GURINDER CHADHA: Bend it like Beckham

Mit „Bend it like Beckham“ hat Regisseurin Gurinder Chadha einen Wohlfühlfilm geschaffen, der Emanzipation und Kulturclash auf amüsante Weise thematisiert.

„Warum? Warum ist die Banane gelb? Warum ist die Erde dreckig? Und warum stellen Männer solche Fragen? Fußball ist eine der schönsten Sachen der Welt.“ So lautet die entnervte Antwort einer Spielerin auf die zehnte Frage einer Internet-Topliste der dümmsten Männerfragen zum Frauenfußball, „Warum müsst Ihr denn Fußball spielen?“

Dass Frauen, die Fußball spielen, sich für ihre Leidenschaft oft rechtfertigen müssen – und zwar nicht nur vor Männern -, das erlebt auch Jess (Parminder K. Nagra). Statt wie ein „anständiges“ indisches Mädchen Saris zu tragen und schöne „Chapati“ backen zu lernen, schwärmt die Tochter einer in London ansässigen indischen Einwanderer-Familie für den Fußballprofi David Beckham von Manchester United. Jess spielt für ihr Leben gerne Fußball. Im nahe gelegenen Park lässt sie ihre (männlichen) Freunde beim Dribbling alt aussehen – und erntet dafür vor allem Spott. Das ändert sich erst, als die Amateurfußballerin Jules (Keira Knightley), die zufällig Zeugin ihres Talents wird, sie für ihre Frauenmannschaft anheuert. Weil Jess‘ konservative Eltern kein Verständnis für die unkonventionellen Vorlieben ihrer Tochter haben, verschweigt Jess ihre neue Beschäftigung. Die Heimlichtuerei geht natürlich nicht lange gut: Der Clash zwischen den Kulturen und zwischen den Generationen ist vorprogrammiert.

Leichtfüßig und doch ernst

Ähnlich wie in „Dance, Billy, dance“ kämpfen in „Bend it like Beckham“ zwei junge Menschen für ihren persönlichen Traum, gegen alle Geschlechterstereotypen und die Vorstellungen ihrer Umwelt: Jules und Jess wünschen sich nichts sehnlicher, als eines Tages professionell Fußball spielen zu können. Regisseurin Gurinder Chadna hat diesen Konflikt zwischen Tradition und Moderne in ihrer vierten Komödie auf spielerische Art und Weise inszeniert.

Witzige Wortspiele und bewusst klischeehafte Übertreibungen – so scheinen alle indischen EmigrantInnen im Ausland in erster Linie an die standesgemäße Heirat zu denken – tragen dazu bei, dass dieser Film herrlich leichtfüßig und erfrischend daherkommt. Zudem ist da die gute Besetzung. Die Hauptdarstellerin Parminder Nagra spielt die junge Inderin Jess sehr überzeugend und so ambivalent, wie Menschen nun einmal oft sind. Lustig die Szene, als ihr bester indischer Freund sich als Schwuler outet und Jess nichts Besseres zu sagen einfällt als ausgerechnet: „Aber du bist doch ein Inder!“.

Doch auch wenn der Hauptstrang der Geschichte spannend und temporeich erzählt wird, die vielen Nebenhandlungen, welche die Regisseurin zusätzlich geschehen lässt, beeinträchtigen das Sehvergnügen doch ein wenig. Nicht nur, dass dieser Film als Parallelhandlung die bevorstehende Hochzeit von Jess‘ Schwester hat: Im entscheidenden Showdown wechseln sich parallel montierte opulente Hochzeitsbilder ab mit blass inszenierten Fußballszenen aus dem alles entscheidenden Finale. Spätestens an dieser Stelle sind Kitsch und Klischees zu dick aufgetragen.

Die offenbar obligatorische Liebesgeschichte zwischen dem weißen irischen Trainer (Jonathan Rhys Meyers) und Jess nebst dazugehörigen Eifersüchteleien der beiden Freundinnen, die vermurkste Beziehung des jungen Trainers zum ehrgeizigen Vater, die alle auch noch irgendwie ins Gesamtgefüge gequetscht und glücklich aufgelöst werden müssen, verweisen die Fußballerinnenstory endgültig in den Bereich der Märchen. Dabei gibt es sie ja wirklich: Junge Frauen, die sich entgegen aller Konventionen für ihren Weg entscheiden und ganz langsam die Männerdomäne Profi-Fußball auch fürs weibliche Geschlecht zugänglich machen. Wer’s noch nicht wusste, die Deutsche Birgit Prinz, die US-Amerikanerin Mia Hamm und ihre Kolleginnen bezeugen dies auf eindrucksvolle Weise. Ein bisschen weniger wäre in diesem Falle also mehr gewesen.

Dass die Komödie dennoch unterhaltsam bleibt bis kurz vor Schluss, liegt, wie gesagt, an den schauspielerischen Leistungen der Jungtalente: Die kicken alle Einwände einfach ins Abseits.


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