EXPO SHANGHAI: Pavillon bleibt

Der luxemburgische Pavillon wird noch mindestens fünf Jahre auf dem Gelände der Weltausstellung in Shanghai bleiben. Wie er genutzt werden wird, steht noch nicht fest.

Einige Monate hing die Zukunft des luxemburgischen Pavillons auf der Weltausstellung in Shanghai in der Schwebe. Nun steht fest: „Der luxemburgische Pavillon ist ein Geschenk des luxemburgischen Volkes an das chinesische Volk.“ Dies kündigte Robert Goebbels vergangenen Freitag, sehr zufrieden, an. Der Expo-Kommissar beendete damit endgültig alle Spekulationen über die Zukunft des Luxemburger Pavillons, der rund sechs Monate lang auf der Weltausstellung in Shanghai zu besichtigen war. Das „Geschenk“ ? neben dem von Ruhm und Ehre ? macht damit natürlich in Wahrheit China. Nämlich von schätzungsweise 800.000 Euro, die, laut Goebbels, ein Abriss des Pavillons in etwa gekostet hätte und die Luxemburg nun erspart bleiben. Neben den beträchtlichen weiteren Kosten für die Rückführung des Terrains in seinen ursprünglichen Zustand.

Damit sind nun auch endgültig die in den vergangenen Monaten aufgekommenen Ideen vom Tisch, den Pavillon der Gëlle Fra nach Luxemburg folgen zu lassen oder aber ihn dem chinesischen Stahlkonzern Hunan Valin zu übergeben, damit dieser ihn in der chinesischen Stadt Loudiin wieder aufbaut. Letzteres war noch im Dezember eine nicht unwahrscheinliche Option.

Neben dem luxemburgischen werden auch der saudi-arabische, der russische, der spanische, italienische und französische Pavillon an Ort und Stelle bleiben. Dass ausgerechnet die Konstruktion des Architekten Francois Valentiny nun nicht dem Erdboden gleich gemacht wird, hängt, so Goebbels, sicherlich mit dem außergewöhnlichen Erfolg des Monuments zusammen. Gerade die extra eingeflogene Gëlle Fra habe riesige Besucherströme angezogen. Insgesamt konnte der Pavillon eine Besucherzahl von etwa 7,2 Millionen verzeichnen und landet damit unter den „top ten“ der meistbesuchten Expo-Pavillons. Von den insgesamt 72 Millionen Expo-Besuchern wurde er somit von jedem zehnten besichtigt. Die luxemburgische futuristische Konstruktion aus recyclebaren Materialien hat, zusammen mit ihrer natürlichen Klimaanlage, sicherlich auch an überzeugendem symbolischen Wert für die Expo gewonnen, die unter dem Motto „Better city better life“ stand.

Aber zunächst ist die Entscheidung, den „Small-is-beautiful-Pavillon“ auf dem Gelände zu behalten, natürlich eine große Auszeichnung für Luxemburg. Nun kommt es darauf an, wie der Pavillon in der Zukunft weiter genutzt werden wird. Mit der Entscheidung, ihn auf dem Expo-Gelände zu belassen, verpflichtet sich die chinesische Betreibergesellschaft der Expo, ihn mindestens fünf Jahre lang in seinem jetzigen Zustand zu erhalten. Um eventuell anfallende Reparaturen hat sie sich zu kümmern, und Veränderungen dürfen nur in Absprache mit dem Architekten vorgenommen werden. In welcher Form der Pavillon genutzt wird, ist jedoch Sache seines neuen Schutzherren und momentan noch nicht entschieden. Nach einem Bericht der Shanghai Daily vom März dieses Jahres soll das Expo-Gelände insgesamt während der nächsten fünf Jahre in eine „international community“ transformiert werden. Was genau sich dahinter verbirgt, ist nicht ganz klar, doch ein Teil des Geländes wird für Büros, und ein anderer für kulturelle Ereignisse, Konferenzen und Ausstellungen genutzt werden. Von dem saudi-arabischen Pavillon ist bereits bekannt, dass er als Kino dienen soll, so Goebbels.

Auch mit der finanziellen Verwaltung des Bauwerks zeigte sich Goebbels sehr zufrieden. Von dem insgesamt 15 Millionen Euro schweren Budget wurden effektiv 11,7 Millionen genutzt. Durch die gezielte und optimale Nutzung der Gelder und dank der aus dem chinesischen Wechselkurs resultierenden Zinsgewinne stünden dem Staat letztendlich noch 5,4 Millionen Euro aus dem ganzen Unternehmen zur Verfügung. Einige Rechnungen müssten, so Goebbels, aus diesem Budget noch beglichen werden, doch es sei sein Wunsch, die verbleibende Summe „Luxemburg for business“ zukommen zu lassen, um so die weltweite Promotion des Wirtschaftsstandortes Luxemburg voranzutreiben. Eine Entscheidung in diesem Sinne entspräche symbolisch wohl der Logik der sino-luxemburgischen Beziehungen: Better business, better life.


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