Konzert: Liebespfeil trifft Audre Lorde

Hinter Flèche Love steckt die queer-feministische Musikerin Amina Cadelli, die am kommenden Mittwoch zur kürzesten Weltreise aller Zeiten im Neimënster einlädt.

Flèche Love veröffentlichte am 15. Oktober 2021 ihr neues Album „Naga Pt.2“, in dem sich musikalische Einflüsse aus dem Orient mit spanischen Texten und Rap vermischen. (Copyright: ScubaBeer, CC BY-SA 4.0)

Amina Cadelli, Komponistin und Sängerin, ist seit 2015 alleine mit ihrem Solo-Projekt Flèche Love unterwegs. Damals trennte sie sich wegen Sexismus männlicher Bandmitglieder von der Indie-Gruppe Kadebostany.

Cadelli, die sich als queer und feministisch beschreibt, musste sich anschließend gegen Frauen verteidigen, die ihre Beweggründe zum Ausstieg aus der Band Kadebostany schlechtredeten: Manche Frauen beschuldigten sie, zu lange in der Band geblieben zu sein und sich selbst nicht geschützt zu haben. Cadelli zeigte sich in ihrer Antwort auf die Anfeindungen bestürzt. „Je refuse la misogynie féminine“, schrieb sie 2016 dazu auf dem lesbisch-feministischen Blog Barbi(e)turix. In ihrer Musik beschäftigt sie sich – über diesen Vorfall hinaus – unter anderem mit Frauenbewegungen und Gender.

Das Lied „Sisters“ (2019) ist eine Hommage an keine geringere als die lesbische, Schwarze Feministin und Poetin Audre Lorde. Lorde veröffentlichte 1984 ihren Sammelband „Sister Outsider“. Das Buch enthält zentrale Schriften der Aktivistin, die sich sowohl mit Frauenfeindlichkeit als auch mit Diskriminierung innerhalb feministischer Bewegungen, Homofeindlichkeit und Rassismus beschäftigte. Ähnlich wie Lorde in „Age, Race, Class, and Sex: Women Redefining Difference“ hebt auch Cadelli hervor, dass Frauen verschiedener sozialer und ethnischer Herkunft unterschiedlichen Herausforderungen begegnen. Sie sollen sich dennoch gemeinsam für ihre Rechte stark machen. „Without community there is no liberation. But community must not mean a shedding of our differences, nor the pathetic pretense that these differences do not exist. So now get up, wake up and love your sister“, singt Cadelli deswegen in „Sisters“.

Feminismus und die Dekonstruktion der patriarchalen Gesellschaft gehen für Cadelli mit der Hinterfragung von Männlichkeit einher. Die Künstlerin, die ihr Ethnologiestudium für ihre Musikkarriere geschmissen hat, thematisiert deshalb in „Festa Tocandira“ (2019) den Initiationsritus des brasilianischen Sateré-Mawé-Stammes. Um in den Rang der Krieger aufzusteigen, müssen junge Männer ihre Hände in Handschuhe stecken, die mit Tucandeira-Ameisen, Riesenameisen, gefüllt sind. Der Stich dieser Ameisen wird als schmerzhaftester Insektenstich überhaupt bezeichnet. Die Jungen müssen diesen Qualen standhalten, um ihre Männlichkeit, ihre Stärke zu beweisen. Cadelli entgegnet dem in ihrem Lied „No necesito demostrar que yo soy un hombre. Boys cry, too“, was übersetzt so viel heißt wie: „Ich muss nicht beweisen, dass ich ein Mann bin. Jungen weinen auch.“

„Festa Tocandira“ zeugt nicht nur von Cadellis Interesse an Gender, sondern auch von ihrer Mehrsprachigkeit. Die Musikerin spricht französisch, englisch, spanisch und arabisch. All diese Sprachen tauchen sowohl auf ihrem ersten Album „Naga Pt.1“ als auch auf „Naga Pt.2“ auf. Ihre Alben sind jedoch nicht nur sprachlich vielseitig, sondern auch aus musikalischer Sicht: Cadelli, gebürtige Schweizerin, deren Mutter nordafrikanische Wurzeln hat, bewegt sich irgendwo zwischen Rap, Fado und orientalischer Musik. In manchen Liedern gehen die Genres fließend ineinander über, was eine der schnellsten musikalischen Weltumrundungen ermöglicht.

Flèche Love. Am 3. November, um 20 Uhr,
im Neimënster.
Tickets unter +352 26 20 52 444 oder per Mail an billetterie@neimenster.lu

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