JOHN MADDEN: Proof

Proof liefert den Beweis dafür, dass das Leben nicht in vorkalkulierten Bahnen laufen muss. Schon gar nicht, wenn man es mit einem Haufen Mathematikern
zu tun hat.

Wenn Worte und Zahlen versagen, hilft vielleicht ein bisschen Körperkontakt.

Auffallend viele literarische Werke die den Pulitzer-Preis erhielten, fanden ihren Weg auf die Leinwand. So auch Proof, der neue Film von Shakespeare in Love Regisseur John Madden. Er basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von David Auburn, der als Drehbuchautor mitgewirkt hat.

Die Hauptrolle in Proof übernimmt Oscar-Gewinnerin Gwyneth Paltrow. Sie spielt die 27-jährige Catherine, die ihr viel versprechendes Mathematikstudium abgebrochen hat, um sich um ihren Vater Robert (Anthony Hopkins), der seit Jahren unter psychischer Demenz leidet, zu kümmern. Robert war selbst ein angesehener Mathematiker, der bereits im Alter von 22 Jahren bedeutende Arbeiten veröffentlichte. Nach dessen Tod beginnt für Catherine eine weitere schwierige Phase: Ihre Schwester Claire (Hope Davis) fliegt aus New York ein, um sich um den Verkauf ihres Hauses zu kümmern und Catherine zu überreden, mit nach New York zu kommen. Außerdem kommen sich Roberts „Lehrling“ Hal (Jake Gyllenhaal) und Catherine näher. Nach dem Tod ihrer einzigen Bezugsperson findet Catherine bei Hal Trost und Motivierung. Einerseits aufgebracht wegen ihrer Schwester, die sie unermüdet mit psychoanalytischen Fragen bedrängt, andererseits durch die Beziehung mit dem ehemaligen Schüler ihres Vaters irritiert und beängstigt, ist Catherine einem schwer auszuhaltenden seelischem Kraftfeld ausgesetzt. Des Weiteren sucht Hal in den über 100 Aufzeichnungen des kranken Professors nach etwas Genialem. Schließlich findet sich ein Notizbuch, in dem ein Bahn brechender 40-seitiger Beweis notiert steht. Laut Catherine sei der Beweis von ihr, doch stellt sich bald heraus, dass sie sich selbst nicht mehr richtig erinnern kann.

Nun scheint es möglich, dass Catherine nicht nur die mathematische Gabe, sondern eventuell auch die Krankheit ihres Vaters geerbt haben könnte. In der zweiten Hälfte wechselt der Film intensiver zu Catherine und hebt die Thematik des Urheberrechts hervor: Anfangs wird Catherine, die behauptet, der Beweis sei ihr eigener, kein Glauben geschenkt, und Hal versucht ihn in Roberts Namen zu veröffentlichen. Catherine sieht in der Veröffentlichung des Beweises die Möglichkeit, ihr Leben neu anzukurbeln.

Proof besticht insbesondere durch ein beeindruckendes Schauspielerensemble: Allen voran glänzt Gwyneth Paltrow, die die Rolle der Catherine bereits im Theater übernommen hatte. Paltrow spielt derart überzeugend, dass der Zuschauer regelrecht mitgerissen wird und intensiv am Geschehen beteiligt ist. Doch auch Anthony Hopkins („The Silence of the Lambs“) und Jake Gyllenhaal („Brokeback Mountain“) sowie Hope Davis können ihr Talent deutlich unter Beweis stellen. Ihre Darstellungen wirken authentisch und nuanciert. Des Weiteren funktioniert Stephen Warbecks Musik perfekt, die raffinierte, fließende Untermalung erinnert an Philip Glass und unterstreicht besonders dramatische Szenen famos. Stilistisch fällt auf, dass Proof mit vielen Flashbacks arbeitet, die nach und nach komplettiert werden. Obwohl in mosaikartiger Manier erzählt, wirkt der Film nie schematisch konstruiert. Die Rückblenden bieten dem Zuschauer erst nach und nach die Möglichkeit, die Wahrheit über den Verfasser des Beweises herauszufinden.

Proof, bereits im September 2005 in Amerika gestartet, ist ein solide inszeniertes, beeindruckend gespieltes und bewegendes Drama das weniger über Mathematik als über
Urheberrecht, Liebe und Vertrauen erzählt.


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