Wickler-Affäre : Hirnverbrannt

von | 30.04.2021

Die Nominierung von Christiane Wickler zur Cargolux-Verwaltungsratspräsidentin wirft viele Fragen auf. Vor allem, weil sie den Verschwörungstheoretiker*innen Legitimierung und Auftrieb verleihen wird. 

(Wikimedia_Trainler)

„Woman Business Manager“ des Jahres 2007, einziges grünes Mitglied der neoliberalen „5 vir 12“-Initiative 2012, erfolgreiche Geschäftsfrau mit einem Sinn für „disruptive“ Praktiken und unorthodoxen Ansichten: Es macht auf den ersten Blick durchaus Sinn, dass François Bausch sich Christiane Wickler als Kandidatin für den Top-Posten der staatlichen Cargo-Airline ausgesucht hat. Trotzdem hat er sich und seiner Partei mit diesem vermeintlichen „Glücksgriff“ nicht nur ins Knie geschossen, sondern gleich mit einer Bazooka den Unterleib weggeballert.

Dass Christiane Wickler ihren Namen für die Internet-Plattform „Expressis-Verbis“ hergibt, kann dem Minister eigentlich schwer entgangen sein. Die Internet-Seite und die Asbl, die sie zusammen mit der Vermögensberaterin (und Paleo-Kochbuchautorin) Nathalie Meier-Hottua, sowie einem Bankangestellten, einem Mathematiklehrer und einer Erzieherin betreibt, bietet dem von der Pandemie verwirrten Schwurbler*innenherz alles, was es begehrt: Mainstream-Medien-Bashing, Statistik-Fantasien und auch impfskeptische Zeigenoss*innen – bis hin zu Antivaxxer*innen – haben hier eine tolle, real-alternative Spielwiese.

Selbstverständlich gilt Meinungsfreiheit auch für Corona-Schwurbler*innen, doch niemand käme auf die Idee einem Flat-Earther die Spitze der Nasa anzuvertrauen – außer vielleicht die luxemburgischen Grünen. 

Minister Bausch bemüht jetzt die Meinungsfreiheit, um aus der Sache rauszukommen, und das ist an sich sogar löblich. Selbstverständlich gilt Meinungsfreiheit auch für Corona-Schwurbler*innen, doch niemand käme auf die Idee einem Flat-Earther die Spitze der Nasa anzuvertrauen – außer vielleicht die luxemburgischen Grünen.

Wer freiwillig zu dem selbsternannten „Journalisten“ Bas Schagen ins Homestudio pilgert, legitimiert eben die Querdenkerbewegung. Dass Frau Wickler keine Corona-Leugnerin sein will, tut in dem Fall wenig zur Sache. Der Schaden, den Luxemburg international mit der Nominierung einer Corona-Skeptikerin auf solch einen Posten davontragen wird, ist noch nicht abzusehen. Jedenfalls ist es bittere Ironie, dass ausgerechnet sie dem Betrieb vorstehen wird, der Masken und weiteres medizinisches Material zur Pandemiebekämpfung einfliegt.

Diese Legitimierung von höchster Stelle wird aber sicher dazu beitragen, die Gesellschaft noch weiter zu spalten: Schwurbler*innen werden es als Bestätigung deuten, Krankenhauspersonal und d Ärzt*innen werden es hingegen sicher weniger gut verdauen (was sie auch unter anderem auf Twitter kundtun) und auch sonst macht es nichts leichter.

Wer versucht, in Nuancen zu denken, kämpft in Luxemburg (und auch sonstwo in der westlichen Welt) auf verlorenem Posten. Zwischen Kadavergehorsam und Schwurblertum wird es schon lange eng. Wer also nichts mit den Querdenker*innen zu tun haben will, und trotzdem kritisch mit der Regierung umgehen will, hat es nun noch schwieriger. Danke Grüne!

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