National Women’s History Museum: Mit Frauen der Nasa bis zum Mond

Das „National Women’s History Museum“ zeichnet in einer Online-Ausstellung die Geschichte der Frauen bei der Nasa nach. Trotz informativen Beiträgen und einer wichtigen Perspektive verderben einem die teilweise machistische Sprache und die öde Aufmachung den Spaß beim Scrollen gründlich.

Die Mathematikerin und Physikerin Katherine Johnson wurde mehrfach für ihre Arbeit ausgezeichnet. Die Nasa benannte ein Gebäude nach ihr. (Copyright: Gemeinfrei)

Wir schreiben das Jahr 1922: Frauen sind fester Bestandteil des amerikanischen „National Advisory Committee for Aeronautics“ (Naca), aus dem 1958 die „National Aeronautics and Space Administration“ (Nasa) wird. Spätestens seit dem Film „Hidden Figures“ aus dem Jahr 2016 dürfte vielen bekannt sein, welche Rolle insbesondere Afroamerikanerinnen in der Nasa gespielt haben – eine wesentliche. Während sich der mehrfach ausgezeichnete Film auf die „West Area Computer Unit“ konzentriert, vermittelt das „National Women’s History Museum“ (NWHM) in seiner Online-Ausstellung „The Women of Nasa“ einen groben Überblick zu historischen Frauenfiguren bei der Nasa.

Frauen waren unter anderem als Mathematikerinnen und Ingenieurinnen maßgeblich an den Erfolgen der Nasa beteiligt, wie die Ausstellung anhand unterschiedlicher Fakten belegt. Besonders nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges rekrutierte die Naca verstärkt Frauen: Ein Großteil der männlichen Beschäftigten waren in den Krieg gezogen – ihre Stellen mussten besetzt werden. Das NWHM erwähnt nur kurz, dass trotz der damals noch bestehenden Rassengesetze der Vereinigten Staaten Afroamerikanerinnen eingestellt wurden. Die Online-Ausstellung verweist in dem Zusammenhang auf den eingangs erwähnten Film „Hidden Figures“. Die im Film porträtierten Frauen tauchen jedoch auch in der Online-Ausstellung auf. Dorothy Vaughan, Katherine Johnson – die übrigens vor drei Wochen verstarb – und Mary Jackson zählen für das NWHM zu den einflussreichsten Frauen in der Geschichte der Nasa.

Die Kuratorin Kenna Howat skizziert ihre Biographie in Kurzporträts. Frauen, die in „Hidden Figures“ nicht vorkommen, dafür aber in der Online-Ausstellung: Pearl Young, Kitty O’Brien Joyner, Vera Huckel und Kathryn Peddrew. Ihre Karrieren sind alle gleichermaßen beeindruckend. Young war beispielsweise die erste Frau überhaupt, die 1922 vom Naca eingestellt wurde. Sie war in der „Instrument Research Division“ tätig, die sich vor allem um die Gestaltung, Kalibrierung und Reparatur aller Instrumente kümmerte, die in den unterschiedlichen Fluggeräten mitgeführt wurden. Als Young 1961 in Rente ging, blickte sie auf eine 20-jährige Karriere als „Chief Technical Editor“ zurück.

Die Online-Ausstellung bleibt trotz interessanter Einblicke in die Geschichte der Frauen bei der Nasa allerdings nur ein Häppchen, eine Vorspeise für den Intellekt und den historischen Wissenshunger. Die einzelnen Texte, allesamt in englischer Sprache, sind kurz und das Design schlicht. Hier ein Schwarz-Weiß-Foto, da ein eingebettetes Video: Eine aufwendige Präsentation ist das nicht. Das Konzept erinnert mehr an trockenen Frontalunterricht in Geschichte als an ein interaktives und zeitgemäßes Digitorial, wie es beispielsweise die Kunsthalle Schirn zu ihrer Ausstellung „Fantastische Frauen. Surreale Welten von Meret Oppenheim bis Frida Kahlo“ anbietet.

Stattdessen liefert das NWHM eine sexistische Sprache: Ein Satz wie „but these women proved the men wrong and went on to great things. They taught men how to use electronic computers and put a man on the moon“ oder „They proved that women engineers and mathematicians are not to be underestimated“ sind unangebracht. In einer Online-Ausstellung über die Verdienste von Frauen über deren Mehrwert für die Arbeit der Männer zu schreiben, ist deplatziert. Ähnlich unpassend ist es, die Erfolge der Frauen im Hinblick auf die Erwartungen zu bewerten, die die Gesellschaft an sie richtet – insbesondere wenn das Narrativ der Ausstellung sein soll, die Arbeit der Wissenschaftlerinnen und ihren Nutzen für die Nasa zu wertschätzen. Nichtsdestotrotz macht die Online-Ausstellung Lust, sich in das Thema einzuarbeiten, und ist ein willkommener Zeitvertreib.

Die Online-Ausstellung ist via womenshistory.org/exhibits/women-nasa verfügbar.

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