UNI LËTZEBUERG: Umzugstermin unbekannt

Auf Belval wird eine neue Uni gebaut, doch wann genau die akademische Gemeinde dort einziehen wird, ist ungewiss. Der zuständige Minister prophezeit einen Großteil der Umzugsaktionen weiterhin für 2013. An der Uni selbst werden auch spätere Termine genannt.

An der Uni sind die Umzugskisten noch nicht gepackt. Das hat auch noch gut vier Jahre Zeit. Eine Arbeitsgruppe soll nun ermitteln, wie die Gebäude, die gerade auf Belval entstehen, innen ausgestattet werden müssen.

„Wir bleiben im Zeitplan.“ Auf das Thema Umzug ging der Hochschulminister nur auf Nachfrage ein, als er im Januar zusammen mit dem Rektor den neuen „Plan quadriennal“ vorstellte. „Im Zeitplan“ hieße „Ende 2013/Anfang 2014“, so Francois Biltgen. „Das heißt jedoch nicht, dass bis dahin auf Belval alles schon steht“, fügt der Minister hinzu.

Für detaillierte Angaben verwies er auf den Experten an seiner Seite: Germain Dondelinger, premier conseiller im Hochschulministerium und seines Zeichens auch Präsident des Fonds Belval bestätigte den vom Minister genannten Termin. Dondelinger zählte auf, welche Teile der Uni bis dahin ihr neues Domizil beziehen werden: die Maison du savoir mit den Hörsälen, Seminarräumen und der Uni-Verwaltung, die Maison des sciences humaines mit der geisteswissenschaftlichen Fakultät, die Maison du nombre (Mathematik und Informatik), die Bibliothek sowie das Studentenhaus. Anderthalb Jahre später seien dann die Naturwissenschaften an der Reihe, ergänzte Germain
Dondelinger. Laut diesem Plan wäre also bis spätestens bis Ende 2015 die gesamte Uni umgezogen.

Dekan Michel Margue: Wir tun so, als stünde der Umzug vor der Tür.

Uni-intern wurde dieses Datum unlängst eher als frühestmöglicher Beginn der ganzen Umzugsaktion genannt. Erst Ende 2015 würden die ersten Institute auf Belval installiert, hieß es Mitte März im Conseil facultaire. Der Presse gegenüber wollte der Dekan der Geisteswissenschaftlichen Fakultät diese Aussagen nicht bestätigen. Es sei interessant zu hören, dass die Inhalte der Debatten des Conseil facultaire inzwischen bis zur Presse vordringen würden, so Michel Margue, da könne man wirklich von einer transparenten Uni sprechen. „Sicher ist, dass man an der Uni in der letzten Zeit sehr vorsichtig damit umgeht, ein genaues Datum für den Umzug zu nennen“, so der Dekan und: „Wir tun so, als stünde der Umzug vor der Tür. Wir sind konkret dabei, ihn zu planen.“

Auch der Vizerektor der Uni will sich auf Nachfrage nicht auf ein Datum festlegen. „Es ist schwierig, den Einzug in die verschiedenen Gebäude zu harmonisieren“, sagt Lucien Kerger. „Es lohnt sich beispielsweise nicht, eine Maison du savoir in Betrieb zu nehmen, wenn nicht bereits genügend Studenten auf dem Campus Belval präsent sind“. Im Augenblick müssten praktische Fragen geklärt werden. Etwa, welche Forschungseinheiten genau wohin ziehen sollen.

Dass die Diskussionen darüber derzeit an der Uni auf Hochtouren laufen, bestätigt der Mann an der Schaltstelle zwischen Uni und Fonds Belval: Michael Scheuern ist größtenteils von seiner Lehrtätigkeit freigestellt und offiziell der „Conseiller Belval“ an der Uni Luxemburg. Eine Aufgabe, die ihn zu „120 Prozent“ ausfüllt, denn es gibt jede Menge zu tun. „Das erste Forschungsteam wird bereits nächstes Jahr umziehen“, so seine Ankündigung. Vermutlich im Februar wird das Biotech-Gebäude fertig gestellt sein und auch bezogen werden. „Das ist die „Arrivée der Uni auf Belval!“, so Scheuern gegenüber der woxx.

