DARREN ARONOFSKY: Wenn die Realität hart zuschlägt

Mickey Rourke ist wieder aufer-standen: Seine glaubhafte Darstellung eines invaliden Wrestlers wirft ein ungewohntes Licht auf die Welt des Ringkampfes und beschert ihm eine Oscar-Nominierung.

Das Ende eines Wrestlers: Glitter, Blut und Einsamkeit.

Robin Ramzinski’s Tage als erfolgreicher Wrestler sind gezählt: Seine Kämpfe, die nur noch in lokalen Arenen stattfinden, machen ihm immer mehr zu schaffen und die Miete seines Wohnwagens und die teuren muskelaufbauenden Medikamente kann sich Robin nicht mehr regelmäßig leisten. Trotzdem gibt „The Ram“ nicht auf und nimmt neben weiteren Kämpfen auch einen Job im Supermarkt an. Als ein Organisator ihm ein Match gegen den Wrestler „Ayatollah? anbietet, sieht The Ram dies als seine Chance auf ein Comeback. Schließlich fand sein letzter Kampf gegen „Ayatollah“ im ausverkauften Madison Square Garden statt. Doch bis es soweit ist, muss sich Robin die herablassenden Kommentare seines Vorgesetzten im Supermarkt gefallen lassen. Der Wrestler tröstet sich im Striplokal, das er regelmäßig nach der Arbeit besucht. Er freundet sich mit Cassidy an (Marisa Tomei), einer Stripperin die – ähnlich wie der Wrestler – die übliche Altersgrenze des Milieus überschritten hat und sich finanziell nur noch schwer über Wasser halten kann.

Da Robin auf jedes Geld angewiesen ist, geht er auf einen „Hardcore“ Kampf ein, bei dem die Kämpfer Waffen benutzen sollen. Die Schläge und Sprünge sind nach wie vor unecht; Scherben, Stacheldraht und Tacker hinterlassen jedoch ihre Spuren: Robin erleidet einen Herzinfarkt und muss sich einer Bypass-Operation unterziehen. Natürlich verbietet ihm sein Arzt das Wrestlen sowie die Medikamente, die Robin bis zum am Ende seiner Karriere in sich rein schaufelte. Da er nur noch in Videospielen kämpft, wird der Job im Supermarkt seine einzige und zudem spärliche Geldquelle. Panisch stellt er fest, dass er ein alter, einsamer Mann geworden ist. Der Ruhm ist verblasst und auch sein typischer Rammschlag gerät langsam in Vergessenheit. Der Versuch, die Vaterrolle für seine Tochter zu übernehmen, scheitert kläglich und auch Cassidy, die nicht mit Kunden ausgehen will, lässt Robin abblitzen. „The Ram“ ist eben nur ein Gewinner im Ring, und dahin will er schnell wieder zurück; koste es, was es wolle.

Mit „The Wrestler“ gelingt Mickey Rourke ein äußerst erfolgreiches Comeback. Rourke, seines Zeichens auch ehemaliger Profiboxer, verleiht dem Muskelprotz eine sensible Seite, und gewährt so einen Blick in das emotionale Backstage der Show-Ringer. Das Drehbuch hält allerdings nur wenige Überraschungen bereit und verschiedene Szenen ähneln sehr denen aus unzähligen anderen Filmen des Genres. Es ist eher der sozialkritische Aspekt, der „The Wrestler“ von anderen Kampf-Filmen unterscheidet: Cassidy und „The Ram“ trauern beide ihren jungen Körpern und dem verblassten Erfolg nach. Sie und der abgewrackte Ringer fühlen sich isoliert und alleingelassen in einer Gesellschaft, die vom Jugendwahn getrieben ist, aber anderseits immer älter wird. Aronofsky, der schon mit „Requiem For A Dream“ die Tücken der Spaßgesellschaft verurteilte, benutzt in „The Wrestler“ wenige Spezialeffekte. Er zeigt vorwiegend die leeren Kampf-arenen und desolaten Landschaften der Vorstädte in New Jersey. Der Film wird somit zum ernüchternden Schlag ins Gesicht, und zwar nicht nur für die, die sich einen actionreichen Muskelfilm erwarten: In „The Wrestler“ leuchten die Spandex-Hosen weniger bunt.

„The Wrestler“, im Utopolis


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