Post-Math/Afro-Beat
: Scharf gewürzt


Lange hat es auf sich warten lassen: Mit „Paprika“ veröffentlicht Luxemburgs einzige Afro-Beat (und Post-Math)-Band No Metal in This Battle ihr erstes Album.

Haben eigentlich noch nie Metal gemacht: No Metal in This Battle. (Foto: Sven Becker)

Heute abend ist es soweit: No Metal In this Battle veröffentlichen ihr erstes Album „Paprika“. Der Name ist Programm: Mit einem würzigen Line-Up mit den Noise-Rockern von Tvesla und DJ Blueprint lockt die Band in die Rotondes. Und das Konzert ist eine der wenigen Gelegenheiten, die Luxemburger live zu sehen. Jüngst machten die Musiker vor allem durch Konzerte im Ausland, unter anderem eine Tour in Japan und einen Auftritt beim Primavera Sound Festival in Barcelona, auf sich aufmerksam. Die Post-Math-Rock Szene, die in Luxemburg ohnehin schon längst keine reine Nische mehr darstellt, scheint neben Mutiny on the Bounty eine weitere Band zu besitzen, die auch jenseits der Grenzen Aufmerksamkeit findet.

Doch was unterscheidet No Metal in This Battle von den anderen Bands? Und vor allem: Wie kann man sich in einer Musiklandschaft positiv abheben, die für ihre technisch hochversierten Musiker bekannt ist? Beim Durchlesen der Genre-Beschreibung von No Metal in This Battle erregt vor allem ein Wort Aufmerksamkeit: Afro-Beat. Die Kennzeichnung der eigenen Musik als Mischung von Post-Rock und Afro-Beat lässt einen erst einmal stutzen, doch erweist sie sich beim Zuhören als durchaus passend. Die nervösen Gitarrenläufe werden durchgängig mit einer springenden Rhythmik und treibenden Bassriffs unterlegt – ein Element, das sich beinahe durch die gesamte CD zieht. Die Melodien und Sounds der Gitarren erinnern dabei noch immer klar an die Post-Math-Rock Musik der früheren Platten. Das Lied „Ours“ auf der 2015 erschienenen EP sei dabei ein Schlüsselmoment gewesen, erklärt Pierre Bianchi, Gitarrist und Keyboarder der Band. Im Prozess der Liedentstehung habe sich ein afrikanischer Groove eingeschlichen der den vier Musikern so gut gefiel, dass er das kommende Album nachhaltig prägte. Die Idee des Alleinstellungsmerkmals durch die Integration afrikanischen Rhythmen in der Post-Rock Musik war geboren.

Es handelt sich hierbei um eine immer wieder zu beobachtende Erscheinung in der Musikentwicklung: Den positiven Synergieeffekt unterschiedlicher ethnischer Einflüsse bei ihrer Zusammenführung zu einem Dritten, das die ursprünglichen Elemente in dem neuen Kontext wieder frisch und neu wirken lässt. Die Verbindung afrikanischer und europäischer Musik hat Anfang des 20. Jahrhunderts die Jazzmusik hervorgebracht. Nun zeigt sich in Luxemburg die Paarung des afrikanischen Rhythmus mit europäischem Post-Rock am Beispiel des Albums Paprika von No Metal in This Battle.

Eine Herausforderung bei den Aufnahmen sei der Drahtseilakt zwischen der Vintage-Ästhetik des Schlagzeugs und dem moderneren Rocksound der restlichen Instrumente gewesen, so 
Bianchi. Diese Balance ist den Musikern und ihrem Sound-Engineer Charles Stoltz gut gelungen. Das Album erinnert im Klang tatsächlich streckenweise an Bands der 1970er-Jahre. Die ersten Lieder der Platte geben dabei eine klare Richtung vor: Nach vorne drängende, tanzbare Beats und afrikanische Percussions stehen klar im Vordergrund, Gitarren und Keyboards übernehmen die Rolle der unaufdringlichen Harmoniegeber. Eine angenehme Abwechslung stellt der Titel „Junior“ in der Hälfte des Albums dar: Eine Melodie, die beinahe an ein Schlaflied erinnert, führt den Zuhörer durch das Lied, die sphärischen Gitarren entfalten den Song in altbekannter Post-Rock Manier.

Insgesamt ist „Paprika“ ein gelungenes Album; das Kalkül, afrikanischen Rhythmus mit experimenteller Rockmusik zu vermählen, ist aufgegangen. Allerdings gibt es auch in dieser Zweckehe einen Wermutstropfen: Die Tribal-Upbeat Rhythmik wirkt über die Länge des Albums wie ein Korsett, das sich die Band selbst angelegt hat, und man wünscht sich an mancher Stelle etwas Luft zum Atmen, einen Bruch in einem sehr homogenen Long-Player. Trotzdem darf man gespannt sein, wohin sich das ambitionierte Projekt in Zukunft noch entwickeln wird.

An diesem Freitag, dem 6. Oktober in den Rotondes.

Kriteschen an onofhängege Journalismus kascht Geld - och online. Ënnerstëtzt eis! Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld - auch online. Unterstützt uns! Le journalisme critique et indépendant coûte de l’argent - en ligne également. Soutenez-nous !
Tagged . Bookmark the permalink.

Comments are closed.