Wann der Rest der Uni folgen wird, sei derzeit schwer vorherzusagen. Tatsächlich sei damit zu rechnen, dass die aufgezählten Gebäude bis Ende 2013 fertig gebaut sind. „Dann jedoch beginnt erst die Phase der Inneneinrichtung“, sagt der Belval-Berater, „und wie lange das dauern wird, ist noch unklar.“ Man gehe von einer Zeitspanne von sechs bis zwölf Monaten aus.

Rektor Rolf Tarrach: „Das Wachstum der Uni wird bedingt sein durch die Akzeptanz der Zusammendrückbarkeit.“

Dass die Abteilung Biotech als erste nach Belval zieht, geht nicht zuletzt auf einen Wunsch der Regierung zurück. „Dieses Gebäude war in den ursprünglichen Plänen von 2003 gar nicht vorgesehen“, sagt Michael Scheuern. Als die Regierung vor zwei Jahren einen Vertrag mit einem US-amerikanischen Institut unterzeichnete, war darin die Bedingung enthalten, die erforderlichen Räume für ein biotechnologisches Institut bereit zu stellen. „Die Universität hatte keine Möglichkeiten mehr, an den bestehenden Standpunkten Labors einzurichten“, erklärt Scheuern, „also wurde auf Belval ein neues Gebäude geplant.“ Für die Finanzierung wurde ebenfalls von staatlicher Seite gesorgt. Insgesamt 140 Millionen Euro machte der Staat locker, um der Biotechnologie binnen fünf Jahren den Start an der Uni Luxemburg zu ermöglichen.

Die erste Fakultät, die geschlossen nach Belval zieht, wird wohl jene der Geisteswissenschaften sein. „Wir müssen zunächst einmal zusammentragen, welche Ansprüche die verschiedenen Forschungseinheiten haben“, so Scheuern. Zu diesem Zweck wurde eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Fakultäten gegründet. Bis Ende des Jahres soll ihr Programm für den Innenausbau der neuen Gebäude auf dem Tisch liegen. „Die Uni muss auch prüfen, wie diese Ausstattungen finanziert werden“, fügt Scheuern hinzu. In Krisen- und Tripartite-Zeiten keine leichte Aufgabe.

Immerhin präsentierte sich noch Anfang Januar bei der Vorstellung des neuen Vierjahresplans ein äußerst zufriedener Rektor. Von den zwei großen Problemen, mit denen die Uni zu kämpfen habe, sei eines gelöst, kündigte Rolf Tarrach an. Er sei persönlich überrascht gewesen, dass die Regierung dem von der Uni angefragten Budget von 119 Millionen Euro zugestimmt habe. Dies sind immerhin 47 Prozent mehr als es für die Finanzierung des ersten Plan quadriennal gab. „Wir haben nicht mehr Geld beantragt, als wir wirklich benötigen“, fügte Tarrach hinzu, man sei sich vor allem in diesen Zeiten der Verantwortung gegenüber den Steuerzahlern bewusst.

Dank der „sehr großzügigen Geste der Regierung“ sei also die erste Einschränkung der Uni behoben, so der Rektor, es bliebe aber noch das Raum-Problem. Die Lösung des gelernten Physikers: „Das Wachstum der Uni wird bedingt sein durch die Akzeptanz der Zusammendrückbarkeit.“ Übersetzt hieße das: Die Forschungseinheiten, die damit einverstanden sind, in ihren Büros zusammenzurücken, werden die Möglichkeit bekommen, sich weiter zu entwickeln. „Die anderen werden nicht wachsen können“, so der Rektor pragmatisch.

Immerhin sieht der Plan der Uni für die nächsten vier Jahre rund 250 neue Angestellte vor. Die Fakultäten in Walfer und auf Kirchberg meldeten beide an, dass der räumliche Spielraum sehr eng sei. „Mit der aktuellen Infrastruktur haben wir ein Wachstumspotential von 20 bis 30 Prozent“, sagt jedoch der Rektor und untermauert ihn mit individueller Empirie: Er habe in seinem früheren Berufsleben Nobelpreisträger gekannt, „und die haben in Büros gearbeitet, die nur halb so groß waren wie die der Professoren an der Uni Luxemburg“.


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