Grundschule: Inklusion im Realitätstest

von | 17.04.2026

Die Lehrer*innengewerkschaft SNE misst den Aktionsplan zur Inklusion an der Praxis und warnt vor bürokratischen Rückschritten.

Kind in Schulklasse, streckt Hand aus, vorne vor der weissen Tafel steht ein Mädchen und stellt ein Plakat vor. nicht erkennbar, was auf dem Plakat steht.

Gelungene schulische Inklusion beginnt so früh wie möglich. (Foto: Taylor Flowe/Unsplash)

Nachdem Bildungsminister Claude Meisch (DP) am 23. März einen achtseitigen nationalen Aktionsplan zu Anpassungen der Inklusion in der Grundschule vorgestellt hat, reagierte das „Syndicat national des enseignants“ (SNE) nun auf die Änderungen. „Entscheidend für den Erfolg dieses Aktionsplans wird seine praktische Umsetzung sein“, sagte SNE-Präsident Patrick Remakel vergangenen Dienstag auf einer Pressekonferenz. „Und genau dort liegt der Hase im Pfeffer.“

Es gäbe zwar durchaus positive Aspekte, wie die geplante Einführung einer Ersatzkraft als Vertretung für die Équipe de soutien pour élèves à besoins éducatifs spécifiques (ESEB). Dies sei eine langjährige Forderung der Gewerkschaft, bislang habe aber der politische Willen gefehlt. Diese Unterstützungsteams für Schüler*innen mit besonderem Förderbedarf fungieren als Schnittstelle zwischen der Schule, den Eltern und spezialisierten Kompetenzzentren für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Sie sind in den luxemburgischen Grundschulen regional eingesetzt. Bislang wurden Posten, die wegen Krankheitsausfällen oder Ähnlichem nicht besetzt waren, nicht ersetzt. „Allerdings bleibt eine zentrale Frage offen: Wird diese Reserve in der Praxis auch funktionieren? Die Rekrutierung von ausreichend qualifiziertem Personal bleibt eine große Herausforderung“, so Remakel. Die Möglichkeit, dass ESEB-Teams künftig schneller und in bestimmten Fällen ohne vorherige Zustimmung der Eltern eingreifen können, wird von der SNE als Fortschritt gewertet.

Andere Anpassungen bergen aus Sicht der SNE jedoch die Gefahr, zu einem bürokratischen Wasserkopf zu werden. Besonders kritisch sieht die Lehrer*innengewerkschaft die geplante Einführung eines „Comité local“ in jeder Schule. Während lokale Ressourcen an den Schulen wie I-EBS (spezialisierte Lehrkräfte für Schüler*innen mit besonderem Förderbedarf) und A-EBS (entsprechende Assistenzkräfte) bislang flexibel und direkt vor Ort eingesetzt werden konnten, drohe nun ein schwerfälliger Entscheidungsprozess inklusive Validierung durch die Regionaldirektion. Statt Entlastung befürchtet der SNE einen erheblichen Mehraufwand für das Schulpersonal sowie daraus resultierende Verzögerungen bei der Unterstützung betroffener Kinder.

„Es kann nicht keiner sein“

Auch bei der geplanten Stärkung der Prävention im Cycle 1, für Kinder zwischen drei und fünf Jahren, sieht die Gewerkschaft Nachbesserungsbedarf. Zwar begrüßt sie grundsätzlich die Idee zusätzlichen pädagogischen Personals, kritisiert jedoch, dass der Aktionsplan lediglich im Rahmen eines Pilotprojekts einen Posten pro Schule vorsieht. Aus Sicht des SNE reicht dies bei Weitem nicht aus: Statt solch punktueller Maßnahmen fordert die Gewerkschaft einen strukturellen Ausbau mit dauerhaft verfügbaren Fachkräften im Unterricht.

Bei der geplanten Reform der Kompetenzzentren erkennt die SNE im Aktionsplan zwar einen wichtigen Ansatzpunkt, sieht aber auch hier die Gefahr des Scheiterns an der praktischen Umsetzung. Die acht spezialisierten Zentren, die jeweils unterschiedliche Schwerpunkte abdecken – etwa im Bereich Autismus, sozio-emotionale Entwicklung oder Lernschwierigkeiten –, sollen laut Meischs Aktionsplan künftig stärker regional verankert und ausgebaut werden, mit dem Ziel, betroffene Kinder wohnortnäher zu unterstützen.

In der Praxis kam es bislang häufig vor, dass Kinder zwischen verschiedenen Zentren hin- und herverwiesen wurden, ohne dass sich eine klare Zuständigkeit ergab, sagt Remakel. Bildungsminister Claude Meisch räumte dieses Problem bei der Vorstellung des Plans selbst ein: „Es kann nicht keiner sein“, sagte er mit Blick auf die Verantwortung der Einrichtungen. Der SNE begrüßt, dass diese strukturelle Schwäche erkannt wurde, fordert jedoch konkrete Verbesserungen im Alltag. Das bisherige „Ping-Pong-Spiel“ zwischen den Einrichtungen müsse beendet werden, so Remakel. Entscheidend sei, dass Kinder künftig schneller die notwendige Unterstützung erhalten, ohne dass lange die Zuständigkeit geklärt werden muss.

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