ZEITGENÖSSISCHE MUSIK: Keine Berührungsängste

Mit „Simply Complex“ macht die Philharmonie den Liebhabern und Neulingen zeitgenössicher Musik einen großen Gefallen.

Werden die Zuhörer auf den neuesten Stand bringen: United Instruments of Lucilin.

Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich die neue – genauer genommen die zeitgenössische – Musik in den berühmtesten Konzerthallen Europas etabliert und erfreut sich immer größer werdender Beliebtheit. Auch die Philhamonie bietet im Rahmen der herausragenden Konzertreihe „Musiques d’aujourd’hui“ den Musikbegeisterten anlässlich des Konzertes „Simply Complex“ die Gelegenheit, sich mit neueren Werken, wie Ferneyhoughs „Time and Motion“ oder James Dillons weltbekannten Drum Solos vertraut zu machen.

Neue Musik ist längt zu einer Selbstverständlichkeit geworden, vor der weder Abonnement-Publikum, noch unerfahrene Konzertbesucher zurückschrecken sollten. Sie überflügelt die schlichte Ebene der bloßen Notwendigkeit, und mündet in einem wahrlich ästhetischen Ausnahmezustand, dem man mit Genuss und Lust zuhören kann. Brian Ferneyhough geheimnisvolles Werk, gründet vor allem im Reichtum und in der Komplexität seiner Ausführung. Seine höchst differenzierten Partituren können völlig unüberschaubar wirken, weshalb der Begriff der New Complexity oder des Komplexismus ihm wohl auch anhaftet. Wirft man jedoch einen näheren Blick auf die Partituren, so wird man schnell feststellen können, dass alles, was sehr exakt in Noten formuliert wurde, wohl kaum stricto sensu spielbar erscheint. Dieser Herausforderung werden sich die erfahrenen Musiker um Armand Angster, Emmanuel Séjourné und Guy Frisch vom Ensemble Lucilin am Freitag stellen.

Auch der zeitgenössische Komponist Wolfram Schurig, der bei vielen namhaften internationalen Festivals vertreten und bereits 2004 Gewinner des „Erste-Bank-Kompositionspreises“ war, wird in einer Uraufführung von Claus-Steffen Mahnkopfs Werk „Hommage à Wolfram Schurig“ zu Ehren kommen. Des Weiteren wird Wolfram Schurigs „Gravur für Streichtrio“ aufgeführt. Häufig bricht er die Grenzen des Vertrauten, stellt eingespielte Wahrnehmungsmuster in Frage um so eine offenere und unbestimmtere Schöpfungsdimension zu erreichen. Durch seine ständig die Grenzen der Fantasie überschreitende Schaffungskraft offenbart sich dem Zuhörer eine neue Hör- und Sichtweise der musischen Kunst. Claus-Steffen Mahnkopf, geboren 1962, ist nicht nur Musikphilosoph sondern auch Komponist, Musikwissenschaftler und Soziologe. Seine künstlerischen Mentoren waren unter anderem Brian Ferneyhough und Klaus Huber. So ist er ebenfalls Laureat zahlreicher Auszeichnungen, wie zum Beispiel dem „Gaudeamus“-Preis, eines der renommiertesten Preise für zeitgenössische Komposition und dem „Ernst von Siemens Förderpreis“. Die Interpreten des Abends werden das Luxemburger Ensemble „United Instruments of Lucilin“ und das französische Ensemble „Accroche Note“ sein.

Der erste öffentliche Auftritt des Ensemble „United Instruments of Lucilin? war anlässlich des zweiten Festivals der zeitgenössischen Musik „Rainy Days? im November 2000 zu verzeichnen. Heute zählt Lucilin zweifellos zu den wichtigsten Ensembles dieser Richtung im Großherzogtum. Als sein Leitgedanke gilt stets die Interaktion und den intensiven Dialog mit den Komponisten zu stärken, sowie die Zusammenarbeit mit Musikern aus anderen Kunst- und Kulturhorizonten zu fördern. Das Ensemble „Accroche Note“ widmet sich ebenfalls exklusiv der neuen Musik und versucht einen sichtbaren Bezug zwischen den musikalischen Werken und anderen Künsten für das Publikum herzustellen.

Dieser Abend bietet die Möglichkeit Berührungsängste mit der zeitgenössischen Musik zu überwinden und zugleich herausragende Komponisten jenseits ihrer Komplexität zu entdecken.

„Simply Complex“, am heutigen Freitag, dem 28. Januar in der Philharmonie.


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