Willis Tipps: Februar 2022

Cumbia amazónica

Bareto ist ein Septett aus Peru, das 2003 sein erstes Album mit Ska- und Reggae-Orientierung herausbrachte und sich schon kurze Zeit später auf seine heimischen Klänge wie Cumbia und Chicha konzentrierte. Mit dieser Neuorientierung erhielten zwei Alben der Band eine Nominierung für die Latin Grammy Awards und 2016 spielte sie ein bemerkenswertes Showcase auf der Weltmusikmesse Womex. Nach einer Recording-Pause von knapp sieben Jahren meldet sie sich jetzt mit ihrem neuen Album El amor no es para los débiles zurück. Die Kerntruppe und ihre zahlreichen Gastmusiker*innen bleiben hier ihrem Stil treu und haben zehn Stücke aufgenommen, von denen einige ordentlich abgehen, während andere im Mid-Tempo grooven. Der besondere Charakter der peruanischen Cumbia ist der 4/4-Rhythmus mit Betonung auf dem ersten und dritten Schlag und dominanten „psychedelischen“ Gitarrenklängen mit viel Tremolo und Hall. Genau das bringt Bareto zu Gehör und reichert es mit Vintage-Orgelklängen und gelegentlichem Bläsersound an. Ein sehr schönes Album!

Bareto – El amor no es para los débiles – Agogo Records


Salento und mehr – furioso

Aus Toulouse kommt das Ensemble mit dem Namen Pulcinella, das sich im Laufe der Jahre mit allen möglichen Stilen von Musette und Tango über Balkan bis hin zu Jazz beschäftigt hat. Auf der neuen Platte hat sich das Quartett mit Maria Mazzotta zusammengetan, die aus dem süditalienischen Salento stammt. Mazzotta ist eine erstklassige Sängerin, die 15 Jahre lang bei den Urgesteinen süditalienischer Musik Canzoniere Grecanico Salentino sang und seit sieben Jahren mit wechselnden Partnern ihre eigenen Wege geht. Sie beherrscht sowohl in langsamen Liedern als auch im flotten Pizzica einen enorm emotionalen Stil. Auf ihrem Album mit Pulcinella, Grifone, wird sowohl die Pizzica wie auch mal Albanisches verarbeitet. Die Band verwandelt viele der Stücke nach einem traditionellen Anfang in ein furioses Experiment zwischen Tradition, Rock und Jazz. Da ist eine vielseitige und kompetente Gruppe von Instrumentalisten am Werk und Maria Mazzotta lässt alles heraus, was süditalienischer Gesang an Gefühlen zu bieten hat. Eine ganz starke Kooperation mit einer besonderen Variation salentinischer und verwandter Musik.


Pulcinella & Maria Mazzotta – Grifone – Pulcinella Compagnie


Starke Stimme aus Tschechien

Es ist für mich immer wieder verwunderlich, wie viele Länder selbst in der Weltmusikszene ein Schattendasein führen. Dabei kann man dort ganz Spannendes entdecken, zum Beispiel in der Tschechischen Republik. Ein herausragendes Ensemble von dort ist die Frauengruppe BraAgas, die viele verschiedene internationale Folkstile verarbeitet. Eine der Frauen, Katerina Göttlichová, hat jetzt gerade eine bemerkenswerte Soloplatte unter dem Titel Zimnice (Schüttelfrost) veröffentlicht. Sie beschäftigt sich schon lange mit slawischen Gedichten und hat eine Auswahl davon für ihre CD vertont. Das klingt mal nach Tschechien, mal ein bisschen nach Balkan, mal nach Spanien und ein anderes Mal nach Roma-Musik – aber immer nach Katerina Göttlichová. Eine Frau mit offenen Ohren eben, und vor allem mit einer durchsetzungsfähigen, markanten Stimme mit ganz speziellem Timbre. Sie spielt die mit Tasten versehene, in Skandinavien noch recht verbreitete Nyckelharpa und Gitarre und hat zwei Instrumentalisten dabei, die den Sound unter anderem mit Keyboardklängen verbreitern und vertiefen. Wer noch nie Musik aus Tschechien gehört hat, sollte hiermit beginnen.

Katerina Göttlichová – Zimnice – Indies Scope

Chart Februar – Top 20

1. Small Island Big Song · Our Island · Small Island Big Song
2. Khöömei Beat · Changys Baglaash · ARC Music
3. Susana Baca · Palabras Urgentes · Real World
4.Divanhana · Zavrzlama · CPL-Music
5. Riccardo Tesi, Elena Ledda, Lucilla Galeazzi, Alessio Lega, Nando Citarella, Maurizio Geri, Gigi Biolcati, Claudio Carboni · A Sud di Bella Ciao · Visage Music
6. Vigüela · A la Manera Artesana · ARC Music
7. Justin Adams & Mauro Durante · Still Moving · Ponderosa Music
8. Omar Sosa & Seckou Keita · Suba · Bendigedig
9. Xanthoula Dakovanou · Lamenta · Quart de Lune
10. Mitsune · Hazama · Mitsune
11. Monsieur Doumani · Pissourin · Glitterbeat
12. Youssou N’Dour · Mbalax · Universal Music Africa
13. Juçara Marçal · Delta Estácio Blues · Mais Um
14. Lakhdar Hanou Ensemble · Argile · Cricao
15. Choduraa Tumat · Byzaanchy · PAN
16. Kateřina Göttlichová · Zimnice · Indies Scope
17. Hoven Droven · Trad · Heilo / Grappa Musikkforlag
18. Orquestra Afrosinfônica · Orin, a Língua dos Anjos · Máquina de Louco
19. Karolina Cicha & Spółka · Karaimska Mapa Muzyczna · Związek Karaimów Polskich
20. Oki · Tonkori in the Moonlight (1996-2006) · Mais Um

Die TWMC TOP 20/40 bei: http://www.transglobalwmc.com/ und bei Facebook „Mondophon auf Radio ARA“ und www.woxx.lu/author/Klopottek.


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