Willis Tipps: Juli 2019

Jemen-Pop aus Israel

A-WA ist eine Gruppe von drei Schwestern, deren Eltern aus dem Jemen stammen. Tair, Liron und Tagel Haim verbrachten ihre Jugend im ariden Süden Israels und wuchsen mit der arabisch geprägten Musik der jemenitischen Juden auf. Die Pop-Sängerin Ofra Haza hatte die Traditionen des Jemen bereits 1984 popularisiert. A-WA geht einen Schritt weiter und mixt das mit Rock, Hip-Hop und Electronics. Diese aufregende Mischung der Gruppe hatte schon 2016 mit dem Song „Habib Galbi“ die Clubs selbst in Europa erreicht. Auf ihrem zweiten Album Bayti Fi Rasi geht es genauso rasant weiter. Dazu kommen kritische Texte, die u.a. die Lage der nicht-europäischen Juden, der Mizrachim, thematisieren. Diese werden in Israel oft sozial benachteiligt und diskriminiert. Die arabisch geprägte Musik ist dort aber schwer angesagt – nicht nur bei den orientalischen Juden, für die es zudem ein Mittel zur Identitätsfindung ist. A-WAs neue CD, die mit ihren knackigen, jemenitisch geprägten Songs wieder die junge Szene in Israel begeistert, darf man sich auch hier nicht entgehen lassen.

A-WA – Bayti Fi Rasi (BMG)


Die reife Diva vom Amazonas

Diese Frau hat 2014 ihre erste, tolle Platte veröffentlicht und nun kommt ihre dritte – Rebujo – zu ihrem 80. Geburtstag! Dona Onete stammt vom ländlichen Amazonas und ging dann nach Belém im Osten Brasiliens. Weil es ihrem Mann nicht gefiel, hörte sie mit der Musik auf und arbeitete als Lehrerin. Als ihr Mann starb, fand sie wieder zu ihrer alten Leidenschaft und traf auf eine junge Band, die von ihrem starken, kernigen Gesang begeistert war. Onetes Musik ist auch auf ihrem aktuellen Album wieder geprägt von den treibenden, amazonischen Stilen des Carimbó und des Bangüê. Nach der Machtübernahme des Faschisten Bolsonaro ist es mehr als erfreulich, dass diese alte Dame die bunte Vielfalt Brasiliens beschwört und sich nicht nur explizit für Indigene und Schwarze einsetzt; ihr Lied „Na Linha do Arco-Íris“ (Die Linie des Regenbogens) von 2017 wurde zu einer Hymne der brasilianischen LGBT-Bewegung. Wen die wieder unglaublich druckvollen, meist schnellen Stücke der neuen Platte dieser quicklebendigen, jungen 80-Jährigen kaltlassen, ist mit Sicherheit selbst schon viel zu alt.

Dona Onete – Rebujo (Mais Um)


Balafonissimo

Das uralte Balafon ist die afrikanische Urform des Xylophons und steht im Zentrum der zweiten Platte des Kanazoé Orkestras, das aus drei Musikern aus Burkina Faso und vier Franzosen besteht. Der Kopf der Band ist Seydou „Kanazoé“ Diabaté am Balafon, begleitet von der Ngoni-Laute, Bass, Drums, Perkussion und dem angejazzten Saxophon von Martin Etienne. Die imposante Stimme von Losso Keïta erinnert an Salif Keita. Auf einem Track ist die exzellente ivorische Sängerin Dobet Gnahoré zu Gast und bei drei Stücken unterstützt der weltläufige Tastenkünstler Jean-Philippe Rykiel. Tolonso ist trotz der Rock- und Jazzelemente absolut kein identitätsloses Crossover-Projekt sondern ein vielschichtiges, zutiefst westafrikanisches Album mit dem virtuos perkussiven Balafonspiel Diabatés und dem kraftvollen Gesang Losso Keïtas im Mittelpunkt. Eine ganz mitreißende Platte, mit vorzüglichem burkinischem Groove!


Kanazoé Orkestra – Tolonso (Buda Musique)


Videos : Kanazoé Orkestra

Juli – Top 20

1. AKA Trio – Joy (Bendigedig) Italien/Senegal/Brasilien
2. Minyo Crusaders – Echoes of Japan (Mais Um) Japan
3. Mara Aranda – Sefarad en el corazón de Turquía (Mara Aranda) Spanien
4. Kronos Quartet, Mahsa & Marjan Vahdat – Placeless (Kirkelig Kulturverksted) USA/Iran
5. Angélique Kidjo – Celia (Verve/Universal Music France) Benin
6. Altın Gün – Gece (Glitterbeat) NL/Türkei
7. Refugees for Refugees – Amina (Muziekpublique) Afghanistan/Pakistan/Tibet/Syrien/Irak/BE
8. The Gloaming – 3 (Real World) Irland/USA
9. Gaiteiros de Lisboa – Bestiário (Uguru) Portugal
10. Dizzy Mandjeku & Alé Kumá – De Palenque à Matongé (Zephyrus) Kongo/Kolumbien
11. Aziz Sahmaoui & University of Gnawa – Poetic Trance (PIAS) Marokko
12. Vassvik – Gákti – (Heilo/Grappa) Norwegen
13. Mísia – Pura Vida (Banda Sonora) (Galileo) Portugal
14. Las Hermanas Caronni – Santa Plástica (Les Grands Fleuves) Argentinien
15. Söndörgő – Nyolc 8 Nyolc (SNDRG Music) Ungarn
16. Park Jiha – Philos (Tak:til/Glitterbeat) Südkorea
17. Oumar Konate – I Love You Inna (Clermont Music) Mali
18. Yapunto – Yapunto (Yapunto) Kolumbien/F
19. Alim Qasimov and Michel Godard – Awakening (Buda Musique) Aserbaidschan/F
20. Black Flower – Future Flora (Sdban Ultra) Belgien

Die TWMC TOP 20/40 bei: http://www.transglobalwmc.com/ und bei Facebook „Mondophon auf Radio ARA“ und www.woxx.lu/author/Klopottek.


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