Regierung fragt um Meinungen zur künstlichen Intelligenz

Mithilfe einer Umfrage und einer Konsultation wollen Liser, Digitalisierungsministerium und der Service des médias et des communications herausfinden, wie die luxemburgische Bevölkerung zur künstlichen Intelligenz steht. Das soll helfen, die Politik zum Thema auszuarbeiten.

(Bild: pxhere.com)

Um künstliche Intelligenz ist in den letzten Jahren ein regelrechter Hype entstanden. Durch moderne Technologien, die gemeinhin als „Machine Learning“ bezeichnet werden, konnten in vielen Bereichen Fortschritte erzielt werden: Bild- und Spracherkennung oder autonomes Fahren zum Beispiel. Bei der „Intelligenz“ handelt es sich jedoch eher um ein Schlagwort als um Realität: In Wirklichkeit lernen die Computer nur durch das, was wir Menschen ihnen vorsetzen. Von wirklich intelligenten Maschinen – oder gar solchen mit Bewusstsein – sind wir noch weit entfernt.

Im Gegensatz gibt es viele Probleme, die sich unter dem Stichwort „Algorithmic Bias“ zusammenfassen lassen: Bilderkennungssoftware ist rassistisch, ein Algorithmus, der Bewerbungsunterlagen vorsortieren soll, hat die sexistischen Standards der Personalabteilung übernommen und autonom fahrende PKWs sind leicht zu verwirren. Die Hintergründe zu den Algorithmen mit Vorurteilen können sie in diesem woxx-Artikel nachlesen. Genug Gesprächsstoff also für die Umfrage und die Konsultation, die die luxemburgische Regierung gerade zum Thema künstliche Intelligenz durchführt.

Die soll helfen, die weitere Politik zur künstlichen Intelligenz zu schärfen. Das ist auch nötig, wenn man sich die „strategic vision“ anschaut, die „Digital Lëtzebuerg“ ausgearbeitet hat. Darin wird vor allem das Loblied auf künstliche Intelligenz gesungen. Einige der erwähnten Beispiele sorgen auch eher für Stirnrunzeln: Ein Szenario beschreibt, wie einfach und sorglos das Leben ist, wenn Gemeindedienste nicht bei jedem Besuch einer Person deren Daten neu abfragen müssen. Die Lösung für dieses Problem nennt sich jedoch nicht künstliche Intelligenz, sondern Datenbank und besteht mindestens seit den 1960er-Jahren.

Ethische Fragen werden in dem Strategiepapier zwar erwähnt, allerdings wird sich auf die „Ethics Guidelines for Trustworthy AI“ der EU bezogen, die vor allem wegen des Konzeptes der „Vertrauenswürdigkeit“ in der Kritik stehen. Im Bereich der KI ist es nämlich gar nicht so einfach zu definieren, wer jetzt eigentlich wem vertrauen soll, wie in diesem Beitrag von Algorithm Watch deutlich wird.

Wer der luxemburgischen Regierung seine Meinung zu dem Thema sagen will, hat zwei Möglichkeiten: Entweder man gewinnt in der Umfragen-Lotterie und hat demnächst einen Brief von Premierminister Bettel im Briefkasten, mit dem man an der Online-Umfrage teilnehmen kann. Die andere Möglichkeit, zu der auch speziell Akteur*innen der Zivilgesellschaft aufgerufen sind, besteht darin, sich an der öffentlichen Konsultation zu beteiligen. Dazu reicht es, die eigenen Gedanken und Beobachtungen per E-Mail an ai@smc.etat.lu zu senden.


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