INTERNATIONALER FRAUENTAG: Frauen in
die Wirtschaft

Finanzgeschäfte werden vor allem von Männern geleitet. Der Internationale Frauentag bietet nun die Gelegenheit über die Eigentumsverhältnisse in unserer Gesellschaft nachzudenken.

Am 8. März ist es wieder so weit: Der internationale Frauentag oder Weltfrauentag steht an. Die Zeit jedoch in der Frauen sich solidarisierten und für ihre Rechte auf die Straße gingen, Parolen skandierten und Plakate für die Gleichberechtigung schwangen ist längst vorbei. Mittlerweile ist der Internationale Frauentag eine Art Institution geworden, fest im europäischen Bürokratie-Alltag verankert. 2008 wollte die EU-Kommissarin Viviane Reding den Internationalen Frauentag gar abschaffen mit dem Argument, dass „solange wir einen Frauentag feiern, wir keine Gleichberechtigung haben.“

Natürlich wurden einige Meilensteine auf dem Weg zu mehr Frauenrechten und zur Gleichberechtigung gesetzt: Seit 90 Jahren existiert in Luxemburg das Frauenwahlrecht – obwohl Frauen bis in die 60er Jahre hinein in der aktiven Politik nicht Fuß fassen konnten und auch heute noch in politischen Entscheidungsgremien unterrepräsentiert sind. Seit 1981 besteht das Gesetz „relative à l’égalité de traitement entre hommes et femmes en ce qui concerne l’accès à la formation et à la promotion professionelle, et les conditions de travail“, dem weitere Regelungen folgten. Der Kampf für mehr Frauenrechte verlagerte sich seit den neunziger Jahren immer mehr in Richtung Chancengleichheit – was von engagierten Frauenorganisationen eher kritisch wahrgenommen wurde. Auch in der Regierungserklärung vom August 2004 wurde der politische Willen bekräftigt sich für die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern einzusetzen, was nicht zuletzt in der Umbenennung des „Ministère de la Promotion Féminine“ in das „Ministère de l’Egalité des chances“ seinen Niederschlag fand.

Und nun stellt sich gerade angesichts des Wahljahres und vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise wieder die Frage: Wo situieren sich die Frauen heute und morgen in unserer Gesellschaft, in einer Welt, die global funktioniert (oder auch nicht). Gerade die Finanzkrise verweist wieder auf den Ursprung des Internationalen Frauentages, dessen Entstehungsmythos nicht nur eng mit der Sozialistischen ArbeiterInnenbewegung verknüpft ist, sondern auch in Zusammenhang mit Streiks gegen zu niedrige Löhne und unzumutbare Arbeitsverhältnisse gebracht wird.

Insbesondere prekäre Zeiten bergen erneut die Gefahr der ungleichen Behandlung, der Verschiebung der Einfluss- und Machtverhältnisse. So nutzt es wenig nur über die Schuldigen der Finanzkrise nachzudenken – übrigens werden die Zentralbanken aller 27 EU?Mitgliedstaaten von Männern geleitet – wenn nicht grundlegend über die Kapitalverteilung und Eigentumsverhältnisse in unserer Gesellschaft nachgedacht wird, einer Welt, deren Ressourcen im globalen Wettstreit endlich sind. So erhalten Frauen, obwohl sie einen guten Teil der weltweiten Arbeit leisten, nach wie vor nicht nur weniger Lohn für die gleiche Arbeit, sie sind auch in geringerem Maße selbst Eigentümerinnen und haben somit weniger Rückhalt. Aber auch weniger Einfluss was Zukunftsentscheidungen anbelangt, zum Beispiel über einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen. Zwischenzeitlich bestätigte ein neuer im Auftrag der EU-Kommission erstellter Sachverständigenbericht, dass Frauen in wirtschaftlichen Entscheidungs­prozessen stark unterrepräsentiert sind. Damit wir jedoch die derzeitige Wirtschaftslage bewältigen ist die Gleichbehandlung von Frauen und Männern wichtiger denn je. „Wir können die Finanzkrise nur bewältigen, wenn wir das Potenzial aller Bürgerinnen und Bürger nutzen,“ meinte der für Chancengleichheit zuständige EU?Kommissar Vladimir Spidla diese Woche. Dazu jedoch brauchen wir einen Kurswechsel: Mehr Frauen-power in Finanz- und wirtschaftlichen Entscheidungsgremien. Und mehr Nachhaltigkeit im Umgang mit den begrenzten Ressourcen. Denn ein nur auf Gewinnmaximierung aufgebautes Gesellschaftssystem, kann nicht ewig funktionieren.


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