World Music: Die Musik der Migrant*innen

Nicht nur Essen aus aller Welt gibt es an diesem Wochenende in den „Foireshalen“. Das „Festival des migrations, des cultures et de la citoyenneté“ bietet auch die Gelegenheit, Musik aus der ganzen Welt zu entdecken.

Die Grupo Pilon mit ihrem Funaná-Stil gibt es seit 1986 in Luxemburg – endlich entdecken kann man sie auf dem Migrationsfestival.

Das wichtige Migrationsfest mit dem unhandlichen Namen „Festival des migrations, des cultures et de la citoyenneté“ findet nun schon zum 37. Male in Luxemburg statt. In diesem Jahr ist wieder die Luxexpo der Veranstaltungsort. Angesichts der Vielzahl der in Luxemburg lebenden Nationalitäten hat ein solches Fest eine besondere Bedeutung. Ohne gegenseitige Akzeptanz und Respekt kann eine so bunte Gesellschaft nicht funktionieren. Das aber setzt voraus, dass neue und alte Luxemburger*innen in Kontakt kommen und sich austauschen. Eine sehr gute Gelegenheit, sich kennenzulernen, ist Musik und so gibt es an den ersten beiden Abenden des Festivals auch Konzerte.

Am Freitag, dem 28. Februar um 21.30 Uhr betritt Biah Vasconcelos die Bühne. Die Sängerin stammt aus Brasilien, kennt natürlich den Samba und hat zudem viele Jahre im nordöstlichen Bundesstaat Paraíba gelebt, wo sie auch die dortigen lokalen Musikstile aufgesaugt hat. Vor sieben Jahren zog sie nach Lissabon. Oft war sie für Konzerte auf Kreuzfahrtschiffen gebucht und trat dort mit zahlreichen Größen lusophoner Musik auf, unter anderem mit dem kapverdischen Urgestein Tito Paris. Sie hat bisher zwei Alben aufgenommen, auf denen sie die verschiedenen Einflüsse vermischt. Ihr gefälliger Stil bewegt sich zwischen gefühlvollen Balladen, brasilianischem Pop und jazzigem Funk mit afrikanischen Elementen. Gegen 23.00 Uhr löst sie Cassandra Lobo ab, die unter anderem den Gitarristen und Sänger Casy Rodrigues mit auf die Bühne bringen wird. Vielen wird Cassandra Lobo bereits ein Begriff sein, denn sie lebt seit 20 Jahren in Luxemburg und hat hier bereits zahlreiche Konzerte bestritten. Cassandra Lobo wurde auf den Kapverden geboren und beherrscht die verschiedenen Stile ihrer alten Heimat, sei es Morna, Funaná oder Coladeira. Ihr familiäres Umfeld hat wohl eine Rolle gespielt bei ihrer Entscheidung, sich der Musik zu widmen: ihre Tante war Sängerin der legendären kapverdischen Gruppe Os Tubarões.

© Paulo Lobo

Am Samstag, dem 29. Februar tritt schließlich um 22.30 Uhr eine Gruppe auf, die eine besondere Geschichte hat, in der Luxemburg eine wichtige Rolle spielt. Grupo Pilon konzentriert sich auf den kapverdischen Stil Funaná, für den ein starker, ganz spezifischer Rhythmus typisch ist. Gegründet wurde die Gruppe bereits 1986 in Luxemburg und zwar von Kindern der ersten kapverdischen Einwanderungsgeneration. In den 1990er Jahren nahmen sie drei Platten auf. Große Verbreitung fanden diese leider nicht, denn damals gab es nur eine Vertriebsfirma für kapverdische Musik in Europa, die ihren Sitz in Portugal hatte. Die Bedingungen dieses Monopolisten schmeckten den Mitgliedern von Grupo Pilon aber nicht und so erreichten ihre Scheiben nur wenige Käufer*innen. 1997 löste sich die Gruppe auf, weil sie immer weniger Auftrittsmöglichkeiten fand. Folglich blieb die Gruppe weitgehend unbekannt, bis das US-amerikanische Label Ostinato Records, das sich auf die Wiederveröffentlichung verschollener Preziosen vor allem aus Afrika spezialisiert hat, die Aufnahmen entdeckte und daraus eine Kompilation mit sechs Stücken zusammenstellte. 2019 wurde die Platte unter dem Titel „Leite Quente Funaná de Cabo Verde“ auf den Markt gebracht. In diesem Rahmen fand die Gruppe mit zahlreichen Originalmitgliedern wieder zusammen und tourt seitdem wieder. Eine neue Platte ist bereits in Vorbereitung. Am Samstag kann man endlich diesen Luxemburger Geheimtipp in seiner Heimat live erleben.

Das komplette Festivalprogramm unter: clae.lu/festival/festival-des-migrations

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