ASTM: Weniger ist nicht mehr

von | 08.11.2007

Die „Action Solidarité Tiers Monde“ unterstützt seit nunmehr fast vierzig Jahren lokale Partner in ärmeren Weltregionen. Dazu werden jedoch Finanzmittel benötigt.

„Das Volumen unserer Projekte könnte um ein Viertel höher ausfallen“, stellt die Action Solidarité Tiers Monde (ASTM) in ihrer Pressekonferenz diese Woche fest. Da die staatliche Beteiligung 2006 von 85 auf 80 Prozent herabgeschraubt wurde, könnte eines von vier Projekten nicht mehr verwirklicht werden. Parallel dazu sei der so genannte „accord cadre“ mit dem Kooperationsministerium, der jeweils für die Dauer von fünf Jahren verhandelt wird, wenig flexibel.

Dabei kann die ASTM, deren Einsatz unter anderem durch private Spenden finanziert wird und auf dem Engagement von vielen Freiwilligen beruht, mittlerweile auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. 1969 als asbl. unter dem Namen „Action Formation de Cadres“ gegründet, bestand ihr erster Schwerpunkt darin, junge Menschen aus ärmeren Ländern des Südens zu lokalen Verantwortungsträgern auszubilden. Die Strategie ging dahin, die Teilnahme von lokalen Partnerorganisationen an Entscheidungsprozessen zu stärken: Indem die ASTM von den Partnern entwickelte Projekte unterstützte, die der Selbstversorgung der lokalen Bevölkerung zu Gute kommen sollten. Und das im Sinne eines nachhaltigen Umgangs mit den natürlichen Ressourcen.

Neben der Sensibilisierungsarbeit in Luxemburg etwa durch die Herausgabe der Zeitschrift „Brennpunkt“, dem Engagement im „Klimabündnis Lëtzebuerg“, der Beteiligung an der Gründung von Radio Ara und dem „commerce équitable“ – arbeitet die ASTM mittlerweile mit rund 26 Partnern in Afrika, Südamerika und Asien zusammen.

Eines der beispielhaften Projekte, die die ASTM diese Woche vorstellte, wird im Nordosten von Brasilien umgesetzt. „In Brasilien leben rund 30 Millionen Menschen unter der Armutsgrenze. Darunter befindet sich ein Großteil der Landbevölkerung, da der Grundbesitz zwischen den Großgrundbesitzern und den einheimischen Kleinbauern ungleichmäßig verteilt ist“, so José Claudio da Silva, Mitarbeiter des „Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra“ (MST). Die ASTM unterstützt seit 1986 finanziell den MST, dessen Hauptaktivität darin besteht, unbebautes Land zu besetzen und es den lokalen Agrargemeinschaften zur Verfügung zu stellen. Dabei organisiert der MST „acampamentos“, provisorische Zeltlager, in denen die Familien leben während sie das besetzte Land bearbeiten. „Eine Besetzung kann zwei bis sieben Jahre dauern“, meint da Silva. Nicht selten komme es zu blutigen Zwischenfällen mit der Polizei oder der Miliz der „Latifundiários“. Erst mit dem offiziellen Besitzrecht werden Agrargemeinschaften gegründet mit richtigen Häusern und Schulen. So hat der MST rund 2 Millionen Menschen eine eigene Existenz ermöglicht.

Mit 5.000 Agrargemeinschaften und rund 1.500 neu gegründeten Schulen ist der MST nicht nur die größte Bauernorganisation Lateinamerikas, sondern auch eine der best organisierten Widerstandsbewegungen gegen den Liberalismus. Denn der größte Feind der MST scheint heute nicht mehr der Großgrundbesitzer, sondern das Agrobusiness zu sein. Ein Konfliktpunkt sind Monokulturen, die auf Export ausgerichtet sind und der Herstellung von Bio-Brennstoff dienen. So plant die brasilianische Regierung die Anbaufläche von Zuckerrohr um das Fünffache auszubauen. Dagegen plädiert der MST für eine andere Agrarpolitik und unterstützt vor allem den Anbau von Lebensmitteln, um die Grundversorgung der ansässigen Bevölkerung abzusichern. Auch plädiert die Organisation für nachhaltigere Formen der Bewirtschaftung.

Um ihrer Zusammenarbeit mit ihren Partnerorganisationen im Süden Nachdruck zu verleihen, veranstaltet die ASTM am heutigen Freitag ab 19 Uhr eine „soirée brésilienne“ im „Sang a Klang“ mit José Claudio da Silva und der brasilianischen Sängerin Celia Mara. Am 15 November ist ab 17 Uhr Tag der offenen Tür im CITIM (Centre d`Information Tiers Monde), wo ab 19 Uhr der Film „Rauchopfer – die tödlichen Strategien der Tabakmultis“ gezeigt wird.

Details siehe unter www.astm.lu

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