ISABELLE MERGAULT: Je vous trouve très beau

Je vous trouve très beau“, erzählt, auf seichte Weise, von der Liebe eines Bauern zu einer jungen Rumänin.

Er: Extrem Wortkarg. Sie: Spricht kein Wort französisch. Trotzdem verstehen Michel Blanc und Medeea Marinescu sich hervorragend.

Die Handlung von Isabelle Mergaults Erstlingswerk „Je vous trouve très beau“ erinnert an eine dieser nervigen Reality Shows in der sich in jeder Episode ein alleinstehender Bauer auf die Suche nach seiner Traumfrau begibt. Die Bewerberinnen mussten sich mehreren Aufgaben auf einem Bauernhof stellen. Dabei waren weder das Aussehen, noch ihre inneren Werte ausschlaggebend – getestet wurden vor allem Hühnerfüttern, Ausmisten und Melken.

Auch Aymé Pigrenet ist, nach dem Unfalltod seiner Gattin, auf der Suche nach einer neuen Frau. Doch der kauzige Landwirt vermisst weniger körperliche Nähe oder gar emotionale Gebundenheit, als vielmehr die Arbeitskraft einer Haushälterin und Bäuerin. Vor allem das Benutzen der Waschmaschine bereitet ihm große Probleme. Die Aufgabenbereiche im Bauernhof waren jahrelang strikt nach Geschlecht zugeteilt. Und nun fällt es dem wortkargen Bauern plötzlich schwer, die Kontrolle über seinen Betrieb zu behalten. Also entschließt er sich kurzerhand – nicht einmal zehn Tage nach dem plötzlichen Ableben von seiner Huguette – eine Heiratsagentur zu beauftragen, ihm die passende weibliche Hilfskraft zu finden. Seine Ansprüche sind nicht sonderlich hoch und doch entpuppt es sich als schwierig, eine passende Kandidatin im eigenen Land zu finden. Also fliegt er nach Rumänien, wo ihm in einem Hotel eine Reihe von östlichen Schönheiten vorgestellt werden, die alle von einem besseren Leben im Westen träumen und daher mit größter Sorgfalt „Je vous trouve très beau“ als einzige französische Phrase einstudiert haben. Nagellack, Stöckelschuhe und auswendig gelernte Komplimente imponieren Aymé jedoch überhaupt nicht. Erst als die junge Tänzerin Elena in einem abgenutzten Schlabberpulli vor ihn tritt, funkt es.

Schon tags drauf fliegen sie Richtung Frankreich. Doch die Probleme der beiden fangen erst an. Wie bringt man einer zugeknöpften Dorfgemeinschaft bei, dass man in den Osten geflogen ist, um sich dort ein Frau zu suchen, zumal man vorher noch knallhart behauptet hatte, zur Landwirtschaftsmesse nach Hannover zu reisen?

Die Geschichte ist einfach gestrickt und bietet den perfekten Stoff für eine leichte Komödie. Isabelle Mergault ist in der französischen Filmszene kein unbeschriebenes Blatt mehr. Einen Namen hat sie sich als Schauspielerin gemacht. Mit „Je vous trouve très beau“, hat sie sich zum ersten Mal, mit etwas Widerwillen, wie sie in Interviews behauptete, hinter die Kamera gewagt. Als sie mit dem Drehbuch ferig war, hätte sie dieses am Liebsten einem erfahrenen Regisseur wie Patrice Leconte anvertraut. Doch ihr Produzent und auch Michel Blanc haben sie schließlich ermutigt, selbst die Zügel in die Hand zu nehmen.

Die Handlung entwickelt sich so, wie man es sich von einer sentimentalen Komödie erwartet: Aymé und Elena verlieben sich nach zahlreichen Hindernissen. Grund dafür gibt es eigentlich keinen, außer vielleicht, dass es sich eben für eine romantische Schnulze so gehört. Größtenteils steuert der Film auf absehbare Pointen hin und lässt wenig Raum für Überraschungen. Er badet in einem Meer von Déjà-Vus und es gelingt ihm nur selten, sich über das Niveau eines Fernsehfilms zu erheben. Die Kameraführung bleibt dabei stets traditionell. Lediglich die schauspielerischen Leistungen sind überdurchschnittlich. Michel Blanc brilliert als schrulliger, lakonischer Griesgram, der sich keine Gefühlsregung anmerken lässt und sich doch insgeheimum seinen Haarausfall sorgt. Die Rolle wurde ihm auf den Leib geschrieben. Auch Medeea Marinescu weiß zu überzeugen. Sie besticht mit ihrem strahlenden Lächeln und ihrer naiven Natürlichkeit. Da sie kein Wort französisch spricht, hat sie ihren Text rein phonetisch einstudiert. Obwohl kein Meisterwerk, so bleibt der Film doch Garant für ein paar unterhaltsame Stunden.


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