Willis Tipps: Juni 2020

Großmeister des Maloya

Die Musikstile auf den verschiedenen Inseln des Indischen Ozeans vor der Ostküste Afrikas sind unterschiedlich und haben sich doch gegenseitig beeinflusst. Für die Überschneidungen sind der französische Kolonialismus und spätere Migrationen verantwortlich. Der Maloya ist der typische Stil La Réunions, der mit dem Séga auf Mauritius und Madagaskar verwandt ist. Charakteristisch für den Maloya sind Call-and-Response-Gesang und die fast ausschließliche Begleitung durch Perkussionsinstrumente. Der bedeutendste Maloya-Musiker ist der 65-jährige Danyèl Waro, der sein erstes Album vor über dreißig Jahren herausbrachte. Auf dem aktuellen Album Tinn Tout singt er wieder mit hoher Stimme auf Kreol und die Kayamb, das typische, flache, kastenartige Schüttelinstrument ist allgegenwärtig. Die meisten Lieder schrieb Waro selbst, er hat aber auch ein Stück von Georges Brassens, den er sehr verehrt, ins Kreolische übersetzt. Das ist ein wunderbares Album mit tollen Melodien und mitreißenden Rhythmen, bei dem man Saiteninstrumente überhaupt nicht vermisst. Besser geht Maloya nicht!

Danyèl Waro – Tinn Tout (Cobalt/Buda Musique)

Carlas Fado!

Sie hat die Fado-„Göttin“ Amalia Rodrigues in einem Musical verkörpert, als Schauspielerin in portugiesischen TV-Serien mitgewirkt und sie hat Platten gemacht. Jetzt hat Carla Pires ihre vierte Scheibe, Cartografado, veröffentlicht. Pires stammt aus Lissabon und begann ihre Karriere 1993. Ihre Stimme hat alles, was man für erstklassigen Fadogesang braucht: emotionale Tiefe und Variationsfähigkeit mit präziser Tonsetzung. Cartografado beinhaltet typische, melancholische Fados mit Begleitung der Portugiesischen Gitarre und auch beschwingtere Stücke. Mal übernimmt eine Violine die instrumentelle Führung, mal klingt es kammermusikalisch und ein anderes Mal werden dezente Jazz-Tupfer eingefügt. Für Abwechslung ist also bestens gesorgt. Allzu oft werden außerhalb Portugals leider nur die Fado-Superstars wahrgenommen und die Breite des kreativen Milieus übersehen. Das aktuelle Album von Carla Pires ist bestens geeignet, um zu entdecken, was Portugals Fado-Szene sonst noch an erstklassiger Musik zu bieten hat.

Carla Pires – Cartografado (Ocarina Music)

Minderheiten in China

Naxos ist eine Plattenfirma, die vor vielen Jahren bereits Weltmusik veröffentlicht hat und sich dann vorwiegend auf Klassik konzentrierte. Seit geraumer Zeit ist Naxos World wieder zurück. Unter den neuen Veröffentlichungen findet sich eine auf 19 CDs angelegte Serie mit dem Titel Folk Music of China, aus der Album Nr. 7 jetzt erscheint. Es handelt sich um die Übernahme von Feldaufnahmen eines Labels aus Shanghai, die die verschiedenen Musikstile der zahlreichen nationalen Minderheiten dokumentieren; es sind also eben nicht die gängigen populären Formen. Bisher sind unter anderem Aufnahmen – überwiegend a cappella – aus Yunnan, Guangxi, der Inneren Mongolei und von austronesischen Minderheiten auf Taiwan erhältlich. Informative Booklets erhellen die Hintergründe. Ob die Auswahl frei von politischen Zwängen erstellt wurde, ist fraglich. Das eine 
oder andere Loblied auf die Kommunistische Partei kann man ja überspringen. 
Jedenfalls ist das hier ein wahres Mammutprojekt, das ungeahnte Einblicke in die verborgene Welt der Minoritäten gewährt. Wer mehr über spannende Vielfalt der traditionelle Musik in China wissen will, als das, was typischerweise hier veröffentlicht wird, kommt an dieser opulenten Serie nicht vorbei!

V.A. – Folk Music of China (CD Serie) (Naxos World)

Juni – Top 20

1. Wu Fei & Abigail Washburn – Wu Fei & Abigail Washburn (Smithsonian Folkways) China/USA
2. Džambo Aguševi Orchestra – Brasses for the Masses (Asphalt Tango) Mazedonien
3. Damir Imamovic – Singer of Tales (Wrasse) Bosnien-Herzegowina
4. Tamikrest – Tamotaït (Glitterbeat) Mali
5. Santrofi – Alewa (Outhere) Ghana
6. Trio Tekke – Strovilos (Riverboat / World Music Network) Zypern/Griechenland
7. Moonlight Benjamin – Simido (Ma Case) Haiti/F
8. Matthieu Saglio – El Camino de los Vientos (ACT Music) Spanien
9. Transglobal Underground – Walls Have Ears (Mule Satellite) UK
10. Frigg – FriXX (Frigg) Finnland
11. Sam Lee – Old Wow (Cooking Vinyl) UK
12. Bamba Wassoulou Groove – Dankélé (Lusafrica) Mali
13. La Banda Morisca – Gitana Mora (La Banda Morisca) Spanien
14. Stratis Skarakis – Mono ti Nihta Thalassa (Aerakis) Griechenland
15. Andrew Cronshaw – Zithers (Cloud Valley) UK
16. Carla Pires – Cartografado (Ocarina Music) Portugal
17. Orkesta Mendoza – Curandero (Glitterbeat) USA
18. John McLaughlin, Shankar Mahadevan, Zakir Hussain – Is That So? (Abstract Logix) USA/Indien
19. Maria Mazzotta – Amoreamaro (Agualoca) Italien
20. Groupe RTD – The Dancing Devils of Djibouti (Ostinato) Dschibuti

Die TWMC TOP 20/40 bei: http://www.transglobalwmc.com/ und bei Facebook „Mondophon auf Radio ARA“ und www.woxx.lu/author/Klopottek.


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