Musikerin Hannah Ida: Lebensverändernde Ukulele

Hannah Ida ist eine junge Luxemburgerin, die sich für die Umwelt, LGBTIQA+ Personen und Obdachlose unter Glühbirnen stark macht. Am Sonntag tritt sie in den Rotondes auf.

Hannah Ida will Musik nicht zu ihrem Hauptberuf machen, weil sie sich nach Ausgleich sehnt – beruflich treibt es sie in Richtung Landwirtschaft, Gärtnerei oder Politikwissenschaft. (Bildquelle: Pit Reding)

Hannah Ida war sechzehn als sie auf einem Flohmarkt eine Ukulele kaufte. Seitdem macht die Singer-Songwriterin Musik. 2019 spielte sie ihr erstes Konzert in der Maison de la transition (Mesa) in Esch. Die Mesa ist ein Bioladen und Restaurant sowie ein Zentrum zum Austausch über Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit. Dass Hannah Idas erster Gig dort stattfand, sagt viel über die junge Frau aus: Nichtssagende Popmusik ist nicht ihr Ding.

Im RTL-Podcast „PodPurri – mir schwätze Kultur“ sprach Ida im Januar mit Claudia Kollwelter über ihr Engagement bei Fridays for Future und der Jugendgruppe „move.“ vom Mouvement écologique. Sie erzählte offen von der Frustration, die mit dem Umweltaktivismus einhergeht. Zwar würden die Politiker*innen die Jugendlichen für ihren Einsatz loben, doch seien das oft leere Worte auf die keine Taten folgten. Ida bleibt trotzdem am Ball. Landwirtschaft, Gärtnerei, die Natur im Allgemeinen – das sind Bereiche, die sie auch im Hinblick auf ihre berufliche Zukunft interessieren. Im Gespräch mit Kollwelter dachte sie über ein Studium der Landwirtschaft oder der Politikwissenschaften in Berlin nach. Die Musik soll ein Ausgleich bleiben.

„Ech hoffen Dir kënnt antauchen an eng ganz entspaant, roueg Welt an der Mëtt vun enger Welt, déi grad zimmlech verréckt ass.“ Mit diesem Satz begann Ida letztes Jahr ihren Auftritt bei der Konzertreihe „Congés annulés“. Die Aufzeichnung des Konzerts wurde bei Youtube hochgeladen: Ida steht barfuß und mit Gitarre auf der Bühne. Die Stimme der Sängerin lädt eindeutig zum Abschalten ein. Sie hat was von Daughter oder ihrem Vorbild Alice Phoebe Lou. Im Kontrast dazu stehen in verschiedenen Stücken ihre Texte.

„Lightbulb“ nennt sie eine „Ode un de Strummert“. Das Lied handelt von einem Obdachlosen, dem sie als Schülerin oft über den Weg gelaufen ist. Unaufgeregt besingt sie den Blick der Gesellschaft auf einen Mann, dem dort der Platz verwehrt wird. Ihre neue Single „East of Eden“ beschreibt Ida auf ihrem Youtube-Kanal wie folgt: „It has emerged from the urge to escape social issues such as systemic heteronormativity, which disregards relationships on the queer spectrum as well as it puts intersexual relationships into defined boxes.“ Die Flucht aus starren Gesellschaftsstrukturen kommt poppiger und dynamischer daher als andere Singles der jungen Musikerin. Hört man sich mehrere Lieder von ihr an, bestätigt sich, was sie im RTL-Podcast selbst thematisiert: Hannah Ida probiert sich musikalisch noch aus und tut sich schwer damit, ihren eigenen Stil in eine Schublade zu stecken.

Luxemburgs Musikszene gewinnt mit Hannah Ida jedenfalls eine weiteres junges Talent, das seine Musik nicht nur als ästhetisches Ausdrucksmittel versteht. Thematisch erinnern Hannah Idas Songs ein wenig an die der feministischen Sängerin „C’est Karma“. Auch sie zeigt sich in ihren Texten engagiert: Sie singt unter anderem über die Hypersexualisierung der Frau. Beide Frauen sind starke und junge Figuren, die trotz meist sanfter Töne unbequeme Themen zur Sprache bringen. Wer Hannah Ida live und in Farbe erleben möchte, sollte ihr Konzert an diesem Sonntag in den Rotondes nicht verpassen.

Hannah Ida, am 16. Mai, ab 20 Uhr, in den Rotondes. Weitere Infos sowie Tickets gibt es auf www.rotondes.lu oder telefonisch unter +352 26 62 20 30.

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