Anoushka politisch
Die entsetzliche Lage der FlĂŒchtlinge ist das Thema des neuen Albums von Anoushka Shankar. Ihr letztes Album war musikalisch ganz traditionell indisch. Auf âLand of Goldâ mischt sie nun indische Musik mit Jazz und Elektronik zu einem Aufschrei gegen Ignoranz und Abschottung. Auf drei Tracks sind die Stimmen von M.I.A. (GB/Sri Lanka), Alev Lenz (D/TĂŒrkei) und von Vanessa Redgrave zu vernehmen. Das Album enstand in enger Zusammenarbeit mit dem Perkussionisten Manu Delago, der ĂŒber weite Strecken das rhythmische Fundament fĂŒr Shankars oft experimentelle SitarklĂ€nge legt. Angesichts von zunehmenden Fremdenhass und Nationalismus ist es wichtig, dass es KĂŒnstlerInnen wie Shankar gibt, die sich nicht in den Elfenbeinturm entrĂŒckter Schöngeistigkeit zurĂŒckziehen, sondern – musikalisch ĂŒberzeugend – Position beziehen.
Anoushka Shankar – Land of Gold (Deutsche Grammophon)
Mehr als Fado
Es gibt ganz groĂartigen Fado, aber natĂŒrlich hat Portugal musikalisch viel mehr zu bieten. Deolinda belegt seit 2008 mit ihren Alben regelmĂ€Ăig die SpitzenplĂ€tze der portugiesischen Charts, und auch ihre vierte Studioplatte âOutras HistĂłriasâ steht auf Platz Eins. Die Gruppe lĂ€sst sich von den vielen Facetten lusophoner Musik inspirieren, sei es von Traditionellem aus Portugal oder von den KlĂ€ngen Brasiliens und der Kap Verden. Daraus mischen sie ihren ganz typischen Deolinda-Stil mit ruhigen Balladen und schwungvollen StĂŒcken. Im Mittelpunkt des im Wesentlichen akustischen Quartetts steht die Stimme von Ana Bacalhau, die hĂ€ufig nach Fado klingt, ohne bloĂer Fado zu sein. Die Musik einer Gruppe, die in ihrer Heimat dermaĂen angesagt ist, kann man Pop nennen. Wenn sie im Kern so portugiesisch und darĂŒber-
hinaus so ausgezeichnet klingt wie bei Deolinda, habe ich kein
Problem, sie als Weltmusik zu empfehlen.
Deolinda – Outras HistĂłrias (Universal Music)
Addis Abeba laut
Ukandanz ist atemberaubend. Wer kurzatmig und lĂ€rmempfindlich ist, sollte vorsichtig sein. Mich erinnert die Lyoner Gruppe mit Gitarre, Bass, Drums und Sax – zwischen Jazzrock und Noise – an den legendĂ€ren Jazzrocker James âBloodâ Ulmer; laut, verzerrt, zum Teil mit ungeraden Rhythmen. Einzigartig wird die Band durch den versierten Ă€thiopischen SĂ€nger Asnake Guebreyes aus Addis Abeba. Die Melodien sind im typisch pentatonischen Stil Ăthiopiens. In den 1970er Jahren hat man dies am Horn von Afrika mit deutlichen BezĂŒgen zum Soul-Funk eines James Brown gespielt. Ukandanz dreht jetzt bei vielen StĂŒcken des Albums âAwoâ den Powerregler radikal auf Anschlag. Ăberraschenderweise ruiniert dies die Musik nicht, sondern es entsteht eine Ă€thiopische Musik unter Hochspannung. Aufregend!
Ukandanz – Awo (Buda Musique)
Mai – Top 20
1.   Bombino – Azel (Partisan Records) Niger
2.   Aziza Brahim – Abbar el Hamada (Glitterbeat Records) Westsahara
3.   Rokia TraorĂ© – NĂ© So (Nonesuch) Mali
4.   La Banda Morisca – Algarabya (Fol MĂșsica) Spanien
5.   Konono NÂș1 meets Batida – Konono NÂș1 meets Batida (Crammed Discs) Kongo/Angola/Portugal
6.  Lakou Mizik – Wa Di Yo (Cumbancha) Haiti
7.  Fanfare CiocÄrlia – Onwards to Mars! (Asphalt Tango Records) RumĂ€nien
8.  The Gloaming – 2 (Real World Records) Irland
9.  Stefano Saletti & Banda Ikona – Soundcity (Finisterre) Italien
10. Katerina Tsiridou – Aman Katerina: A Tribute to Panayiotis Toundas (Protasis Music) Griechenland
11. Sociedade Recreativa – Sociedade Recreativa (La ChaudiĂšre Production / Jarring Effects) Brasilien
12. Damir ImamoviÄâs Sevdah Takht – Dvojka (Glitterbeat Records) Bosnien-Herzegovina
13. V.A. – Every Song Has its End: Sonic Dispatches from Traditional Mali (Glitterbeat Records) Mali
14. Las Hermanas Caronni – Navega Mundos (Les Grands Fleuves) Argentinien/Frankreich
15. Anoushka Shankar – Land of Gold (Deutsche Grammophon) Indien
16. DagaDana – Meridian 68 (Karrot Kommando) Polen
17. Sidestepper – Supernatural Love (Real World Records) Kolumbien/GB
18. Elza Soares – The Woman at the End of the World / A Mulher do Fim do Mundo (Mais Um Discos) Brasilien
19. Karsh Kale – Up (Six Degrees Records) USA/Indien
20. PĂ€re – HausjĂ€rvi Beat (Zebo Records) Finnland
Die ganze Chart auf http://www.transglobalwmc.com und beiâš Facebook âMondophon auf Radio ARAâ (Willi Klopottek).

