Willis Tipps: Mai 2021

Starker Maloya

Maloya ist die Musik der Insel La Réunion im Indischen Ozean, die auch heute noch zu Frankreich gehört. Als Ausdruck kreolischer Identität galt er als subversiv – auch weil die Kommunistische Partei den Maloya unterstützte. Erst 1981 beendete Frankreich das Verbot; die Unesco nahm ihn 2009 in die Liste des immateriellen Kulturerbes auf. Eine der bedeutendsten Künstler*innen La Réunions ist Christine Salem, die ab 1997 mit ihrer Gruppe Salem Tradition auftrat und seit 2010 unter ihrem eigenen Namen aktiv ist. Nach sechsjähriger Pause ist jetzt ihr Album Mersi erschienen. Der Maloya-Groove kommt von den typischen Perkussionsinstrumenten wie der Kayamb. Außerdem sind akustische und elektrische Gitarren sowie eine Violine und eine Mundharmonika zu hören. Christine Salem singt mit kräftiger, dunkler Stimme ihre selbstgeschriebenen Lieder überwiegend auf Kreolisch. Das Album Mersi ist ein ausgezeichnetes Beispiel für die beeindruckende Musik dieser Insel, auf der vorranging schnellere Rhythmen vertreten sind. Das getragene Titelstück schließt die Platte aber a cappella ab. Feinster Maloya von einer beeindruckenden Künstlerin.


Christine Salem – Mersi – Blue Fanal


Zerrissenes Zypern akustisch


Antonis Antoniou kennt man schon von seinen Gruppen Monsieur Doumani und Trio Tekke. Sein erstes Soloalbum Kkismettin ist ein Produkt der Pandemierestriktionen, die ihn, wie alle Künstler*innen, besonders hart treffen. Zudem ist es geprägt von der andauernden politischen Teilung seiner Heimatinsel Zypern. Zypriotische Musik zeichnet sich dadurch aus, dass sich hier die historischen Verbindungen von griechischer und türkischer Tradition erhalten haben. Davon zeugen die zehn Stücke, auf denen die elektrisch verstärkte und effektgeladene Laouto-Langhalslaute den Ton angibt. Hinzu kommen elektronisch erzeugte Sounds. Die wuchtigen Perkussionsklänge hat er auf ausgedienten Ölfässern erzeugt, die die Trennungslinie zwischen dem türkischen und griechischen Teil der Hauptstadt Nikosia markieren, die Antonis ständig vor Augen hat. So entsteht eine Klanglandschaft, die die Stimmungslage des Künstlers abbildet: Zorn und Aggressivität, aber mit einer dicken Portion Optimismus, dass Besserung in Sicht ist, wenn die Menschen auf Zypern die Geschichte selbst in die Hand nehmen. Musikalisch wie politisch ein ganz starkes Signal!

Antonis Antoniou – Kkismettin – Ajabu! Records


Serbisch-ungarische Geigeneruptionen


In der Vojvodina im nördlichen Teil Serbiens leben zahlreiche Minderheiten. Zur dortigen ungarischen Minderheit zählt Lajkó Félix, der 1993 seine erste Platte aufnahm und seitdem zahlreiche Soloalben und einige Kooperationen hat folgen lassen. Unter anderem hat er mit der serbischen Vorzeige-Brassband von Boban Markovic gespielt. Er schrieb auch die preisgekrönte Filmmusik für den ungarischen Film „Delta“, der 2014 die Goldene Palme in Cannes gewann. Lajkó Félix ist ein ekstatischer Geiger, der in seiner Virtuosität wohl nicht zu übertreffen ist. Für seine aktuelle CD Start hat er eine Band mit ungarischen Musikern zusammengestellt, in der auch Cello und Tuba zu hören sind. Die Band produziert eine explosive Mischung aus Balkansounds und Gypsy Swing, bei der es Lajkó Félix nur selten gelingt, seine ungestüme Spielweise zu zügeln. Folglich geht es bei den meisten Stücken in höchstem Tempo ab. Obwohl die Band rein akustisch besetzt ist, klingt es bisweilen wie Turbo-Punk mit Free-Jazz-Anleihen. Dieser Ausnahmekünstler und seine Band haben hier ein wirklich atemberaubendes Album vorgelegt, das man sich nicht entgehen lassen sollte!


Lajkó Félix & Band – Start – Fonó Budai Zeneház

Mai – Top 20

1. Ballake Sissoko · Djourou · Nø Førmat!
2. Kapela ze Wsi Warszawa / Warsaw Village Band · Uwodzenie / Waterduction · Karrot Kommando
3. Jupiter & Okwess · Na Kozonga · Zamora Label
4. Antonis Antoniou · Kkismettin · Ajabu!
5. Christine Salem · Mersi · Blue Fanal
6. Omar Sosa · An East African Journey · Otá
7. San Salvador · La Grande Folie · La Grande Folie / Pagans / MDC
8. Femi Kuti & Made Kuti · Legacy + · Partisan
9. Samba Touré · Binga · Glitterbeat
10. Hossein Alizadeh & Rembrandt Frerichs Trio · Same Self, Same Silence · Just Listen
11. Katerina Papadopoulou & Anastatica · Anástasis · Saphrane
12. Witch Camp (Ghana) · I’ve Forgotten Who I Used to Be · Six Degrees
13. L’Alba · À Principiu · Buda Musique
14. V.A. · Zanzibara 10: First Modern, Taarab Vibes from Mombasa & Tanga, 1970-1990 · Buda Musique
15. Atine · Persiennes d’Iran · Accords Croisés
16. V.A. · Edo Funk Explosion Vol. 1 · Analog Africa
17. Tania Saleh · 10 A.D. · Kirkelig Kulturverksted
18. Kady Diarra · Burkina Hakili · Lamastrock
19. Luís Peixoto · Geodesia · Groove Punch Studios
20. Esma Redžepova and Nune Brothers · My Last Song: A Tribute To Macedonia’s Gypsy Queen · ARC Music

Die TWMC TOP 20/40 bei: http://www.transglobalwmc.com/ und bei Facebook „Mondophon auf Radio ARA“ und www.woxx.lu/author/Klopottek.


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