Auf ihrer aktuellen Tour machte Kraftklub am vergangenen Freitag in der Rockhal Halt. Die Chemnitzer Rockband startete ihren Auftritt mit viel Power, doch leider flachte das Konzert danach ab.

Dass einige der bekanntesten Songs von Kraftklub fast schon fünfzehn Jahre auf dem Buckel haben, merkte man ihnen beim Konzert am vergangenen Freitag leider an. (© Valentin Frenot for den Atelier)
Punch hatte der Auftritt von Kraftklub am vergangenen Freitag anfangs allemal: Es vergingen nur wenige Minuten, bis rotweiße Konfetti-Wolken vor der Bühne aufstäubten, überall im Halbdunkel Arme in die Höhe schossen, aus allen Ecken des vollen Hauptsaals der Rockhal laute Rufe ertönten, mit denen die angestaute Energie der Tausenden Fans schlagartig freigesetzt wurde.
Diese prickelnde Dynamik konnte das Chemnitzer Quintett aber leider nicht über die Dauer ihres zweistündigen Konzerts aufrecht erhalten. Zwar spickten sie ihre Setlist mit all jenen Stimmungshebern, die zum unentbehrlichen Kraftklub-Kanon gehören, wie „Ich will nicht nach Berlin“ und „Chemie Chemie Ya“, doch schliffen die Musiker durch ihr routiniertes Spiel die Ecken und Kanten der Songs so ab, dass sie sich, obgleich noch immer tanzbar, seltsam dumpf anhörten.
Die Männer gaben sich wie gewohnt kumpelhaft-nahbar und setzten vor allem auf die Beteiligung des Publikums, um die Stimmung anzuheizen. Doch der Austausch zwischen Band und Zuschauer*innen wirkte kalkuliert, die Späße von Frontmann Felix Kummer uninspiriert. „Bonjour Luxemburg“, schrie er von der Bühne herunter, räumte gleich ein, dass er der französischen Sprache gar nicht mächtig sei, und sprach dann vom schlechten Wetter, den Gratis-Öffis und dem „Finanz- standort Luxemburg“ – es hätte nur noch einen Kommentar über den Großherzog gebraucht, und das Klischee-Karussell hätte sich einmal vollständig um die eigene Achse gedreht.
Interessanterweise trug die Performance-Erfahrung der Band dann doch nicht so weit, wie man hätte vermuten können. Als es nämlich zu einem medizinischen Notfall in den ersten Reihen des Publikums kam, wusste Kummer nicht recht, wie er die Situation auffangen sollte. Minutenlang pausierte das Konzert, der Sänger konnte die unvorhergesehene Unterbrechung nicht souverän überbrücken, sondern begann, Phrasen zu dreschen.
Durchaus unterhaltsam war sein darauffolgender Spaziergang durch den Konzertsaal mit Zwischenstopp am Merchstand, doch zog sich dieser Einschub leider so in die Länge, dass man das Interesse verlor, bevor Kummer die Bühne wieder erklimmen konnte. Ein Konzert mit wenig Knalleffekt – allein die Darbietung von „Schief in jedem Chor“, einem besonders eingängigen Track der neuen Platte „Sterben in Karl-Marx-Stadt“, sorgte für ein wenig Frischluft.

