ANDY GARCIA: Verlorene Welten

Einen Film über Kuba zu drehen, ohne Partei zu ergreifen, erscheint eigentlich unmöglich. Andy Garcia ist dies mit „The Lost City“ dennoch gelungen.

Tanzen mit dem Tod: In Kuba hat anscheinend jedes Vergnügen seine mörderischen Konsequenzen.

Andy Garcias „The Lost City“ brauchte ganze 16 Jahre, bis der Film, in nur 35 Tagen abgedreht, den Weg in die Kinos fand. Für den kubanischen Schriftsteller Guillermo Cabrera Infante, der das Drehbuch verfasste, kommt die Kinopremiere trotzdem zu spät. Er starb im Februar letzen Jahres.

Andy Garcia, selbst kubanischer Herkunft, konzentriert sich in seiner Regiearbeit, in dem er auch in die Hauptrolle schlüpft, auf eine ganz spezielle Epoche in der Geschichte Kubas. Der Film spielt hauptsächlich zu dem Zeitpunkt, als Fidel Castro im Jahre 1959, nach zahlreichen Revolten, an die Macht kommt.

Doch dem beliebten Gangster-Darsteller geht es weniger um Kritik an Castro oder an dessen Vorgänger Battista. Garcia erzählt vielmehr die alte Geschichte über den Teufelskreis aus Macht und Gewalt und kümmert sich scheinbar wenig um politische Einfärbungen. Hauptperson ist der elegante Fico Fellove (Andy Garcia), der den sehr beliebten Nachtclub „El Tropico“ betreibt. Seine Gäste sind die reicheren Einwohner Havannas, die in Scharen in Ficos Club zu Cha-Cha-Cha, Rumba und Mambo tanzen. Eines Tages betritt ein harmlos aussehender, aber gefürchteter Mann Ficos „El Tropico“: Es handelt sich um den Mafioso Meyer Lansky (Dustin Hoffman), welcher Fico ein Angebot macht, das er nicht ablehnen darf: Lansky schlägt Fico die Umgestaltung von dessen Nachtclub zu einem Casino vor. Doch der mit seinem Club zu Reichtum gekommene Fico Fellove will davon nichts wissen. Bereits kurze Zeit später bekommt Fico die Auswirkungen seiner Entscheidung zu spüren: Eine seiner viel versprechendsten Tänzerinnen kommt während ihrer Show durch eine – von Lansky geplanten – Explosion ums Leben.

Während die Familie Fellove eher auf gewaltlosen Widerstand setzt, kommt es in der kubanischen Bevölkerung immer häufiger zu Unruhen. Doch Luis und Ricardo Fellove, Ficos Brüder, schließen sich einer Gruppe an, deren Ziel es ist, Präsident Battista zu stürzen. Eine Schande für seine bürgerliche Familie.

Ironie der Geschichte: Castros Regime wird Fico später zwingen seinen Nachtclub zu schließen und zur eigenen Sicherheit nach New York auszuwandern Ù

„The Lost City“ ist ein Film über einen Nachtclub-Besitzer, der vor den Gefahren Kubas flüchtet, sich aber nie von seiner Heimat trennen kann. Der von Bill Murray gespielte Drehbuchautor Infante kann zwar in seiner Rolle als Schriftsteller „ohne Namen“ ein paar komische Akzente setzen. Trotzdem erfüllt er im Film keine richtige Funktion, so dass Garcia auch auf ihn hätte verzichten können.

„The Lost City“ beeindruckt mit seinen frischen und intensiven Aufnahmen – sowohl simple Bilder der kubanischen Natur wie auch die packenden und gelungenen Tanzszenen, die sich wie ein roter Faden durch den ganzen Film ziehen. Neben schönen Musikeinlagen bleiben zudem eindringliche Szenen über Tod und Trauer im Gedächtnis haften. Kontinuierlich werden idyllische und harmonische Bilder durch Schüsse und Explosionen zerstört, was den gewollten Effekt verstärkt.

Andererseits entgeht „The Lost City“ nicht einigen Längen. Obgleich der Film optisch sowie schauspielerisch durchgehend zu überzeugen und unterhalten weiß, leidet er dennoch unter seiner Langatmigkeit.

The Lost City,
im Utopia


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