TIMUR BEKMAMBETOV: Blutsauger und Sklaven

Mit „Abraham Lincoln: Vampire Hunter“ liefert Timur Bekmambetov eine Adaptation des gleichnahmigen Mash-Up-Romans, die sich leider viel zu ernst nimmt und allen gefallen will.

Ehrwürdige Herren, Bürgerrechte, der Kampf zwischen Nord- und Südstaaten – aber auch der Gegensatz zwischen Armut und Reichtum sind Themen von „Abraham Lincoln: Vampire Hunter“

Abraham Lincoln lebt mit seinen Eltern Nancy (Robin McLeavy) und Thomas (Joseph Mawle) in Indiana, wo die Familie auf der Plantage von Jack Barts (Marton Csokas) arbeitet. Abraham freundet sich mit William Johnson (Anthony Mackie) an, einem schwarzen Jungen, dessen Familie ebenfalls auf der Plantage schuftet, und vom Sklaventreiber sehr unsanft behandelt wird. Als Barts eines Tages mit einem Riemen auf William eindrischt, läuft Abraham wild mit einer Axt auf Barts zu. Noch ahnt er nichts von seiner Vampir jagenden Zukunft, in der er die Axt noch öfters schwingen wird. Als der kleine Lincoln nämlich von seinem Vater erfährt, dass Vampire echt sind und einer von ihnen seinen Großvater umgebracht hat, ist der Junge geschockt. Und auch seine Mutter ist nicht an einer schlimmen Krankheit gestorben, sondern wurde vom blutsaugenden Plantagendirektor Barts angegriffen. Abraham Lincoln schwört sich, nicht nur Barts, sondern alle Vampire, die er findet, zu erlegen um sich für die Verluste seiner Familie zu rächen. Seine Unerfahrenheit im Umgang mit den blutdurstigen Monstern behindert jedoch seine Rachelust. Dann nimmt Henry Sturgess, ein erfahrener Vampirjäger, Abraham unter seine Fittiche. Neben den nächtlichen Vampirmorden begeistert sich Abraham nun auch für Politik und Bürgerrechte, denn seine unsterblichen Feinde sichern sich einen ungebremsten Nahrungszugang, indem sie Sklaven in den Südstaaten verwalten und oft genug auch verzehren. Als er zum Präsidenten gewählt wird, bricht der amerikanische Sezessionskrieg aus. Es bekämpfen sich, genau wie es in Geschichtsbüchern geschrieben steht, Nord- und Südstaaten. Doch der Film verrät uns, dass die sterblichen Unionisten in Gettysburg in Wirklichkeit auf sklaventreibende Blutsauger trafen.

Was wäre eigentlich, wenn der 16. Präsident ein Vampirjäger gewesen wäre? Diese Frage hat sich vor dem Roman von Seth Grahame-Smith niemand gestellt. Zugegeben, die Idee ist recht originell: Sie mischt etliche Genres und lässt viel Spielraum für humorvolle Anspielungen. Humor ist jedoch leider jedoch im Film kaum vorhanden. Der Trailer mag einen schrägen Horrorfilm versprechen, der nur wegen der teuren Produktion nicht in die Kategorie der B-Movies passt. Doch genau wie bereits „Cowboys & Aliens“ nimmt sich auch „Abraham Lincoln: Vampire Hunter“ viel zu ernst. Es wechseln sich Splatterszenen mit hastigen Plädoyers für Zivilrechte ab, ohne dabei wenigstens gruselig, informativ oder gar bewegend zu sein. Der Film nimmt sich also viel vor: Man hat den Eindruck, er wolle abwechselnd schockieren und rühren. Schlussendlich scheitert er gleich an mehreren Fronten. Die Kampfszenen des axtschwingenden und schlachtenden Präsidenten sind sehr gewagt, wirken jedoch überproduziert und lieblos. Vor allem die digitalen Slow Motion Szenen sehen aus wie aus einem Videospiel, was dem Film alle Spannung nimmt. Co-Produzent Tim Burton, der dieses Jahr bereits mit Dark Shadows enttäuschte, kann Bekmambetovs Film mit seinem typischen gothischen Stil auch nicht auffrischen. Die Splatterszenen, von denen es im Film genügend gibt, sind jedoch ziemlich brutal und reißen anfangs auch noch mit, können jedoch bald von der flachen Storyline nicht mehr ablenken. Als echter Horrorfilm kann „Abraham Lincoln: Vampire Hunter“ auch nicht beschrieben werden, denn Fans dieses Genres werden sogar in den blutigsten Momenten kaum mit der Wimper zucken. Trotz alledem ist die Verfilmung von „Pride and Prejudice and Zombies“, einem weiteren Bestseller Seth Grahame-Smiths, bereits in Planung. Es bleibt zu hoffen, dass die nicht versuchen wird, jedem zu gefallen.

Im Utopolis und CinéBelval.


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