Willis Tipps: Januar 2020

von | 30.01.2020

Frauen-Gnawa-Funk

Gnawa-Musik ist – war – eine strikt mĂ€nnliche DomĂ€ne: Die erst 23-jĂ€hrige Marokkanerin AsmaĂą Hamzaoui schreibt mit ihren Mitstreiterinnen von Bnat Timbouktou ein neues Kapitel der langen Gnawa-Geschichte. Gnawa sind die Nachkommen verschleppter schwarzafrikanischer Sklav*innen in Nordafrika mit einem ganz besonderen, gleichnamigen Musikstil. Typisch dafĂŒr ist der Call-and-Response-Gesang, die rhythmische Begleitung mit den Metallkastagnetten Qraqab und der Klang der jahrhundertealten großen Gmiimbri-Laute, die mĂ€chtige Basstöne beisteuert. AsmaĂą Hamzaoui lernte bei ihrem Vater, einem hochgeachteten Gnawa-Experten. Kritik von Traditionalist*innen, die eine weibliche Gnawa-Band unschicklich finden, ignoriert sie konsequent. Auf dem Album Oulad Lghaba hört man starke Stimmen, treibenden Qraqab-Groove und Hamzaouis virtuoses, höchst perkussives Gimbrispiel. Ansteckender akustischer Gnawa-Funk!


AsmaĂą Hamzaoui & Bnat Timbouktou – Oulad Lghaba (Ajabu!)


Tschechisch-afrikanische Kooperation


Auf dem tschechischen Musikfestival Colours of Ostrava trat 2018 der große senegalesische SĂ€nger Cheikh LĂŽ auf und begeisterte die beiden in Brno beheimateten Musiker Pavel Ć mĂ­d und Martin Piro, die Jahre zuvor schon Mali bereist und ein Faible fĂŒr afrikanische Musik entwickelt hatten. Die Aufnahme eines Liedes von Cheikh LĂŽ im mobilen Tonstudio beim Ostrava-Festival war dann die InitialzĂŒndung fĂŒr das Album King‘N‘Doom. Die beiden Tschechen kontaktierten Musiker*innen aus Mali, Senegal, Burkina Faso und der ElfenbeinkĂŒste. Ć mĂ­d und Piro spielten mit Landsleuten die Basictracks ein. Auf der Platte finden sich sieben afrikanische StĂŒcke, unter anderem mit Cheikh LĂŽ und der SĂ€ngerin des malischen „Trio Da Kali“, Hawa Kasse Mady DiabatĂ©. ZusĂ€tzlich gibt es zwei Remixed-Versionen des Cheikh-LĂŽ-StĂŒcks Jah’rabi und ein hĂŒbschlĂ€rmiger Track der beiden Tschechen. King‘N‘Doom ist ein sehr schönes Album mit verschiedenen musikalischen Elementen aus Westafrika unter tschechischer Leitung. Unbedingt empfehlenswert!


V.A. – King‘N‘Doom (Rustical Records)


Lettland a cappella

Dass diese sechs stimmgewaltigen Frauen aus Lettland namens Tautumeitas eine ruhige Kugel schieben, kann man nun wirklich nicht behaupten. Seit Mitte 2018 kommt hier jedes halbe Jahr ein neues Album an. Zuerst erschien ihre Kooperation mit dem Trommel- und Dudelsackensemble Auli, danach ihr selbstbetiteltes Album mit Bandbegleitung und dann nahmen zwei von ihnen zusammen mit ihren Eltern unter dem Namen Lata Donga auf. Ganz frisch liegt nun das Tautumeitas-Album Dziesmas no Aulejas / Songs from Auleja vor. Wie schon fĂŒr Lata Donga geht Tautumeitas hier zu den Wurzeln lettischer Musik zurĂŒck. Im sĂŒdlettischen Dorf Auleja existiert eine alte, spezielle Form polyphonen Frauengesangs, der das Sextett begeisterte. 16 beeindruckende Lieder von dort haben sie aufgenommen und zwar a cappella. Mit Instrumentenbegleitung lassen sich stimmliche SchwĂ€chen leicht ĂŒbertĂŒnchen. Bei a cappella zeigt sich aber schonungslos, ob ein Gesangsensemble wirklich etwas kann. Und? Test glĂ€nzend bestanden!

Tautumeitas – Dziemas no Aulejas / Songs from Auleja (CPL Music)


Januar – Top 20

1. AsmĂąa Hamzaoui & Bnat Timbouktou – Oulad Lghaba (Ajabu!) Marokko
2. Aziza Brahim – Sahari (Glitterbeat) Westsahara
3. Lakou Mizik – HaitiaNola (Cumbancha) Haiti
4. Petroloukas Halkias & Vasilis Kostas – The Soul of Epirus (Artway-Technotropon) Griechenland
5. The Yandong Grand Singers – Everyone Listen Close / Wanp·Wanp Jangl Kap (Pan Records) VR China
6. Blato Zlato – In the Wake (Blato Zlato) USA
7. BallakĂ© Sissoko & Baba Sissoko – Sissoko & Sissoko (Homerecords.be) Mali
8. Lankum – The Livelong Day (Rough Trade) Irland
9. Mah Damba – Hakili KĂ©lĂ© (Buda Musique) Mali
10. Mamadou Kelly – Les Bateaux (Clermont Music) Mali
11. Lamia BĂšdioui & Solis Barki – Fin’Amor (LBedioui Music Production) Tunesien/Griechenland
12. The Garifuna Collective – Aban (Stonetree) Belize
13. V.A. – Kinshasa 1978 (Crammed Discs) DR Kongo
14. Rachid Taha – Je Suis Africain (NaĂŻve) Algerien/Frankreich
15. Roberto Fonseca – Yesun (Mack Avenue) Kuba
16. Farafi – Calico Soul (Piranha) USA/Indien
17. Otava Yo – Do You Love (ARC Music) Russland
18. Sinafi Trio – Iho (Kalan MĂŒzik) TĂŒrkei
19. Habib KoitĂ© – Kharifa (Contre-Jour) Mali
20. NaĂŻssam Jalal – Om al Aagayeb (Les Couleurs du Son) Syrien

Die TWMC TOP 20/40 bei: http://www.transglobalwmc.com/ und bei Facebook „Mondophon auf Radio ARA“ und www.woxx.lu/author/Klopottek.

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