JOHN HILLCOAT: Brutale Unterhaltung

Lawless ist trotz der Erwartungen der Kritiker ein durchschnittlicher Gangsterfilm, der zwar unterhält, aber leider schnell wieder vergessen ist.

Brutalität gehört zum Geschäft, zumal, wenn man in der Illegalität operiert.

Die Bondurant Brüder sind in ganz Franklin County, Virginia bekannt. Forrest (Tom Hardy), Howard (Jason Clarke) und Jack (Shia LaBeouf) brennen und schmuggeln zusammen mit ihrem Freund Cricket Pete (Dane DeHaan) feinsten hausgemachten Schnaps. Dies geschah während der Prohibition von 1919 bis 1933 in den Vereinigten Staaten. Nach mehreren Unfällen und Angriffen, die die Brüder überleben, läuft ein Gerücht umher, das besagt dass die drei Brüder unsterblich seien. Ihr Geschäft, das sie in den Hinterräumen ihrer Bar verwalten, läuft jedenfalls gut: Sie beliefern die ganze Region mit ihrem „Moonshine“ und versorgen ebenfalls die örtlichen Polizisten damit. Als jedoch Charley Rakes (Guy Pearce), ein neuer Polizeibeamter aus der Stadt in das lokale Polizeicorps versetzt wird, geraten die Branntweinbrenner der Region unter Druck, denn der brutale Cop will sich einen Teil ihrer Einträge sichern.

Forrest lässt sich, auch nachdem Rakes seinen Bruder verprügelt hat, nicht einschüchtern. Er versucht, alle anderen Alkoholschmuggler gegen Rakes aufzustacheln. Zur gleichen Zeit stellt Forrest Maggie (Jessica Chastain), eine Tänzerin aus Chicago, als Barmädchen ein. Als auch sie in einem Gerangel von Rakes` Männern bedroht wird, bietet Forrest ihr an, bei ihm einzuziehen. Die beiden kommen sich bald näher. Auch Jack, der nun gerne im schicken Zwirn und neuem Automobil gesehen wird, hat sich verliebt, und zwar in Bertha (Mia Wasikowska), die Tochter des Predigers der örtlichen Baptistengemeinde. Doch es bleibt nicht viel Zeit für Romantik, denn der Machtkampf mit dem kaltblütigen Rakes fordert immer mehr Opfer. Werden die Brüder ihr Geschäft weiter betreiben können und viel wichtiger: Werden sie die brutalen Angriffe von Rakes` Männern überleben?

Nick Cave, der vor allem wegen seiner eklektischen Musik bekannt ist, schreibt nebenbei auch Romane und Drehbücher. Das Drehbuch zu Lawless, das auf dem Roman „The Wettest County in the World“ basiert, stammt aus seiner Feder. Genau wie die Themen vieler seiner Songs ist auch dieser Film teilweise sehr düster (einige Szenen sind sehr brutal und nichts für schwache Nerven). Die Abenteuer der Bondurant Brüder sind unterhaltsam und Cave gibt sich Mühe, jeder Figur genug Aufmerksamkeit zu schenken. Leider mangelt es deswegen ein wenig an Fokus, den eine klar definierte Hauptfigur mit sich brächte. Außerdem bleiben die weiblichen Rollen erschreckend oberflächlich: Die Frauen an der Seite der Schmuggler und Gesetzeshüter sind entweder Verführerinnen oder Opfer, und zu Wort kommen sie sowieso selten.

Lawless bietet neben den Schockszenen auch einige komische Momente. Vor allem Ferrgus, der eigentlich als stark und sehr brutal dargestellt wird, wirkt durch seine Vorliebe für Strickjacken manchmal doch recht ulkig. Auch will er einfach nicht sterben: Nach jedem Mordversuch erwacht er grantig murmelnd im Krankenhausbett. Tom Hardys Timing ist perfekt, sein stoischer Blick kontrastiert perfekt mit den drohenden Grimassen seines Opponenten. Der Sountrack besteht aus mitreissenden Bluegrass-Punk-Versionen von Stücken bekannter Interpreten wie John Lee Hooker und The Velvet Underground, alle von Nick Cave ausgesucht – auf manchen ist seine Stimme ebenfalls zu hören. Lawless hat demnach alles was ein Kult Film braucht: Aufsteigende Schauspieltalente, ein von einer exzentrischen Indie Größe geschriebenes Drehbuch und einen markanten Soundtrack. Doch es fehlt an Originalität, denn Lawless ist ein Gangsterfilm, wie man ihn bereits oft gesehen hat. Trotzdem ist er unterhaltsam, auch wenn er schnell vergessen ist.

Im CinéBelval


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