LOUNGE/JAZZ: Soft and smooth

Madeleine Peyroux wurde schon öfters mit Billie Holliday verglichen. Eine gute Stimme hat sie, schade nur, dass ihre letzten Songs etwas zu soft geraten sind.

Ob ihr Hund sie auch zu soft findet?

„Drink up baby, stay up all night, with the things you could do, you won’t but you might“. Den Song „Between the Bars“ des verstorbenen Eliott Smith, interpretierte die französischstämmige amerikanische Singer-Songwriterin Madeleine Peyroux mit betörendem Nachdruck. Der Song gehörte zu den eher melancholischen Balladen ihres Zweitwerks „Careless Love“, das 2004 erschienen ist und Peyroux mit ihrer eigensinnigen Mischung aus Blues, Jazz und Lounge-Musik bekannt machte. Mehr als eine Million Mal verkaufte sich das Album.

Ihre in sich gekehrte, dunkle, lässige Stimme – immer mit einer Prise Blues – machten die Songs von Peyroux, die an diesem Freitag im Atelier auftritt, zu einem unkonventionellen und trotzdem ins Ohr gehenden Erlebnis. Ihre Stimme brachte Kritiker sogar dazu sie mit der großen Billie Holiday zu vergleichen. Auf die Frage, wann ein Song perfekt sei, meinte Peyroux einmal „wenn er trotz seiner Vielschichtigkeit die scheinbare Simplizität eines Haiku hat und doch einen kompletten Gedanken ausdrückt.“

Aufgewachsen in New York, später nach Paris gezogen, interessierte sie sich recht früh für Musik. Ab 1990 war Peyroux als Straßenmusikerin aktiv und ging jahrelang mit der „Lost Wandering Blues & Jazz Band“ auf Tournee. 1996 wurde sie von der Plattenfirma Atlantic Records als Solistin für einen Plattenvertrag verpflichtet.

Auch mit ihrem sechsten und neues-ten Werk „Standing on the Rooftop“ (2011), versucht Peyroux ihre Präsenz zu behaupten. Mehr als zwei Drittel des Repertoires hat sie selbst geschrieben, meistens in Zusammenarbeit mit anderern Musikern – am prominentesten ist da wohl jene mit Ex-Rolling Stones Bassist Bill Wyman. Die meisten Songs seien eigentlich Gedichte, um die herum die Musik komponiert worden sei, so Peyroux. Auch sei ihr letztes Album ein sehr persönliches Werk, entstanden in einer Zeit des Innehaltens. Beim Titel „Standing on the Rooftop“ habe sie sich daran erinnert, wie sie als Kind von einem New Yorker Flachdach aus über die Stadt geblickt habe.

„Standing on the Rooftop? überrascht mit einem breiten Stilmix, es ist zum Teil funkiger und grooviger, irgendwo zwischen Jazz, experimentellem Pop, Country und Americana angesiedelt. Das ist auch ihren Bandkollegen zu verdanken: dem Gitarristen und Banjospieler Marc Ribot, der Bassistin Me’Shell Ndegeocello, dem Schlagzeuger Charley Drayton, dem Keyboarder John Kirby und dem Gitarristen Chris Bruce. Auch vertonte Peyroux hier einige Klassiker, von Bob Dylans „I Threw It All Away“ hin zu „Martha, My Dear“ von den Beatles, der das Album eröffnet.

Wer jedoch darauf hofft, dass Peyroux auch einmal im Stil einer Soul-Dame richtig auf den Putz haut, liegt falsch. Und das ist dann vielleicht auch der einzige negative Nachhall, der zumindest ihr letztes Album hinterlässt – auf das sie sicherlich auch im Atelier zurückgreifen wird: Es fällt recht lieblich, und verspielt aus. Aber vielleicht bietet sie ja live einen guten Querschnitt ihres Werkes und zeigt somit auch die Bandbreite ihres Könnens.

Im Atelier an diesem Freitag, dem 9. November.


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