Kollektivvertrag im Reinigungssektor: Kein solidarischer Applaus am Verhandlungstisch

von | 16.07.2020

Die Fédération des entreprises de nettoyage zögert die Verhandlungen zur Überarbeitung des Kollektivvertrags im Reinigungssektor hinaus. Das Bündnis schiebt die sanitäre Krise vor.

„Die Versammlung war eine Scheinversammlung”, sagt Jessica Lopes, beigeordnete Zentralsekretärin des „syndicat nettoyage“ des OGBL, der woxx. Sie bezieht sich auf die zweite Verhandlungsrunde zur Überarbeitung des Kollektivvertrags im Reinigungssektor vor einer Woche. Die Fédération des entreprises de nettoyage gebe keine konkreten Antworten auf die Forderungen der Gewerkschaft. Das führt zur Verzögerung der Verhandlungen. Die Föderation gab zu verstehen, eine sanitäre Krise sei nicht der Moment, um die entsprechenden Entscheidungen zu treffen.

Im November 2019 legte die Gewerkschaft siebzehn Forderungen zur Verbesserung der Arbeitskonditionen im Reinigungssektor vor. Anfang März 2020 fand in dem Zusammenhang die Konferenz „Propreté à quel prix ? Le nettoyage : un métier non-valorisé“ statt. Nicht alle Forderungen des OGBL sind mit einem großen administrativen Aufwand verbunden, wie beispielsweise die „mise à disposition gratuite de la fiche de salaire en papier si exigée par le salarié“. Kurios, aber wahr: Angestellte großer Reinigungsfirmen müssen für den Ausdruck persönlicher Dokumente durch die Arbeitgeber*innen fünf Euro zahlen. Die digitale Version ist kostenfrei verfügbar, aber nicht allen zugänglich. Sei es aus technischen, sei es aus intellektuellen Gründen. Im Gesetz ist nur die digitale Verfügbarkeit der Dokumente festgehalten.

Eine weitere Forderung des OGBL ist die „comptabilisation des déplacements faits dans le cadre du travail en tant que temps de travail“. Reinigungskräften werden berufsbedingte Transportwege nicht pauschal als Arbeitszeit angerechnet, obwohl sie am gleichen Tag an unterschiedlichen Arbeitsorten eingesetzt werden. Viele von ihnen sind inklusive Fahrtwegen vierzig Stunden die Woche für die Firma im Einsatz, werden aber nur für die Hälfte der Zeit bezahlt. Der OGBL fordert in dem Kontext auch, dass eine maximale Distanz zwischen den einzelnen Arbeitsorten vereinbart wird. Momentan werde die vorausgesetzte Flexibilität der Angestellten oft als Bestrafung missbraucht. Angestellte, die negativ auffallen, würden ungefragt an für sie schwer erreichbare Einsatzorte verlegt. Generell wird im Sektor gerne mithilfe von zeitlich begrenzten Vertragserweiterungen Schmu betrieben, um Festanstellungen oder dauerhafte Vollzeitbeschäftigungen zu umgehen. Der OGBL verlangt deshalb eine Obergrenze, was diese Erweiterungen angeht.

Unsaubere Föderation

Jedoch sorgt sich die Föderation während der sanitären Krise mehr um den Rückgang der regelmäßigen Einnahmen, bedingt durch die Erhöhung der Heimarbeit. „Der Ausbruch der sanitären Krise hat den Reinigungssektor zweifelsfrei verändert. Die Nachfrage nach der Desinfizierung von Räumlichkeiten steigt jedoch, das hält sich also die Waage“, betont Lopes vom OGBL. „Die sanitäre Krise darf nicht als Argument gegen die Kollektivvertragsverhandlungen vorgeschoben werden.“ Besonders nicht angesichts der bestehenden Hygienevorschriften, für deren Einhaltung das Reinigungspersonal in geteilten Räumlichkeiten und an öffentlichen Aufenthaltsorten unabdingbar ist. Es ist mehr denn je der Moment, den Berufsstand mit fairen und menschlichen Arbeitskonditionen zu würdigen und seinen Einsatz wertzuschätzen.

Die Verhandlungen gehen am 18. September in die nächste Runde. Der OGBL erwartet zähe Gespräche. Die Gewerkschaft bedauert, dass eine wichtige Stimme am Verhandlungstisch fehlt: nämlich die der Kundschaft. Der größte Kunde – der Staat – ist aus rechtlichen Gründen von den Verhandlungen ausgeschlossen.

Das Syndikat macht derzeit mit einer Facebook– und einer Instagram-Kampagne auf die Verhandlungen aufmerksam. Die Kampagne enthält unter anderem Erfahrungsberichte von Betroffenen, die die systematische Ausbeutung von Reinigungskräften offenbaren.

Dat kéint Iech och interesséieren

NEWS

La mémoire coûte plus cher

Les data centers pour l’intelligence artificielle sont gourmands en énergie et en eau, laissant présager de sérieuses tensions sur la disponibilité de ces ressources si les investissements se poursuivent au rythme actuel. Le Statec relève un autre effet pervers du développement de l’IA.

NEWSURBANISMUS

„ProVelo“ will Taten sehen

m 20. Oktober präsentierte die Stadt Luxemburg ein neues Konzept für die sanfte Mobilität, die im Rahmen des neuen Mobilitätsplans. Darin sind die Ziele, die die Hauptstadt bis 2035 erreichen will, festgelegt. Dazu gehört, dass das Radverkehrsnetz ausgebaut und optimiert werden soll.

NEWSSOZIALES

Big Brother : Gloden rattrapé par la patrouille

Le Conseil d’État étrille le projet de loi sur la reconnaissance automatique des plaques d’immatriculation par des caméras, présenté par Léon Gloden. Trop imprécis et potentiellement attentatoire aux libertés, juge l’institution. Mais le ministre des Affaires intérieures endosse sans peine le costume du « bad cop ».

NEWS

FORUM 452 : Nos villages

Habiter. C’est autour de cette idée que pourrait se lire le numéro de novembre de « Forum », qu’il s’agisse du rapport à un lieu, à une communauté ou à une époque. Le dossier principal « Nos villages » retrace, à travers l’exemple de Berbourg, les profondes transformations du monde rural luxembourgeois au cours du dernier demi-siècle.