Kolla Festival: Mehr als Hippietralala

Dieses Wochenende findet vom 16. bis zum 18. August das multidisziplinäre Kolla-Festival auf dem Mirador-Gelände in Steinfort statt. Es handelt sich dabei um eine vielseitige Veranstaltung, die mittlerweile den Kinderschuhen entschlüpft und zu einem wichtigen Fixpunkt in der luxemburgischen Kulturszene geworden ist.

„Das Kolla-Festival setzt auf die Kombination unterschiedlicher Genres. Zwar zählt es zu den kleineren Festivals in Luxemburg, doch es hat einiges an Kunst und Kultur zu bieten.“

Groß war die Trauer als das Food for Your Senses Festival im vergangenen Mai sein eigenes Ableben im Rahmen des sogenannten „Funeral Feast“ auf Kirchberg feierte. In so manchem Abgesang hieß es, das alternative Format, das über ein Jahrzehnt den Kulturbetrieb geprägt hatte, hinterlasse eine Festival-Wüste. Somit seien Durststrecken für Musik- und Kunst-Aficionados zu erwarten, lautete der Refrain. Wer sich aber genauer umschaut, merkt, dass das eigentlich Quatsch mit Soße ist. In all den Jahren wurde die Lust auf, aber auch der Mut zu mehr genährt, als Luxemburg für gewöhnlich zu bieten hat. Vor allem der jungen Generation wurde klar, dass die luxemburgische Festival-Landschaft das ist, was man selbst draus macht. Es entstanden zahlreiche kleinere Formate, von denen das Steinforter Kolla-Festival in wohl eine der steilsten Lernkurven zu verzeichnen hat.
Stets sympathisch und quirlig, und zu Anfang auch ein wenig unkoordiniert wirkte das Konzept der sich bei den ersten Anläufen noch im Student*innenstatus befindenden Organisator*innen, die definitiv eins wollten: viel. Ökologisch, multidisziplinär, informativ, kollaborativ und interaktiv sollte es sein. Eine „Massenkarambolage“ der Wünsche und Ideen, die erst mal ihre Zeit brauchte, um Form anzunehmen und das kreative Chaos zu ordnen. Das Team wuchs mit seinen Aufgaben und präsentiert mittlerweile eine Vielfalt, die althergebrachte Festivals noch älter aussehen lässt und neue Maßstäbe für die setzt, die folgen werden.
Es reicht längst nicht mehr „Fir Iessen a Gedrénks ass gesuergt“ auf einen grausig gelayouteten Flyer zu schreiben, um Publikum anzuziehen. Ohnehin sind die Zeiten vorbei, in denen jenes unter Musik eher das Hintergrundgeräusch verstand, das es beim lauthalsen Schwadronieren an der Theke mehr störte als interessierte. Wer sich eine heterogene Zusammensetzung an Gästen wünscht, braucht ein spannendes Aufgebot an unterschiedlichen Genres, bekannten wie auch zu entdeckenden Acts. Diese sollten aus allen Ecken der Welt kommen, sich nicht leicht kategorisieren lassen und vor allem kein Mainstream sein. Hier versteht es das „Kolla“, Abhilfe zu leisten.
Auf drei Bühnen werden 15 verschiedene Musikrichtungen präsentiert, die von Jazz über Punk bis hin zu Psytrance reichen. Innerhalb von drei Tagen tischen mehr als 50 Bands und DJs „Ohrenschmäuse“ auf. Hier werden luxemburgische Acts nicht nur pro forma eingeladen und in unattraktive Slots gedrängt, sondern dürfen dann loslegen, wenn die Menge bereit ist, sich auch wirklich auf sie einzulassen. Gäste, die selbst aktiv werden wollen, haben hierzu beim „Kollaoke“, der Jam sowie der Open Mic Session die Gelegenheit.
Wie vergangene Woche in der woxx bereits zu lesen stand, fand in den letzten zwei Wochen auch eine Künstler*innen-Residenz statt, die sich auf sehr unterschiedliche Art und Weise bemerkbar machen wird, da es sich die Teilnehmer*innen zur Aufgabe gemacht haben, das Spiel als solches wissenschaftlich zu ergründen, und nun ihre Befunde gemeinsam mit dem Publikum austesten möchten. Des Weiteren stehen die Workshops auf dem Festival wie jedes Jahr ganz im Zeichen des „Make stuff yourself instead of buying“. So kann die Veranstaltung im Anschluss verlassen werden und man hat nicht nur die Werke anderer betrachtet, sondern auch selbst etwas erschaffen. Zudem kann Kleidung, die man nicht mehr braucht, im sogenannten „Swap shop“ zum Tausch angeboten werden.
Mit einem Eintrittspreis von 10 Euro im Vorverkauf und 15 Euro an der Abendkasse (freier Eintritt für Kinder unter 15 sowie ältere Menschen über 65 Jahre) bewegt sich diese Veranstaltung definitiv noch auf einer sozialen Ebene, die es erlaubt, die gesamte Family einzupacken und nach Steinfort zu fahren.

Vom 16. bis zum 18. August in Steinfort.

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