SOZIALPOLITIK: Christiane Walerich

Die Demokratische Partei hat eine Umfrage in puncto Kinderbetreuung veranlasst – befragt wurden jedoch vorwiegend Personen mit luxemburgischem Pass.

„Wir hatten in den letzten Jahrzehnten eine Familienpolitik, bei der immer weitere Maßnahmen aufeinander gefolgt sind, ohne dass noch wahrgenommen wurde, was tatsächlich sinnvoll ist und was nicht“, so der DP-Vorsitzende Claude Meisch diese Woche. Deshalb habe die Demokratische Partei eine Umfrage bei TNS-Ilres zum Thema „La politique familiale au Luxembourg. Le vécu et la perception des familles“, angefordert, um herauszufinden, wie Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleben, was sie von bestehenden Betreuungsmaßnahmen wie dem Elternurlaub oder der „éducation précoce“ halten und wo sie zukünftige Verbesserungsmöglichkeiten sehen.

„87 Prozent Luxemburger sind in unserer Stichprobe vertreten. Das zeigt ganz klar, dass die Ausländer in dem Panel unterbesetzt sind. Umso mehr haben wir die Wahlbevölkerung im Land erfasst“, so Charles Margue, TNS-Ilres-Direktor. Und das ist denn auch das grundsätzliche Problem dieser sozialpolitischen Umfrage der DP, die im Dezember 2007 bei rund 760 Personen mit Kindern unter zwölf Jahren getätigt wurde: Das Ganze ist nicht wirklich repräsentativ – weder in puncto Bevölkerungsdurchschnitt noch in puncto Sozialstatus – und erscheint so eher als Sondierung der eigenen potenziellen Wählerschaft.

Aus der Umfrage geht hervor, dass immer mehr Eltern auf öffentliche Betreuungsstrukturen zurückgreifen: Versorgte die Generation über 50 ihre Kinder vor der Einschulung noch zu 61 Prozent zuhause, kümmert sich heute bei den jüngeren Eltern nur noch ein Haushalt von vieren um die eigenen Kinder. Kleinkinder, die nicht älter als zwei Jahre sind, werden sogar zu rund 80 Prozent außerhalb betreut. „Das heißt, gerade bei den Kleinkindern werden Betreuungsangebote benötigt“, so Margue. Auch sei der Ort wichtig, an dem die Kinder betreut werden. Diese Frage werde von den Familien jeweils unterschiedlich beantwortet, je nachdem, ob die Familie nur ein Kind hat oder mehrere, ob diese eingeschult sind oder nicht. „Drei Viertel der Leute haben das Bedürfnis nach einer Betreuungsstruktur an ihrem Wohnort, nur ein Viertel will diese nahe am Arbeitsplatz“, sagt Margue. Gerade bei der Schichtarbeit seien jedoch Betreuungsangebote vor Ort hilfreich. „Hier haben einige Krankenhäuser lokale Betreuungsplätze organisiert. Solche Angebote sucht man dagegen in der Industrie nach wie vor vergebens.“

Auch in puncto Öffnungszeiten bestehe Handlungsbedarf. 16 Prozent der Befragten bräuchten eine Betreuungsstelle, die schon um halb sieben Uhr in der Früh zugänglich sei. Was die Qualität der Krippenbetreuung anbelangt, sind die meisten Eltern zufrieden. Zufriedener noch sind die Eltern bei der Privatversorgung durch Tagesmütter, auch wenn hier das Angebot noch erweitert werden müsste.

„Die sozial Schwachen sind in unserer Stichprobe schlecht vertreten“, räumt Margue ein. Somit scheint auch der von TNS-Ilres ermittelte finanzielle Zugang zur Betreuung nichts über den tatsächlichen Bevölkerungsdurchschnitt in Luxemburg auszusagen: In der Umfrage haben rund zwölf Prozent der Befragten ernste finanzielle Probleme, sich eine Betreuung zu leisten. Jede fünfte Familie ist gezwungen, zu zweit zu arbeiten, um für die Lebensunterhaltskosten zu sorgen.

„Die Angebote müssen dem tatsächlichen Bedarf gerecht werden“, forderte Claude Meisch im Anschluss an die Vorstellung der Umfrage. Ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung hätte dazu mehr Informationen geliefert.


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