Mehr als Schweizer Käse

Präsent ist die junge Schweizer Sängerin und Songschreiberin Sophie Hunger auf der Bühne allemal. Und bleibt dabei doch unnahbar.

SOPHIE HUNGER

„Shadow boxing, monologue and we talk and we talk and we talk“. Der jungen Schweizer Sängerin und Songschreiberin Sophie Hunger – die eigentlich Emilie Welti heißt – geht es in ihren bittersüßen Songs um die inneren Gespenster. Und das in einer Intensität die ihr eigen ist: Mal sehnsuchtsvoll-traurig wie im „Walzer für Niemand“, dann jazzig wie in „Round and Round“, mit Indie-Klängen in „The Boat Is Full“ oder Country-Blues-mäßig im „Sophie Hunger Blues“, wo sie den Dylan-Ausspruch „I let you be part of my dream, if I can be part of yours“, souverän mit: „I let you be part of my dream, if I can be part of your reality“ beantwortet.

Unbeirrt, schafft Hunger – die in Bern geboren und als Kind einer Diplomatenfamilie in London, Bonn, Zürich und Teheran lebte – mal sanfte, mal ruppige, aber immer poetische Popsongs. Davon kann sich das Publikum nun selbst überzeugen, wenn die Sängerin am 27. Januar in der Escher Kulturfabrik auftritt. Nach ihrer CD „Monday’s Ghost“, mit dem es der ehemalige Geheimtipp bis an die Spitze der Album-Charts schaffte, ist vor rund einem Jahr ihr dritter Longplayer „1983“ erschienen, benannt nach ihrem Geburtsjahr.

Auch hier lebt die Musik von ihrer charismatischen Stimme, die meistens von Akustikgitarre, Klavier, Streichern oder Bläsern, die zum Teil unaufdringlich im Hintergrund spielen, begleitet wird. Jedoch gerade auf ihrer neuesten CD, auf dessen Cover sie gleichermaßen auf den Betrachter wie auf sich selbst zielt, hat sich die Sängerin vom akustischen Nette-Mädchen-Sound verabschiedet und poltert jetzt auch mal gerne mit E-Gitarren und energischem Schlagzeug; ihre Stücke sind greifbarer und grooviger geworden. Dennoch: So facettenreich die Musik ist, so zurückhaltend und unnahbar sind zum Teil ihre Texte. Sie gewähren kaum einen Blick auf die Person hinter den vielfältigen Songs. So verarbeitet die Schweizerin in ihren Texten Eindrücke, Zitate oder Gedankenbruchstücke und bringt auch mal politische Statements. Etwa wenn sie in „Train people“ von einem Zug singt, in dem alle Menschen sitzen, der unaufhaltsam in eine fatale Richtung fährt: „And everybody knows/ that we should be stopping/ that we should get off/ that this will collide/ but we’re all tied up“. Hunger singt gleich in vier Sprachen – Englisch, Französisch, Deutsch und gar schwyzerdütsch. Bei Letzterem muss man schon zweimal hinhören, um überhaupt etwas zu verstehen, trotzdem sind gerade die Songs in ihrer Muttersprache sehr authentisch. So etwa der Song „D Red“, mit sich behäbig dahin schleppenden Pianoklängen.

Man kann gespannt sein, wie sich Sophie Hunger auf der Bühne gibt. Live Auftritte gehören als Singer-Songwriterin auf jeden Fall zu ihrer Königsdisziplin. Und es wird ihr wohl nicht schwer fallen, das Publikum in ihren Bann zu ziehen.

Sophie Hunger in der Kulturfabrik am Donnerstag, dem 27. Januar.


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