LuxFilmFest: Aristocrats

von | 07.03.2021

Auch wenn „Aristocrats“ durchaus gelungene Elemente enthält, so machen die unnahbaren Figuren und verwirrende Erzählstruktur ihn zu einem mittelmäßigen Seherlebnis.

© Mariko Yamauchi/SHUEISHA, „Aristocrats“ Film Partners

Miki (Kiko Mizuhara) und Hanako (Mugi Kadowaki) sind zwei junge Frauen, die beide in Tokio leben. Damit wären ihre Gemeinsamkeiten bereits alle aufgezählt, wäre da nicht ein gemeinsamer Bekannter: Koichiro (Kora Kengo). Während Miki eine Affäre mit dem angehenden Politiker hat, ist die Beziehung zwischen Hanako und ihm nicht nur ernster, sondern auch offiziell.

Den beiden Frauen stellen sich unterschiedliche Hürden: Eine Heirat zwischen Miki und Koichiro kommt wegen ihrer divergierenden Klassenzugehörigkeiten nicht in Frage. Hanako ist zwar geeignet, als Frau hat sie jedoch sehr viel weniger Rechte als Koichiro. Würden die beiden sich scheiden lassen, würde ihr das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder entzogen. Und auch wenn es im Film nur angedeutet wird: Koichiros Familie wäre zweifelsohne nicht einverstanden, dass sie, Hanako, arbeitstätig ist. Dabei ist sich die junge Frau bewusst: Um sich die Option einer Scheidung offenhalten zu können, braucht sie ein eigenes Einkommen.

Hanako wird sich all dessen erst nach der Heirat bewusst – was eher unrealistisch ist und den Film einer gewissen Spannung beraubt. Mikis Erzählstrang ist zwar nicht ganz so vorhersehbar, dafür aber von derart vielen Zeitsprüngen zerstückelt, dass man leicht den Überblick verliert. Weitere Figuren tauchen so unvermittelt auf, dass es zum Teil schwerfällt nachzuvollziehen, wer sie sind.

Ein wenig wirkt es so als habe Regisseurin Sode Yukiko den Film auf eine bestimmte Weise enden lassen wollen, ohne aber die Figuren sich auf eine organische Weise dorthin entwickeln zu lassen. In der Folge fühlen sich Hanako, Miki und Co. nie wirklich dreidimensional an.

„Aristocrats“ will ein Film sein über Gesellschaftsstrukturen, die zutiefst von Klassen- und Geschlechterdynamiken geprägt sind. Doch auch wenn er durchaus gelungene Elemente enthält, will er leider nicht so recht als Ganzes funktionieren.

„Aristocrats“ läuft am Montag, dem 8. März um 16h30 im Ciné Utopia, am Mittwoch, dem 10. März in der Cinémathèque und ist noch bis zum 14. März auf der Online-Plattform des LuxFilmFests streambar.

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