MUSIK: Schwerenöter on Tour

Die britische Band Tindersticks verstehen es emotionale Tiefe zu orchestrieren.

Eine düstere Endlosschleife, ein melancholisches Mantra, ein Moll das einen ganzen Tag ertränken kann – das schafft vor allem die britische Band Tindersticks mit ihrer Musik. Etwa mit ihrem Album „Trouble Every Day“, der Soundtrack zum gleichnamigen Film der französischen Filmregisseurin Claire Denis. In vierzehn Liedern wiederholt sich hier die gleiche Litanei: Ein Basston, einsetzende Klavierakkorde, Hi-Hats und Schlagzeug, dann die dunkle, tremolierende Stimme des Sängers Stuart Staples: „Look into my eyes, You see trouble every day, It’s on the inside of me, So don’t try to understand“. Die Meister der Schwermut, die mittlerweile auf eine bald zwanzigjährige Bandgeschichte und sieben Studioalben zurückblicken können, spielen dieses Wochenende in der Rockhal.

Angefangen hat alles – so will es der Mythos – mit einer Streichholzschachtel, die der Engländer Stuart Staples an einem Strand in Griechenland fand. Der Name der Band aus Nottingham war geboren. Eine Band, die sich neben dem Sänger Stuart Staples ursprünglich aus Keyboarder David Boulter, Violonist Dickon Hinchcliffe, Gitarrist Neil Fraser, Bassist Mark Cornwill sowie Al McCauley am Schlagzeug zusammensetzte. Nachdem die Gruppe 1992 mit den ersten Proben begonnen und auf ihrem eigenen Label limitierte Singles veröffentlicht hatte, genoss sie schon bald den Ruf einer Kult-Band. Schon ihr Debütalbum 1993 wurde von der britischen Musikzeitschrift „Melody Maker“ zum Album des Jahres gekürt. Vollkommen unabhängig vom Britpop und anderen Musikströmungen in England bevorzugen die Tindersticks einen dunkeln, chansonartigen und vielschichtigen Sound – eine Mischung aus Orchestermusik, Lounge-Jazz und Soul. Wo bodenständiger Pop und Rock auf den Punkt hin musiziert, sind die Tindersticks gemächlich. Sie machen schwierige Lieder mit anspruchsvollen Texten. „Es geht darum, dich kurz zu fassen, das Wesentliche in deinen Songs auszudrücken – je subtiler, desto wirkungsvoller“, meinte der Sänger in einem Interview.

Die Tindersticks verstehen sich auf Andeutungen, die der Hörer weiter spinnen darf. Die Musik erzählt. Charakteristisch ist neben der vielseitigen Orchestrierung – die schon mal bis hin zu einer ganzen Orchesterbesetzung bei diversen Live Performances gehen konnte – vor allem der rauchige Bariton des Leadsängers Staples.

Auch wenn drei der sechs Gründungsmitglieder die Band mittlerweile verlassen haben, hat die Band nichts von ihrer Tiefe eingebüßt, was sie mit ihrem letzten Album“The Hungry Saw“, das 2008 veröffentlicht wurde beweisen konnten. Neben den meist melancholischen Songs enthält dieses Album auch swingende Stücke: Zum Beispiel das vorwiegend instrumentale Stück „E-Type“, das mit seinen Orgelklängen und dem Glockenspiel gut als schnulzige Filmmusik der 1970er Jahre fungieren könnte. Und bestimmt wird es ihnen auch am Samstag gelingen das Publikum mit ihrer Musik zu berühren. Denn die Liveauftritte der Schwerenöter werden vielfach als Erlebnis beschrieben.

Die Tindersticks spielen an diesem Samstag, dem 13. Dezember in der Rockhal.


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