Musiktipp: Gekrönte Kastratoren

von | 21.08.2025

(© Castrator)

Als die New Yorker Death-Metal-Band „Castrator“ vor drei Jahren mit „Defiled in Oblivion“ ihren ersten Longplayer präsentierte, begeisterte sie mit der Aggressivität und Kompromisslosigkeit ihrer Stücke. Auf dem soeben erschienenen Nachfolgealbum „Coronation of the Grotesque“ kommt nun noch das Attribut „Perfektion“ hinzu. Stilistisch sind die vier Frauen dem Old-School-Death Metal der 1980er- und 1990er-Jahre treu geblieben. Das Songwriting ist dabei noch straffer, noch furioser geworden – was für eine Atemlosigkeit erzeugende Salve feuern sie da binnen 37 Minuten ab! Midtempo-Parts und groovy Passagen à la „Obituary“ werden nur mehr spärlich eingesetzt. In Sara Loerlein, die an der Leadguitarre Kimberly Orellana ersetzt, hat man erneut eine „Shredderin“ gefunden, die mit ihren Gitarrenriffs alles in Fetzen reißt. Sängerin Clarissa Badini hat ihre Technik verfeinert, will heißen: kotzt ihre Songtexte noch kehlig-brutaler heraus als bereits auf der letzten Platte der Fall. Sie kann sich inzwischen mit ihren Kolleginnen Izzi Plunkett von „Ossuary“ und AJ von „Hedonist“ messen. Nicht nur die Gesangsparts sind brachialer, die gesamte Platte ist dank Tontechniker Noah Buchanan kompakter abgemischt. Aufgenommen wurden die Instrumente in verschiedenen Studios; für die Basstracks zeichnet Obituary-Sänger John Tardy verantwortlich, der die Bass-Lines von Robin Mazen schön zur Geltung bringt. Auch textlich bleibt man sich treu, bietet einen Mix aus genreüblichen Lyrics und gesellschaftskritischen Texten. So ist der Opener „Fragments of Defiance“ Mahsa Amini gewidmet, die 2022 im Iran wegen eines angeblichen Verstoßes gegen das Hidschab-Gesetz festgenommen und von Regimeschergen zu Tode geprügelt worden war.

Castrator: Coronation of the Grotesque. Dark Descent Records, August 2025
Das Interview mit Castrator zum Vorgängeralbum findet sich hier: „Im Modus des Zorns“; im englischen Original: “I want to make misogynists uncomfortable”.

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