UNI LUXEMBURG: Effizient, aber wenig konvivial

Während das Rektorat eine positive Bilanz des Jahres 2009 zieht, geben die StudentInnen ihrer Lehrstätte eher durchwachsene Noten.

„Mir kënnen houfreg sinn op eis Uni“ – erst im zweiten Anlauf gelang Unirektor Rolf Tarrach in fehlerfreiem Luxemburgisch der Satz, der nach seinem Empfinden die Situation der Universität Luxemburg treffend umschreibt: Auch 2009 ging es mit der Uni – hält man sich an die statistisch erhobenen Zahlen – aufwärts. Ende vergangener Woche hatten er und Vize-Rektor Lucien Kerger zu einer Bilanzpresskonferenz geladen, auf der sie fast nur Positives berichteten. So erhöhte sich der Personalbestand in dem Jahr, in dem der zweite Fünfjahresplan (2009-2013) beschlossen wurde, auf 861 Einheiten (2008: 653).

Auch die Zahl der Studierenden nahm um 9,2 % auf 4.497 zu. Unter ihnen befanden sich 700 im Masterstudiengang, 312 strebten ein Doktorat an. Zwar registriert die Uni Luxemburg bei ihren StudentInnen nicht weniger als 93 unterschiedliche Nationalitäten, dennoch ist sie eine eher „nationale“ Universität, denn 78,5 Prozent der Studierenden haben ihre Hochschulreife an Luxemburger Schulen erworben.

Das Uni-Budget überschritt 2009 erstmals die 100 Millionen-Euro-Grenze. 72 der 102,5 Millionen, die zur Finanzierung des Unibetriebes gebraucht wurden, kamen aus der direkten Dotierung des Staatshaushalts. Die Einschreibegebühren machten dagegen mit 3,8 Millionen lediglich einen Bruchteil der Einnahmen aus.

Das Rektorat präsentierte auch zwei Studien, die über den Grad der Zufriedenheit der StudentInnen Aufschluss zu geben versuchen. Zum einen wurde per Umfragebogen die Qualität des uni-eigenen „Service des études et da la vie étudiante“ ausgelotet. Rund 12,3 Prozent der StudentInnen beteiligten sich an der schriftlichen Umfrage und stellten der Dienststelle gute oder sehr gute Noten in Sachen Uni-Einschreibung aus.

Etwas durchwachsener ist das Ergebnis des „International Student Barometer“, einer international durchgeführten Umfrage, die versucht, nach gemeinsamen Kriterien die Einschätzung der Unis durch ihre StudentInnen zu ermitteln. Dabei wird jeweils zwischen „domestic“ und „international students“ unterschieden. Auch hier lag der Rücklauf der Fragebögen mit rund 21,1 Prozent erfreulich hoch, so dass hinreichend repräsentative Ergebnisse errechnet werden konnten.

Vor allem für ausländische StudentInnen waren die niedrigen direkten Studiengebühren der wichtigste Grund ihrer Entscheidung für Luxemburg. Aber auch Faktoren, wie die Qualität der Ausbildung und der Forschung und die Reputation des Standortes wurden als wichtige Kriterien genannt.

Alles hofft auf Belval

Die materielle Zufriedenheit der Studierenden allerdings hält sich in Grenzen: Vor allem die Lebenshaltungskosten werden von den internationalen StudentInnen als Manko angesehen. Hier wirken sich vor allem die hohen Preise für Wohnraum in Luxemburg und der beschränkte studentische Arbeitsmarkt aus. Eine rote Karte gibt es auch für den Transport zur Uni und zwischen den Standorten.

Sorgen bereitet die Eingliederung der internationalen StudentInnen, da insbesondere die sozialen Aktivitäten auf den Campi und in ihrem Umfeld als wenig zufrieden stellend bewertet werden. Ein weiteres Problem sind die unzureichenden Öffnungszeiten und Nutzungsmöglichkeiten der Uni-Bibliotheken. Pluspunkte sammelt die Uni-Luxemburg dagegen bei Themen wie Technologie, Internet-Zugang oder Sicherheit. Doch an der Beratung – etwa über die Karriereaussichten der diversen Studiengänge – oder am Feedback seitens der Lehrenden für studentische Leistungen finden StudentInnen beider Kategorien wiederum wenig zu loben.

Besserungen für diese Mängel erwartet das Rektorat erst für die Zeit nach dem Umzug nach Belval. Dabei stellt sich allerdings die Frage, wann dieser tatsächlich stattfinden wird. Mindestens ein weiterer Fünfjahresplan wird wohl noch in den Direktionsräumen auf Limpertsberg ausgearbeitet werden. Aber auf die lange Bank lässt sich das Bedürfnis nach mehr Konvivialität und sozialer Einbindung wohl nicht mehr schieben.


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