Gold auszuwählen – „Teilen sie Ihr Glück mit anderen und zeigen Sie sich auch bei dieser wundervollen Gelegenheit solidarisch!“ Es wird auf Luxem-burger „Juweliere“ verwiesen, die faires Gold verarbeiten. Diese findet man merkwürdigerweise dann unter „Faire Geschenkideen für einen gelungenen Muttertag“. Es sind: Annick Mersch in Berdorf, Sarah Hainaux in Bavigne und Martine Schmit auf der Corniche (Luxemburg-Stadt) – drei „Juwelierinnen“!


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