The Rise of the Synths: Musikalische Post aus Vergangenheit und Zukunft

Der Dokumentarfilm „The Rise of the Synths“ porträtiert die lange unbekannt gebliebenen Komponist*innen des Synthwave. Ein Musikgenre, das Mitte der 2000er-Jahre aus MySpace hervorging. Die Rotondes zeigen den Film zum Auftakt der Congés annulés.

Ran an die Synthesizer: „The Rise of the Synths“ dokumentiert das Musikgenre Synthwave und dessen Protagonist*innen. (Copyright: The Rise of the Synths)

„If you are hearing this, this is a message from the past and from the future“, dröhnt es im Trailer zur Doku „The Rise of the Synths“. Die Vergangenheit liegt in dem Fall vierzig Jahre zurück – und die Zukunft deren zwanzig. Das im Film dokumentierte Musikgenre Synthwave, entwickelte sich nämlich Anfang der 2000er-Jahre auf der Internetplattform MySpace, nimmt aber starken Bezug zu bestimmten popkulturellen Szenen der 1980er. Synthwave ist eine Reise vor und zurück in der Zeit. Es ist eine Bewegung, die im Trailer zum Dokufilm als klandestin bezeichnet wird.

„I kind of always played with the thought of making eighties inspired music but I didn’t think anyone would listen to it“, sagt eine Musikerin in der Filmvorschau. Doch auf der Plattform fanden gleich mehrere Komponist*innen zusammen, die Ähnliches vorhatten: Den Elektro der 1980er wiederzubeleben und zurückzubringen. Eine*r der Protagonist*innen aus dem Film spricht von Musik aus der Mitte zwischen Vergangenheit und Zukunft. Wer banal auf YouTube nach Synthwave sucht, findet tatsächlich Playlists mit Titeln wie „Back to the 80’s“ oder „Best of Synthwave and Retro Electro“. Die Komponist*innen des Subgenres schöpfen aus Videospiel-Musik, House, Synth, Horror-, Action- und Science-Fiction-Filmen der 1980er. Der starke Rückbezug auf dieses Jahrzehnt hat demnach etwas von musikalischer Zeitreise oder gar von einem Ausflug ins All.

Im Werbetext zum Film heißt es, viele der Komponist*innen verfügten über keinerlei musikalische Ausbildung und hätten ihre Werke lediglich zum Zeitvertreib ins Internet geladen. Es gab weder Regeln noch Anführer*innnen. Die meisten Komponist*innen blieben vorerst anonym. „The Rise of the Synths“ lüftet nun das Geheimnis um ihre Identität. Der Regisseur Iván Castell geht außerdem der Frage nach, warum das Subgenre in den letzten Jahren Einzug in die zeitgenössische Popkultur hält. Auf der Website zur Doku wird von einem Revival der 1980er in der Kinowelt, im TV und in der Musik gesprochen. Filme wie „Drive“, „It Follows“, „Ready Player One“, „Wonder Woman“ „1984“ und TV-Serien wie „Stranger Things“ oder „Glow“ zeigten einen „definite nostalgic trend“ auf. Ob es sich dabei um ein neues kulturelles Phänomen handelt? Oder doch nur um einen kurzen Abstecher in die Nostalgie?

Der Film wurde mit Crowdfunding finanziert und feierte am 1. November 2019 beim In-Edit Festival in Barcelona seine Weltpremiere. Am 2. August läuft er Open air im Hof der Rotondes. Mit dem Screening des Dokumentarfilms starten die Rotondes, in Zusammenarbeit mit dem Rocklab, ihre diesjährige Musikfilm-Serie. Im Rahmen der jährlichen „Congés annulés“ zeigen die Veranstalter*innen an drei Sonntagen Filme zur Musikgeschichte. Die nächsten – „Desolation Center“ und „Other Music“ – laufen am 9. und 16. August. In „Desolation Center“ bleibt das Publikum in den 1980ern, wechselt aber von Elektro zu Punk und Industrial, wo es auf Einstürzende Neubauten, Meat Puppets, The Minutemen oder Sonic Youth trifft. „Other Music“ ist hingegen ein Dokumentarfilm über einen bedeutenden New Yorker Indie-Musikladen, der von 1995 bis 2016 bestand. Der Eintritt zu allen Screenings ist frei und bedarf keiner vorherigen Anmeldung. Die Vorstellungen beginnen um 21 Uhr.

The Rise of the Synths. Am 2. August, um 21 Uhr, auf dem Parvis der Rotondes in Bonneweg. Mehr Infos unter www.rotondes.lu/fr/agenda?year=2020&month=8

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