BIOENERGIE: Nicht ‚per se‘ sinnvoll

Der Meco sieht zwar Chancen im Bereich der Biomassenutzung, kann sich der daran gekoppelten Euphorie aber nicht anschließen.

Ökologisch sinnvoll? Wirtschaftsminister Krecké bei der Unterzeichnung
einer Konvention mit der Firma Biocardel.

Biomasse, Bioenergie, Bioethanol, Biodiesel – nur weil Bio draufsteht, ist die Nutzung von nachwachsenden
Energieträgern nach Meinung des Mouvement écologique nicht automatisch ökologisch sinnvoll. Im Gegenteil: Für die Meco-Präsidentin Blanche Weber bergen einige der in letzter Zeit propagierten Vorhaben in Sachen
Bioenergie echte Gefahren für die Umwelt. Um dies zu vermeiden, sollte eine Nutzung von Bioenergie nur dann erfolgen, wenn deren Gewinnung umwelt- und naturverträglich ist, sie energetisch effizient vonstatten geht und die Emission von Schadstoffen möglichst gering ist.

Statt ziellos die verschiedensten Bioenergieträger zu propagieren, schlugen die Meco-Sprecher Roger Schauls und Claude Neuberg anlässlich einer Pressekonferenz vor, eher auf Energiesparen und -effizienz bei den bestehenden Energieformen zu setzen. Zusammengefasst: Die – sinnvolle – Nutzung von Biomasse wird zwar begrüßt, die daran gekoppelte Euphorie wollen die Umweltschützer aber nicht teilen.

Sinnvoll wäre eine Nutzung von ohnehin anfallenden Bioabfällen, wie etwa bei der Viehhaltung und der Grün- und Landschaftspflege. Ebenso wichtig wäre die Nutzung von festen oder flüssigen Abfällen aus der Nahrungsmittelindustrie sowie Schlachtabfällen. Auch organische Siedlungsabfälle und Klärschlamm lassen sich in Biogasanlagen umweltgerecht verwerten. Allerdings wird die erwünschte hohe Energieeffizienz vor allem in kleineren, dezentralen Biogasanlagen erreicht, insbesondere wenn diese so ausgelegt sind, dass sie auch zur Wärmenutzung dienen. Statt weniger als 20 Prozent Effizienz, wie sie etwa bei der Biodieselgewinnung erreicht wird, könnte eine Nutzung von Biomasse in einer Kraft-Wärme-Kopplung einen Wirkungsgrad von 80 Prozent erreichen.

Allerdings steht dieser Entwicklung die derzeitige Förderpolitik im Wege. Da eher auf eine Subvention der Investitionskosten als auf einen hohen Einspeisepreis für die so produzierte Energie gesetzt wird, werden die Betreiber von Großanlagen bevorzugt. Kleinere Initiativen scheitern hingegen an der aussichtslosen Finanzierung ihrer Anlagen.

Was den Anbau spezifischer Energiepflanzen anbelangt, gibt sich der Meco betont reserviert: Damit die favorisierte Lebensmittelproduktion nicht zu stark zurückgedrängt wird, sollte ohnehin nur eine sehr beschränkte Fläche für Energiepflanzen genutzt werden. Und auch hier sollte es zu einem Mischfruchtanbau kommen, der vor allem die Eigenversorgung der landwirtschaftlichen Betriebe im Visier hat.

Bioethanol und Biodiesel?
Nein Danke

Eine klare Absage erteilt der Meco der Produktion von Biodiesel und Bioethanol. Die bereits erwähnte niedrige Energieeffizienz und vor allem die geringe Naturverträglichkeit, wie etwa beim konventionellen Rapsanbau,
sprechen gegen den Anbau solcher Energiepflanzen. Besonders absurd wird das Ganze, wenn die zur Herstellung von Biokraftstoffen benötigten Rohstoffe aus dem Ausland importiert werden. Entsprechend skeptisch wird das Biocardel-Vorhaben zwischen Bettembourg und Dudelange gesehen. Zwar herrsche in den Meco-Reihen das „Prinzip Hoffnung“. Deshalb versuche man weiter darauf einzuwirken, dass in diesem Werk der Einsatz von importierter Biomasse vermieden wird. Doch deute allein die Größenordnung der Anlage darauf hin, dass hier von einem ökologischen Ansatz kaum die Rede sein könne.


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