Shoegaze: Rock-Mantras

Echte Shoegaze-Bands sind selten, deshalb hat Luxemburg auch nur eine einzige: „Cyclorama“ – die am Freitag ihr neues Album vorstellen.

Nicht nur das Bild, auch der Sound von Cyclorama ist zuweilen recht schwammig. (Foto: ©Cyclorama)

Unter einem Cyclorama versteht man die Leinwand, die als neutraler Hintergrund während eines Fotoshootings benutzt wird. Dank dieser wird ein grenzenloses Panorama simuliert, die Illusion einer nicht endenden Weite, die den Rahmen für das bietet, was sich im Vordergrund abspielt. Wenn allerdings in Luxemburg von Cyclorama die Rede ist, so meint man damit zumeist die zweiköpfige instrumentale Shoegaze-Band, die seit zehn Jahren auf den hiesigen Bühnen zu sehen ist. Die Analogie der Musik mit einem Cyclorama im eigentlichen Sinn lässt sich dennoch leicht nachvollziehen, denn die Songs der Band führen einen in ein sphärisches Universum voll selbstbewusster Melancholie und kosmischer Trunkenheit.

2007 gründete Sebastian Laas „Cyclorama“ als elektronisches Solo-Projekt; zwei Jahre später stieß der Schlagzeuger Pit Reyland dazu. Eine Veränderung im Line-Up, die auch ihre Auswirkung auf den Sound der Band hatte. Die elektronischen Elemente der Musik bleiben zwar über die gesamte Diskographie präsent, dennoch hört man eine Entwicklung hin zu einer progressiveren, rockigeren Ästhetik. Dieser Prozess erreicht nun seinen Höhepunkt in der neuesten Platte, die ebenfalls den Titel „Cyclorama“ trägt und stärkere Einflüsse von Punk und Post-Rock aufweist. Die Verbindung der Elemente gelingt durchaus und lässt einen zurückdenken an Shoegaze Bands der 1990er-Jahre, wie „My Bloody Valentine“.

So beginnt das dritte Album der Band auch mit diffusen Fuzzgitarren, was einen einfachen, intuitiven Zugang in das neue Album ein wenig erschwert. Nichtsdestoweniger haben diese Anfangsklänge ihren Effekt, indem sie den Zuhörer wachrütteln, bevor Synthie Melodien den Leadpart des Openers übernehmen. Schnell wird die Handschrift des „Cyclorama“-typischen Songwritings erkennbar: langgezogene Gitarrenmelodien, die einen eintauchen lassen in die Tiefen des Shoegazes der Luxemburger Band. Die eingängigen Hooklines in den Songs wiederholen sich mantrahaft in gewohnter Manier, wie man es von früheren Platten der Band kennt. Der Zuhörer kann sich durch das gesamte Album treiben lassen, dank einer sorgfältig zusammengestellten Trackliste, die alle „Cyclorama“-Fans auf ihre Kosten kommen lässt.

Kurios war beim Songwriting Prozess dieses Albums, dass beinahe das gesamte Album mit insgesamt elf Liedern im Zeitraum von drei Monaten fertiggestellt wurde, mehr als zwei Jahre nach der Veröffentlichung des letzten Albums der Band. Grund für die lange Pause war die Elternzeit des Gitarristen Sebastian Laas, der, beflügelt von der Geburt seines Kindes, während dieser kreativen Schöpfungsphase alle Songs des Albums schrieb. Die Homogenität der Lieder sind zweifellos eine Stärke dieses Longplayers.

Am heutigen Freitag veröffentlicht „Cyclorama“ ihr neuestes Werk im Rahmen eines Konzerts in den Rotondes. Im Vorprogramm tritt „Komparce“ auf, eine Indietronica Band aus Metz, die das Label Chez.Kito.Kat gegründet haben, auf dem auch das aktuelle Album von „Cyclorama“ erscheinen wird. Man darf gespannt sein auf ein Familienfest für alle Liebhaber des atmosphärischen Indie-Shoegaze-Rock.

An diesem Freitag, dem 14. Dezember
 in den Rotondes.

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