REGIOGELD: Geldfälscher am Werk?

von | 17.08.2012

Wenig erfreut zeigt sich die hiesige Zentralbank über die Einführung des „Beki“, des Regionalgeldes im Kanton Réiden, ab dem 1. Januar 2013.

Das Image des Euro könnte schlechter nicht sein. Sogar Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker tut sich immer schwerer damit, den „Euro“ als Erfolg darzustellen. Ein Nebensatz in einem WDR Sommer-Interview, bei dem er eher beschwichtigend zu erläutern versuchte, dass er einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone zwar nicht wünsche, aber als „beherrschbar“ einschätze, ging wie ein Lauffeuer durch die Presse. Dass Juncker zudem betonte, dass „vor dem Herbst“ derartiges nicht passieren würde, wurde als sicheres Indiz dafür gedeutet, dass Griechenland spätestens 2013 zur Drachme zurückkehren werde.

Vorhersehbar und beherrschbar ist allerdings die Einführung des „Beki“, der Regionalwährung des Kanton Réiden. Gestandene Europäer, wie Robert Goebbels, einer der Väter des Schengener Abkommens, nach dem schon zu Lebzeiten eine Straße in dem Dorf am Dreiländereck benannt wurde, belächeln die Idee regionaler Währungen und tun diese als Monopoly-Geld ab. Dass der vom Beckericher Bürgermeister Camille Gira mitkonzipierte „Beki“ aber das Ergebnis eines mit europäischen Leader-Fördergeldern versehenen Vorhabens ist, dürfte die Protagonisten des gemeinsamen europäischen Wirtschaftsraums ziemlich wurmen.

Kein Geld, aber Gutschein

Auf deren Wunsch hatten Vertreter der Luxemburger Zentralbank sich schon Ende Juli mit den Verantwortlichen des Projekts „Regiogeld als Entwicklungsfaktor“ getroffen und anschließend eine doch erstaunliche Pressemitteilung verbreitet, wonach die Bank eine solche Initiative nicht unterstützen könne. „La Banque centrale ne peut encourager des initiatives véhiculant l’image d’une économie locale fermée, alors que la prospérité du Luxembourg est liée à l’ouverture de son économie et sa participation à l’Union monétaire“, ließen die Zentralbanker verlauten und verwiesen auf den Abschnitt „Reproduction et contrefaçon“ ihrer Homepage.

Es kommt ja nicht alle Tage vor, dass die Zentralbank sich zu solchen Initiativen äußert. Droht der Euro an lokaler Kleinkrämerei zugrunde zu gehen? Bewegen sich die „Beki“-InitiatorInnen in einer Grauzone oder sind sie sogar Geldfälschern gleichzusetzen? Als Wächterinnen über den Euro ist es natürlich ein Anliegen der Zentralbanken, zu verhindern, dass falsche Euroscheine in Umlauf geraten. Dass der „Beki“ keine echte Währung sondern eigentlich nur ein Gutschein ist, der auf einem privatrechtlichen Abkommen der Mitglieder der a.s.b.l. „De Kär“ beruht, wird von den ProtagonistInnen des Regiogeldes bei jeder Gelegenheit wiederholt. Niemand wird gezwungen, den Beki anzunehmen oder einzusetzen. Außerdem beschränkt sich sein Einsatzgebiet auf den Kanton Réiden.

Das „grüne Homeland“ wird es also nicht Griechenland gleichtun und die Eurozone verlassen. Im Gegenteil: Das Aufkommen der Regiogelder in Europa ist eher eine logische Begleiterscheinung des Euro, der ja bewusst die regionalen Unterschiede zugunsten eines weit ausgedehnten Währungsraumes aufgegeben hat, während die regionalen Währungen darauf zielen, einen möglichst großen Teil des wirtschaftlichen Umlaufs in der Region zu halten. In Europa gab es zwar schon einmal – in den 1920er und 30er Jahren – eine Reihe von Regionalwährungen, nämlich als es galt, nach der Weltwirtschaftskrise die lokalen und regionalen Wirtschaften wieder aufzubauen, und einige dieser Aktionen hatten auch Erfolg.

Doch einen echten Boom gibt es erst seit dem Anfang dieses Jahrhunderts, besonders nach der Einführung des Euros. So startete 2003 der „Chiemgauer“ in Oberbayern (*), der in vielfacher Hinsicht als Vorbild des Beki betrachtet werden kann. Das einstige Schülerprojekt wurde zum großen Erfolg, und sein Trägerverein, der neben etlichen tausend Einzelmitgliedern mehr als 800 Unternehmen und Vereine umfasst, garantiert eine basisdemokratische Ausrichtung des Projektes. Vielleicht ist es aber eine andere Zahl, die die BCL-Verantwortlichen Konkurrenz wittern lässt: Mit 480.000 Einwohnern umfasst das strikt eingeschränkte Einzugsgebiet des Chiemgauers fast so viele potentielle KonsumentInnen wie das kleine Großherzogtum.

(*) nicht Österreich, wie fälschlicherweise in der Druckausgabe dieses Artikels angegeben

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