Kaum jemand spricht über die Situation im Sudan, laut UN die derzeit „schlimmste humanitäre Krise der Welt“ („Bürgerkrieg im Sudan“, woxx 1851). Da ist es nicht verwunderlich, wenn ebenfalls unbemerkt bleibt, wie sich im benachbarten Südsudan wieder etwas zusammenbraut. 2011 hatte sich das Land vom Sudan abgelöst und gilt als der weltweit jüngste Nationalstaat, dessen Souveränität allgemein anerkannt wird. Problemlos ging das nicht vonstatten: Das Land glitt in einen Bürgerkrieg, der Hunderttausende das Leben kostete und erst im Jahr 2018 durch ein Friedensabkommen eingedämmt werden konnte. Diese Woche nun schlug der Think Tank „International Crisis Group“ (ICC) Alarm. Im Gerangel um einen Nachfolger für den altersschwachen Präsidenten Salva Kiir drohen erneut bewaffnete Konflikte, insbesondere weil Kiir mit Benjamin Bol Mel seinen politisch unerfahrenen langjährigen Geschäftspartner gegen alle anderen potenziellen Kandidaten durchdrücken will. Dazu ließ er unter anderem seinen ersten Vizepräsidenten und langjährigen Rivalen Riek Machar verhaften, woraufhin es erste Scharmützel zwischen Regierungstruppen und Anhängern Machars gab. Es braut sich ein Desaster zusammen, das der aktuellen Entwicklung im Sudan nicht unähnlich ist. Die ICC hofft, dass sich afrikanische Staaten wie Uganda finden, die ihren historischen Einfluss in dem Land nutzen, um doch noch eine friedliche Machtübergabe zu ermöglichen.
WHO erinnert an Notlage im Sudan
In einem Statement vom vergangenen Samstag erinnert der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, an die aktuelle Notlage im Sudan. „Der Sudan steht vor einer der schwersten humanitären und gesundheitlichen Notlagen der Welt. Mehr als 33,7 Millionen Menschen – über die Hälfte der Bevölkerung des Landes...

