Im Kino: Le sommet des dieux

Immersive 2D-Animationen und ein packender Spannungsbogen trotz antiklimaktischem Ende. Klingt paradox, geht in Patrick Imberts Film „Le sommet des dieux“ aber auf.

Für die Protagonisten von „Le sommet des dieux“ ist keine Bergwand zu steil. (© Julianne Films – Folivari – Mélusine Productions – France 3 Cinéma – AuRa Cinéma)

Der Animationsfilm „Le sommet des dieux“ von Patrick Imbert zieht einen von der ersten Szene an in seinen Bann. Dafür muss man weder am Thema Bergsteigen interessiert sein, noch sich mit den zentralen Figuren identifizieren können.

Zu Beginn lernen wir den im Nepal lebenden Fotografen Fukamachi (gesprochen von Damien Boisseau) kennen. Durch einen Zufall erfährt er von einer Kamera, die dem Bergsteiger George Mallory gehört haben soll. Dieser hatte 1924 den Mount Everest bestiegen, war jedoch nicht von seiner Expedition zurückgekehrt. Ob er den Gipfel erreichte, ist ein Mysterium, das Fukamachi mithilfe der Kamera zu lüften erhofft.

Bis zur letzten Minute bietet der 90-minütige Streifen ein immersives Erlebnis. Das ist unter anderem dem Drehbuch zu verdanken, das auf einen Roman von Baku Yumemakura aus dem Jahr 1998 und die gleichnamige Manga-Adaptation von Jiro Taniguchi zurückgeht. Die Suche nach der verschollenen Kamera verweben die Autor*innen mit der Suche nach einem Mann namens Habu Joji (gesprochen von Eric Herson Macarel). Einst ein begabter Bergsteiger, tauchte er Jahre zuvor unter. Fukamachi spricht mit Menschen, die ihn kannten, und begleitet Joji irgendwann sogar auf den Mount Everest. Die Handlung gibt Fukamachis Recherchen in chronologischer Reihenfolge wieder und wechselt dabei wiederholt zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her. Der Erzählrhythmus ist langsam, das Ende antiklimaktisch.

Irgendwann wird deutlich: In „Le sommet des dieux“ geht es nicht um das Erreichen eines bestimmten Ziels. Wichtiger ist das Erlebnis an sich. Die gelungene Spannungsdramaturgie wird durch detailreiche 2D-Animationen ergänzt, deren Stil der oben erwähnten Manga-Reihe entnommen ist. Die Mittel des Animationsfilms werden dabei voll ausgenutzt, etwa für Kameraperspektiven, die in einem Realfilm undenkbar wären. Daraus ergeben sich wunderschöne Bilder und äußerst spannende Szenen. Immer dann, wenn eine Figur mit dem Tod ringt, lässt Imbert sich Zeit, um den Kampf in all seinen Facetten einzufangen: Das reicht von der Witterung und dem sich verändernden Stand der Sonne, bis hin zu jeder noch so subtilen Geste der sich abmühenden Person. Auch der Ausstattung wird viel Aufmerksamkeit gewidmet: den Kletterschuhen und Eispickel, die sich ins Eis bohren, die über Felsen straff gespannten Seile, die mühselige Absicherung, die die Bergsteiger unentwegt durchführen müssen. Neben dem Visuellen beeindruckt „Le sommet des dieux“ nicht zuletzt auch durch das Sounddesign.

An einer Stelle sagt Joji, dass er sich nur dann lebendig fühle, wenn er eine Felswand hochklettere. Doch wie groß kann sein Lebenswunsch sein, wenn er doch immer wieder mit dem Tod spielt? Das Innenleben der Protagonisten, – allesamt Männer – bleibt den Zuschauer*innen leider bis zuletzt verborgen. Bewegend ist diese actionreiche luxemburgische Co-Produktion aber dennoch.


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