Chris und Paul Weitz: About a Boy

Achtung – die Väterwelle kommt – zumindest in Literatur und Film. Frauenliebling Hugh Grant versucht in „About a Boy“, das Image der Männer als familienuntaugliche Riesenbabys zu revidieren.

Sichtlich nicht zufrieden in seiner neuen Rolle als großer Bruder. Hugh Grant findet Nicholas Hoult nicht sehr komisch in „About a Boy“.

Über kleine und große Jungs

(rw) – Erinnern Sie sich an die kleine Komödie „High Fidelity“, in der der abgefuckte Betreiber eines chaotischen Plattenladens Hitparaden für alle möglichen Lebenslagen aufstellt? Das war der Anfang vom Aufstieg Nick Hornbys: Im Königreich hatte sein Roman zwar eh schon für den Durchbruch des Schriftstellers gesorgt, aber die Verfilmung brachte ihm auch internationale Anerkennung. Auch in dem 1998 erschienenen „About a Boy“ fehlt das Thema Musik nicht – kein Wunder, Nick Hornby ist im Nebenberuf Musikkritiker. Und auch dieser Bestseller wurde flugs auf die Leinwand gebracht. Dass das Resultat durchwachsen ist, liegt zumindest zum Teil an der Romanvorlage.

In „About a Boy“ emanzipiert sich der vorpubertäre Marcus (Nicholas Hoult) von seiner depressiven, alternativ angehauchten Mutter, und zwar mit der anfangs eher unfreiwilligen Hilfe des leicht dekadenten Altdreißigers Will (Hugh Grant), dessen Lebensphilosophie auf Nichtstun beruht. Seine Existenzgrundlage wird abgesichert durch die Tantiemen, die ihm der immerwährende Erfolg eines schaurigen Weihnachtshits, einziger Durchbruch seines songschreibenden Vaters, einbringt. Weswegen er nicht nur viel Zeit hat, Musik zu hören, fernzusehen und sonstwie zu konsumieren, sondern auch Konzepte zum Kennenlernen einer Frau zu entwickeln. Denn Männer ohne Job, Karriere und Leistungswillen scheinen bei Frauen nicht hoch quotiert, sogar, wenn sie finanziell gut da stehen. Wills neueste Strategie: allein erziehende, von den Männern enttäuschte Mütter anbaggern. Als er von Marcus adoptiert wird und in die Rolle des großen Bruders schlüpfen muss, verkompliziert sich sein bisher so beschauliches Leben.

Strukturlos

Bis dahin ist der Stoff für eine nette englische Komödie durchaus gegeben. Aber schon der Roman kommt etwas strukturlos daher, und die mangelhafte Erzählstruktur scheint auch im Film durch. Sie wird aber zum Teil ausgeglichen durch Elemente wie die unkonventionellere Version des ewigen Hollywood-Themas Vater-Sohn-Beziehung oder – andeutungsweise – die Themenstellung der Depression. Und durch einen Hugh Grant, der sich für einmal als durchaus überzeugender Schauspieler präsentiert. Er hat für „About a Boy“ zudem seine übertrieben englische Art abgelegt und sich einen neuen Haarstil verpasst, was seinen Börsenwert bei Frauen wohl noch steigen lassen dürfte. Etwas unglaubwürdig, aber verzeihbar ist deshalb hier sein Auftreten als ewiger Beziehungs-Loser. Neben Joker Grant hat der Film aber auch eine Reihe wirklich witziger Momente aufzuzeigen, in denen sich Hornbys Talent als Situationskomiker offenbart. Typisch auch der trockene Humor, der die im Off immer wiederkehrenden Begleitkommentare der beiden Hauptdarsteller auszeichnet – ein nettes Stilmittel, das aber nur ein in Englisch einigermaßen geübtes Publikum genießen wird.

Den herrlich absurden Witz des ersten Hornby-Erfolgs finden wir jedoch nur bedingt wieder. Ist die Ironisierung des besonders in Großbritannien grassierenden „Selbsterfahrungsgruppen-Phänomens“ manchmal köstlich, so wird das Klischee der vegetarischen, in Alpaka-Pullovern und Birkenstock-Sandalen herumlaufenden Fiona (Toni Collette), die ihren Sohn auf alternative Art in Schuldkomplexe und Unselbständigkeit drängt, auf eine Weise überstrapaziert, die Hornby selbst schon wieder als verknöchertes Überbleibsel der Achtzigerjahre disqualifiziert. Dass etwa die Alpaka-Welle alt genug ist, um zur Zeit schon wieder ihr Revival zu erleben und Vegetariertum in Hype-Kreisen Urstände feiert, scheint sich auf der Insel noch nicht herumgesprochen zu haben, zumindest nicht der, auf der Nick Hornby lebt. Und so wirkt dieses satirische Element, das bei der Verfilmung anstandslos übernommen wurde, ziemlich altbacken. Von den beiden Regisseuren Chris und Paul Weitz, die sich bislang durch Werke wie „Down to Earth“ oder „American Pie“ hervorgetan haben, war aber wohl auch kaum mehr zu erwarten. Trotzdem: ein netter Weihnachtsfilm, der auch im Sommer für Unterhaltung sorgt und der sowohl (potentielle) Väter als auch Grant-Fans ansprechen wird.

Im Utopolis


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